Kapitalanlage

Nicht jeder Themenfonds zu Trends ist ein Investment wert

Über Themenfonds können Anleger auf Entwicklungen setzen, die massiv das Wirtschaftsgeschehen beeinflussen. Entscheidend für den Erfolg ist dabei die richtige Auswahl. Denn nicht jeder Trend ist von langer Dauer.

Von Richard Haimann Veröffentlicht: 31.08.2020, 04:00 Uhr
Themenfonds locken Anleger mit dem Versprechen, an globalen Trends partizipieren zu können.

Themenfonds locken Anleger mit dem Versprechen, an globalen Trends partizipieren zu können.

© Egor / stock.adobe.com

Neu-Isenburg. Digitalisierung, Globalisierung, Elektromobilität – große Trends verändern global Wirtschaft und Gesellschaft. Über Themenfonds sollen Anleger an diesen Umwälzungen partizipieren können. Sie investieren das Kapital ihrer Kunden in Aktien von Unternehmen, die von den neuen Entwicklungen besonders stark profitieren sollen. Doch Experten warnen davor, auf jeden neuen Trend zu setzen.

Grundsätzlich aussichtsreich seien die Anlagethemen Digitalisierung, Nachhaltigkeit und Elektromobilität, sagt Petra Ahrens, Vorstand von Maiestas Vermögensmanagement in Köln. „Alles, was digitalisiert werden kann, wird künftig auch digitalisiert werden.“ Gleichzeitig würden nachhaltig gefertigte Produkte für Konsumenten immer wichtiger. Und die Automobilhersteller wechselten weltweit von Verbrennungsmotoren auf Elektroantriebe und Brennstoffzellen.

Allerdings sollten Anleger, die in Themenfonds investieren, regelmäßig prüfen, ob „ein Trend weiterhin die Chance auf einen zukünftigen Mehrwert bietet“, sagt Michael Thaler, Vorstand des Münchner Anlagemanagers Top Vermögen. So könnten Investoren zwar davon ausgehen, dass „die aktuelle Corona-Pandemie die Digitalisierung der Arbeitswelt noch einmal beschleunigt und den börsennotierten Hightech-Giganten gute Jahre bevorstehen“, sagt Thaler. „Allerdings ist dies teilweise bereits in den Aktienkursen dieser Unternehmen eingepreist.“ Hohe Zuwächse bei den Börsennotierungen seien deshalb nicht mehr unbedingt zu erwarten.

Anders sehe dies hingegen bei Aktien von Unternehmen aus, die mit ihren Produkten und Dienstleistungen für Datensicherheit sorgen. „Die Digitalisierung wird dafür sorgen, dass alle Unternehmen mehr in den Schutz ihrer Daten vor Hackerangriffen investieren müssen“, sagt Thaler. „In diesem Segment liegen deshalb noch Wachstumspotenziale verborgen.“ Ein Investment in einen Themenfonds zur Internetsicherheit könnte deshalb ertragreicher sein als eines in einen zur Digitalisierung.

Anleger, die Aktien erst spät über einen Themenfonds erwerben, erleiden mit solchen Investitionen immer wieder Schiffbruch.

Thomas Wüst, Geschäftsführer der Valorvest Vermögensverwaltung in Stuttgart

Themenfonds seien dann ein sinnvolles Anlageinstrument, wenn sie auf Trends setzen, „die nicht substituierbar sind, also nicht auf einer nur temporären Modeerscheinung basieren“, sagt David Bienbeck, Anlagestratege bei der Kölner Vermögensverwaltung Albrech & Cie. Ein Beispiel dafür sei der Bereich Gesundheit. Weil weltweit die Einkommen steigen und die Menschen immer älter werden, wachse auch global der Bedarf an Pharmaprodukten.

Allerdings würden gerade bei kurzfristigen Mode-Themen viele Fonds erst aufgelegt, „wenn der Trend längst in aller Munde ist“, sagt Thomas Wüst, Geschäftsführer der Valorvest Vermögensverwaltung in Stuttgart. Profiinvestoren hätten zu diesem Zeitpunkt die Aktienkurse längst in die Höhe getrieben und ihre Papiere bereits wieder verkauft. „Anleger, die die Aktien erst spät über einen Themenfonds erwerben, erleiden deshalb mit solchen Investitionen immer wieder Schiffbruch“, sagt Wüst.

Beispiele dafür seien die längst wieder zu Ende gegangenen Investmenttrends in Aktien von Erzeugern von 3D-Druckern oder von Minengesellschaften, die nach seltenen Erden schürfen, sagt der Geschäftsführer. Nachdem in den vergangenen Jahren große Vorkommen entdeckt wurden, sind die Preise für seltene Erden deutlich gesunken.

Anleger, die über mehrere Themenfonds in eine Reihe von Trends investieren wollen, sollten darauf achten, dass die einzelnen Fonds nicht in die gleichen Aktien investieren, sagt Jürgen Brückner, Portfoliomanager bei FV Frankfurter Vermögen in Bad Homburg. So ist die Aktie von Alphabet, dem Mutterkonzern der Suchmaschine Google, sowohl in Fonds zu finden, die auf das Thema Digitalisierung setzen, wie auch in Fonds, die in Elektromobilität investieren.

Zudem seien in manchen Themenfonds auch Aktien von Unternehmen zu finden, die nicht primär am Trend beteiligt sind. Dazu zählen Banken, die lediglich Kredite an Branchenfirmen ausreichen. „Solche Fonds sind eine Mogelpackung, weil deren Manager nicht genügend Aktien finden, die speziell dem jeweiligen Thema zuzuordnen sind“, sagt Brückner.

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