Aktienmarkt

Oft sind Wahljahre in den USA auch gute Börsenjahre

In der Vergangenheit legten US-Aktien vor Präsidentschaftswahlen regelmäßig stark zu. Experten sind geteilter Meinung, ob dies auch diesmal gilt. Denn Donald Trumps Handelskriege und Attacken auf die Pharmaindustrie verunsichern Investoren.

Von Richard Haimann Veröffentlicht:
Der Präsidentschaftswahlkampf hat begonnen – ein Startsignal für US-Aktienkurse?

Der Präsidentschaftswahlkampf hat begonnen – ein Startsignal für US-Aktienkurse?

© Eva Marie Uzcategui T. / dpa

NEU-ISENBURG. Greift die Statistik aus der Historie, müssten US-Aktien in den kommenden Monaten kräftig zulegen. Denn in den Vereinigten Staaten entscheiden die Wähler am 3. November kommenden Jahres, wer bis 2024 im Weißen Haus regieren wird. Und bisher galt stets: „Das dritte und vierte Jahr einer Präsidentschaft sind an der Börse die stärksten Jahre im Wahlzyklus“, sagt Stephan Albrech, Vorstand der Kölner Vermögensverwaltung Albrech & Cie.

Egal, ob ein Demokrat oder ein Republikaner das Rennen um das höchste politische Amt in den USA gewann, fast immer zogen in der Vergangenheit die Aktienkurse in der Mitte des jeweiligen Vorwahljahres stark an und behielten dieses Momentum bis kurz vor dem Urnengang im Folgejahr bei.

„Von 1949 bis 2012 hat der breite US-Markt-Index S&P 500 in Vorwahljahren im Mittel um beachtliche 17,1 Prozent zugelegt“, so Albrech. „Der Nasdaq brachte es seit Gründung 1971 in diesen Jahren sogar auf ein durchschnittliches Plus von 30,9 Prozent.“

US-Pharmaaktien schwächeln

Die Frage ist allerdings, ob die aus der Statistik abgeleiteten Prognosen auch diesmal zutreffen werden. Denn US-Präsident Donald Trump verunsichert mit den von ihm geschürten Handelskonflikten gegen China und Europa Amerikas Börsianer und Unternehmenslenker.

Hunderte Vorstandschefs von US-Konzernen haben Trump jüngst aufgefordert, die Politik der hohen Strafzölle einzustellen, weil dies ihre im Ausland gefertigten Produkte verteuert und damit den Absatz im eigenen Land erschwert. Apple-Chef Tim Cook kam sogar persönlich ins Weiße Haus, um den Präsidenten zu erweichen, weil immer weniger Chinesen Apples iPhone kaufen.

Zudem legt sich Trump mit Amerikas Pharmaindustrie an und will einen Preisdeckel auf Medikamente verhängen. Amgen, Merck US und Eli Lilly haben jüngst Klage gegen ein neues Gesetz eingereicht, dass Pharmahersteller seit diesem Jahr zwingt, in Anzeigen die Listenpreise der von ihnen beworbenen Medikamente zu benennen.

Die Aktienkurse dieser US-Pharmakonzerne haben sich in den vergangenen drei Monaten deutlich schlechter entwickelt als die US-Indizes; die mit minus 13,8 Prozent höchsten Kursverluste musste dabei in diesem Zeitraum Eli Lilly hinnehmen.

Diese Gemengelage schlägt sich an der Börse nieder: Der US-Leitindex Dow Jones hat in den vergangenen drei Monaten gerade einmal 1,47 Prozent zugelegt, der S&P 500 nur 2,8 Prozent und die Nasdaq 3,25 Prozent. Hingegen ist der deutsche Leitindex Dax in diesem Zeitraum um 4,4 Prozent gestiegen – obwohl die darin enthaltenen Exportunternehmen aus der Auto- und Chemiebranche ebenfalls unter den Handelskonflikten leiden.

Die UBS hat gerade die weltweiten Aktienmärkte auf „Neutral“ heruntergestuft – was im Börsenjargon als Warnung vor weiteren Käufen gilt. „Der Wirtschaftsausblick ist mäßig und der Handelskonflikt zwischen den USA und China birgt Risiken“, sagt Evan Brown, Leiter Kapitalanlagestrategie bei der Schweizer Großbank.

Doch längst nicht alle Marktbeobachter sind skeptisch für US-Werte. „Wir erkennen keine Zeichen für eine Rezession in den USA“, versichert Till Christian Budelmann, Kapitalmarktstratege der Zürcher Privatbank Bergos Berenberg.

Handelskonflikte im Blick behalten

Trotz der Handelskonflikte sei die US-Konjunktur weiter im Aufschwung. „Das Wirtschaftswachstum dürfte dieses Jahr 2,6 Prozent betragen“, erwartet Budelmann.

Auch Georg von Wallnitz, geschäftsführender Gesellschafter der Münchner Vermögensverwaltung Eyb & Wallnitz, sieht die US-Konjunktur nicht gefährdet. „Der Anteil des Exports an der amerikanischen Wirtschaftsleistung liegt lediglich bei zwölf Prozent.“

In China betrage der Exportanteil hingegen 20 Prozent, in Deutschland sogar 47 Prozent. „Den USA schaden Zölle also weit weniger als den offenen Handelsnationen“. Außerdem hätten die Handelskonflikte an der Börse inzwischen „zu deutlichen Bewertungsabschlägen geführt, die wahrscheinlich übertrieben sind“.

Dennoch sollten Anleger vorerst etwas „Pulver trocken halten“, rät von Wallnitz. Denn die Aktienkurse könnten in nächster Zeit noch weiter fallen, wenn sich die Handelskonflikte noch verschärfen sollten.

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