Erster Lehrplan Patientengespräch

Nicht  nur Fachkompetenz ist gefragt

Das Arzt-Patienten-Gespräch rückt in seiner Bedeutung für eine erfolgreiche Therapie immer mehr in den Mittelpunkt. Vor allem bei schweren Diagnosen.Das "Mustercurriculum" soll künftig bundesweit den Medizinernachwuchs darauf vorbereiten.

Veröffentlicht: 01.03.2016, 05:34 Uhr

HEIDELBERG. Angehende Ärztinnen und Ärzte sollen in Zukunft darauf vorbereitet werden, wie sie mit Patienten sprechen. Ein erster Kommunikations-Lehrplan für das Medizinstudium soll zukünftig deutschlandweit in Medizinfakultäten eingeführt werden.

Erarbeitet wurde das Mustercurriculum für Arzt-Patienten-Kommunikation im Projekt "Kommunikative Kompetenzen von Ärztinnen und Ärzten in der Onkologie", dessen Ergebnisse noch bis Dienstag in Heidelberg vorgestellt und diskutiert werden. Beteiligt sind alle 37 medizinischen Fakultäten in Deutschland und Medizinische Fachgesellschaften.

Einfühlsamkeit gefragt

Von einem gelungenen Gespräch zwischen Arzt und Patient hängt es ab, wie gut sich der Patient behandelt fühlt und ob er den ärztlichen Empfehlungen folgt. Gerade bei niederschmetternden Diagnosen wie einer Krebserkrankung benötigen Ärzte nicht nur Fingerspitzengefühl, sondern einiges an kommunikativer Kompetenz.

Deshalb sei es wichtig, Ärztinnen und Ärzte schon im Medizinstudium besser auf die Gespräche mit ihren Patientinnen und Patienten vorzubereiten, sagte Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) bei der Eröffnung der Veranstaltung laut Pressemitteilung. "

Ein einfühlsames und verständliches Arzt-Patienten-Gespräch kann dazu beitragen, die Behandlung bei einer Krebserkrankung, aber auch bei vielen anderen Erkrankungen zu verbessern", so Gröhe weiter.

Ziel sind einheitliche Standards

"Der Stand der Ausbildung in ärztlicher Gesprächsführung ist an den medizinischen Fakultäten bisher sehr heterogen, was sich auch in den kommunikativen Kompetenzen der Ärzte in Deutschland widerspiegelt", sagte Professor Jana Jünger, Oberärztin an der Klinik für Allgemeine Innere Medizin und Psychosomatik am Universitätsklinikum Heidelberg.

Daher gelte es, möglichst einheitliche Standards zu etablieren und "die medizinischen Fakultäten dabei zu unterstützen, die gemeinsam erarbeiteten Lernziele mit Hilfe von Best Practice-Beispielen in Lehre und Prüfung ihrer Curricula einzubinden", sagte Jünger in Heidelberg.

 Am Dienstag soll nun eine "Heidelberger Erklärung" aller am Projekt beteiligten Institutionen beschlossen werden. Darin soll die Absicht bekundet werden, sich bundesweit für eine Förderung der kommunikativen Kompetenzen in der ärztlichen Ausbildung einzusetzen.

Bei Patienten mit Krebs sei auch die Perspektive der Pflege einzubinden, hieß es bei der Veranstaltung in Heidelberg. (ger)

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Kommentare
Dr. Hans-Jürgen Kühle

In der ambulanten Medizin essentiell

Nicht nur wegen der Tonnen weggeworfener Medikamente freue ich mich, dass die Gesprächsführung endlich ins Blickfeld (wieder)kommt. An der JLU Gießen war das 1973 noch Teil der Vorkurse zum 1. Semester!
Nur, wenn der Arzt sich in die Lage des Patienten versetzt, wird er Therapieerfolg haben. Ambulante Kinder- und Jugendmedizin ist Gesprächsführung, bei der die Medizin natürlich im Nebenschluss immer mitläuft.
Dann kann auch die begründete Zuversicht beim geweckt werden, die bei ihm die Placebowirkung entfalten lässt - also ein ganz wichtiges Werkzeug!
Hoffentlich setzt Herr Gröhe das auch bei der Honorierung um, mindestens in der neuen GOÄ!!!!

Ulrich Welzel

Gespannt

Da bin ich sehr gespannt, was dabei heraus kommt, ist doch die Arzt-Patienten-Kommunikation in den meisten Fällen ein Grauen. Dabei sollte nicht nur die Förderung der kommunikativen Kompetenzen in der ärztlichen Ausbildung verändert werden, sondern auch bereits praktizierenden Ärzte sollten in Fortbildungen mit einbezogen werden.


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