Unternehmen

Mit einem Patent auf Backpulver fing alles an

Boehringer Ingelheim feiert in diesem Jahr den 125. Geburtstag. Das Pharma-Unternehmen ist seit seiner Gründung in Familienbesitz.

Von Hauke GerlofHauke Gerlof Veröffentlicht:
Das erste Patent von Boehringer: ein neues Verfahren zur Herstellung von Backpulver.

Das erste Patent von Boehringer: ein neues Verfahren zur Herstellung von Backpulver.

© Boehringer Ingelheim

INGELHEIM. "125 Jahre mehr Gesundheit" - mit diesem Leitspruch begleitet das forschende Pharma-Unternehmen Boehringer Ingelheim sein Jubiläum. Im Jahr 1885 kaufte Albert Boehringer in Ingelheim eine kleine Weinsteinfabrik und legte damit den Grundstein zu einem "stark forschungsgetriebenen Unternehmen", sagte Professor Andreas Barner, Sprecher der Unternehmensleitung, bei einer Presseveranstaltung aus Anlass des Jubiläums.

Aus der kleinen Fabrik wurde ein Weltunternehmen

Aus der kleinen Fabrik ist längst ein pharmazeutisches Weltunternehmen geworden, das zweitgrößte in Deutschland. Nach wie vor ist Boehringer Ingelheim ein Familienunternehmen, in dem mittlerweile die vierte Generation das Sagen hat. Das Unternehmen werde "mit ruhiger Hand geführt", die Gesellschafter stellten nicht nur das Kapital zur Verfügung, sondern investierten auch große Teile des Gewinns wieder ins Unternehmen, sagte Christian Boehringer, Sprecher des Gesellschafterausschusses. Das gebe einen "verlässlichen finanziellen Rahmen" und schaffe "Kontinuität in der strategischen Ausrichtung", so Boehringer.

Gerade diese langfristige Ausrichtung sei für ein forschendes Unternehmen wichtig, erklärten Boehringer und Barner übereinstimmend. Im Jubiläumsjahr legt Boehringer Ingelheim eine Wachstumspause ein, doch "wir stehen am Beginn einer weiteren Wachstumsphase." Auch in Zukunft soll Wachstum überwiegend aus eigener Kraft erfolgen, nicht durch Zukäufe.

Große Hoffnungen liegen auf dem neuartigen oralen Gerinnungshemmer Pradaxa® (Dabigatranetexilat), der auch zur Prävention des Schlaganfalls bei Patienten mit Vorhofflimmern zum Einsatz kommen könnte. Auch in den neuen Indikationsgebieten Diabetes und in der Onkologie sei von Boehringer Ingelheim einiges zu erwarten, kündigte Barner an.

Die Basis für den Erfolg legte die Entdeckung eines industriellen Herstellungsverfahrens für Milchsäure mit Hilfe von Bakterien, acht Jahre nach Übernahme der Weinsteinfabrik in Ingelheim durch Albert Boehringer. Damit sei Boehringer einer der Pioniere in der industriellen Anwendung biotechnologischer Prozesse, sagte Barner. Milchsäure wurde auch zur Herstellung von Backpulver benötigt - für das das Unternehmen zehn Jahre nach Gründung sein erstes Patent erhielt. Anfang des 20. Jahrhunderts begann das Unternehmen dann mit der Extraktion von Alkaloiden - 1912 kam mit dem Schmerzmittel Laudanum® auf Basis von sechs Alkaloiden die erste pharmazeutische Spezialität des Unternehmens auf den Markt.

Innovative Medikamente für Menschen und Tiere

Es folgten der Aufbau einer Forschungsabteilung (1917) und der Einstieg in immer mehr Indikationsgebiete wie Herz-Kreislauf (Cadechol®, 1920) und Atemwegserkrankungen (Aludrin®, 1941), der Kauf der Firma Dr. Karl Thomae (heute mit Standort in Biberach), nach dem Krieg dann die Internationalisierung mit Standorten in Europa und in Übersee.

Boehringer Ingelheim beschäftigt heute weltweit rund 41 500 Mitarbeiter und hat im Vorjahr Erlöse von 12,72 Milliarden Euro erzielt. Aktiv ist das Unternehmen bei verschreibungspflichtigen und bei Präparaten der Selbstmedikation sowie in der Tiergesundheit, besonders mit Impfstoffen für Tiere. Ein weiteres Standbein ist das Industriekundengeschäft unter anderem bei der Herstellung von Biopharmazeutika.

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