Neue Vernetzungstechnik holt Fachärzte in den Rettungswagen

Mit einem mobilen Einsatz-Führungssytem sollen Rettungswagen und Feuerwehrautos zum verlängerten Arm der Leitstellen und Kliniken werden.

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Profitieren von der neuen Technik würden vor allem ländliche Regionen, hier dauert die Fahrt im Rettungswagen im Schnitt 20 Minuten. © Maria.P. / fotolia.com

Profitieren von der neuen Technik würden vor allem ländliche Regionen, hier dauert die Fahrt im Rettungswagen im Schnitt 20 Minuten. © Maria.P. / fotolia.com

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ESCHBORN (pei). Ob medizinischer Rettungsdienst oder Feuerwehr - das Rettungswesen hat bei der Kommunikationstechnik Nachholbedarf. Ein häufiges Problem ist die Integration von analoger und digitaler Technik. Cisco bietet dafür jetzt mit Partnern eine Lösung an. Das mobile Einsatz-Führungssystem Scout (schnelle ortsunabhängige Übertragung) soll die Einsatzfahrzeuge der Feuerwehr, aber auch des medizinischen Rettungsdienstes, zum "verlängerten Arm" der Leitstellen machen.

Bisher herrsche in der Kommunikationstechnik der Feuerwehr noch die Steinzeit, sagte Bernd Kahnes, Geschäftsführer des Netzwerkspezialisten und Scout-Entwicklers Cobixx aus Neuried bei München, bei der Vorstellung des Systems in Eschborn.

Derzeit erhalten laut Kahnes die Einsatzleiter, wenn die Rettungsfahrzeuge ausrücken, noch einen Ordner mit den nötigen Informationen über den Einsatzort, beispielsweise über Wasseranschlüsse oder besondere Gefahrenquellen in der Umgebung wie etwa Chemikalienlager. Mit dem FireScout werden diese Daten in digitaler Aufbereitung auf einen mobilen PC übermittelt, dazu noch viele andere für den Einsatz relevante Informationen, von der aktuellen Verkehrslage bis hin zu Informationen zur Geländebeschaffenheit des Brandortes. Zudem wird der Einsatz komplett dokumentiert. So lässt sich später etwa feststellen, ob das Fahrzeug an einer Kreuzung mit Blaulicht gefahren ist.

Dabei können Leitstelle und Einsatzfahrzeug über alle Verbindungswege verfügen. Bricht etwa das Mobiltelefonnetz zusammen, kann die Kommunikation über Satellit laufen. Inkompatible analoge und digitale Funktechnik wird mit dem Tool Conet UC Radio Suite integriert. Damit würden, so Cisco, die Migrationszeiträume für die Umstellung von analoger auf digitale Technik "den wirtschaftlichen Bedingungen" angepasst. Ausprobiert wird der FireScout derzeit in einer Feuerwache im bayerischen Höhenkirchen.

Diese "medienbruchfreie Kommunikation", die Funk, Mobiltelefonie und Festnetztelefonie integriert, soll auch dem medizinischen Rettungsdienst zugute kommen. Nach Angaben von Thomas Mierschke, Managing Director Öffentliche Hand und Service Provider von Cisco Deutschland, soll das mobile Führungssystem von Cisco und Cobixx demnächst beim Roten Kreuz in Bayern angewendet werden.

Im Flächenland Bayern sei der Zeitfaktor entscheidend: In ländlichen Gegenden benötige der Rettungswagen im Schnitt 20 Minuten, bis er beim Notfallpatienten ist. Durch Bildübertragung vom Einsatzfahrzeug aus könnten etwa Kopfverletzungen von Unfallopfern vorab von Klinikärzten beurteilt werden. "Wir verlagern virtuell Fachpersonal und Geräte an den Unfallort", so Mierschke. Bei der Informationsübertragung sei der Datenschutz genauso gesichert wie im Krankenhaus.

In der Telemedizin engagiert sich Cisco mit seinem System HealthPresence, das in Deutschland allerdings noch nicht eingesetzt wird. Pilotprojekte laufen unter anderem in Frankreich und Schottland. In Paris wird HealthPresence für die Betreuung von geriatrischen Patienten genutzt. Die Konsultation von Fachärzten aus mittlerweile 16 Disziplinen erfolgt per Kamera, HD-Bildübertragung und -Bildschirm, Vitaldaten wie beispielsweise Blutdruck werden direkt von den Geräten eingespeist. So müssen die Patienten nicht mehr per Auto zu den Spezialisten transportiert werden. 

Nach den Worten von Dr. med. Klaus Juffernbruch, Director Healthcare bei der Internet Business Solutions-Sparte von Cisco, hat diese Form der Fernkonsultation das zuvor nicht sehr begehrte Fach Geriatrie "richtig hip" gemacht, das Interesse der Ärzte sei deutlich gestiegen. HealthPresence biete nicht zuletzt eine Lösung für das Problem, dass medizinisches Fachwissen weltweit immer rarer und teurer werde.

www.cisco.com www.firescout.de www.cobixx.de

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