Telemedizin

Mit der Videobrille gegen Schlaganfall

Um die Diagnostik bei Schwindel zu verbessern, setzt das Schlaganfallnetzwerk Tempis in Bayern eine Videobrille ein. Sie ermöglicht eine Untersuchung per Telemedizin.

Von Thorsten Schüller Veröffentlicht: 09.05.2019, 06:31 Uhr
Mit der Videobrille gegen Schlaganfall

Die Videobrille erfasst subtile Augenbewegungsstörungen.

© sct

MÜNCHEN. Jeder dritte Deutsche leidet im Laufe seines Lebens einmal an der Volkskrankheit Schwindel. Davon erhält aber wiederum nur jeder Dritte auf Anhieb eine gesicherte Diagnose und damit eine schnelle Behandlung. In fast 50 Prozent der Fälle werden die Patienten mit einer unspezifischen Diagnose entlassen. Besonders gefährlich wird dies, wenn die Ursache ein Schlaganfall ist.

Um die Zahl der Fehldiagnosen zu reduzieren und vor allem um Schlaganfälle bei Schwindelsymptomen besser und schneller feststellen zu können, hat die München Klinik im Stadtteil Harlaching jetzt das Projekt TeleSchwindelTriage vorgestellt.

Dabei erhalten Schwindelpatienten in 19 teilnehmenden regionalen Partnerkliniken des Schlaganfallnetzwerks Tempis in Südostbayern ihre Diagnose künftig per Videobrille und Live-Schaltung von Experten in den telemedizinischen Zentren in Harlaching, Regensburg und Altötting.

Das Ziel ist, Patienten in der Stadt und auf dem Land ortsunabhängig schnelle Expertenhilfe zukommen zu lassen – immerhin sterben nach Angaben der Klinik bei einem Schlaganfall ohne Behandlung pro Minute 1,9 Millionen Nervenzellen ab. Mit dem Förderprojekt „TeleSchwindelTriage“ werde Tempis damit um den Bereich Schwindel erweitert.

Brillen kosten 15.000 Euro

Nach den Informationen wurden während der einjährigen Vorbereitungsphase die 19 teilnehmenden Partnerkliniken in der Schwindeldiagnostik geschult und haben je eine der Videobrillen für 15.000 Euro erhalten. Mit deren Hilfe sollen subtile Augenbewegungsstörungen sichtbar gemacht werden können, die für die richtige Diagnose oft entscheidend seien.

Die Videobrille ist an eine mobile Telemedizinstation angeschlossen, über die die „Live-Schalte“ aus der Partnerklinik in das Schwindelzentrum stattfindet. So kann der Schwindelexperte im Zentrum die Untersuchung anleiten, die gemessenen Daten direkt bewerten und aus der Ferne die Diagnose stellen.

7000 Telekonsile im Jahr

Die Brille soll schätzungsweise bei 800 der jährlich 7000 im Tempis-Netzwerk durchgeführten Telekonsile zum Einsatz kommen. „Schwindel ist eines der häufigsten Symptome und tritt bei verschiedensten Krankheitsbildern auf. Deshalb ist die Diagnose oft nur in spezialisierten Zentren möglich“, sagte Projektleiter Dr. Peter Müller-Barna von der München Klinik Harlaching.

Müller-Barna weiter: „Es freut mich sehr, dass wir nun per Telemedizin die Möglichkeit haben, diese Expertise in die Fläche zu tragen. Patienten im ländlichen Südostbayern können wir nun eine schnellere Diagnostik und bessere Versorgung anbieten.“

Das Projekt hat zunächst eine Laufzeit von 2,5 Jahren, Projektträger ist die München Klinik Harlaching. Beteiligt sind neben den 19 Tempis-Partnerkliniken die Schlaganfallzentren München Klinik Harlaching und Universitätsneurologie Regensburg sowie die Schwindelzentren München Klinik Harlaching und Kreisklinik Altötting. Das Projekt wird vom Bayerischen Gesundheitsministerium und der Deutschen Stiftung Neurologie finanziell unterstützt.

Mehr zum Thema

Videosprechstunden

Schwedische Kry will mitmischen

Kommentare

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Newsletter bestellen »

Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte, Medizinstudenten, MFA und weitere Personengruppen viele Vorteile.

Die Anmeldung ist mit wenigen Klicks erledigt.

Jetzt anmelden / registrieren »

Top-Meldungen
So verschenken Ärzte bei Privatpatienten kein Geld mehr

Tipps für die Abrechnung

So verschenken Ärzte bei Privatpatienten kein Geld mehr

Vom Kälberpankreas-Extrakt zum „smarten“ Hormon

Die Geschichte des Insulins

Vom Kälberpankreas-Extrakt zum „smarten“ Hormon

Diese Website verwendet Cookies. Weitere Informationen zu Cookies und und insbesondere dazu, wie Sie deren Verwendung widersprechen können, finden Sie in unseren Datenschutzhinweisen.  Verstanden