Versicherungen

PKV-Portal will mehr Heilberufler ansprechen

Mit "Meine Gesundheit" können Privatversicherte per App Rechnungen bei der Versicherung einreichen. Darüber hinaus gibt es Funktionen, die auch für Ärzte interessant sein dürften.

Von Ilse SchlingensiepenIlse Schlingensiepen Veröffentlicht:
Teil des Online-Portals ist unter anderem eine elektronische Patientenakte.

Teil des Online-Portals ist unter anderem eine elektronische Patientenakte.

© www.axa.de/meine-gesundheit

KÖLN.Der Versicherer Axa und die Compugroup Medical (CGM) werden das Online-Angebot "Meine Gesundheit" sukzessive ausbauen.

Sie wollen nicht nur den Kreis der beteiligten privaten Krankenversicherer vergrößern, sondern neben den niedergelassenen Ärzten weitere Leistungsanbieter einbeziehen.

"Wir wollen noch in diesem Jahr die Zahnärzte anbinden", berichtet Klaus Dombke, Leiter Strategisches Leistungs- und Gesundheitsmanagement bei Axa, der "Ärzte Zeitung". Perspektivisch sollen auch Apotheker, Kliniken und andere hinzukommen.

Unter "Meine Gesundheit" haben Axa und CGM ein Web-Portal und eine App für Privatversicherte entwickelt, deren Herzstück die digitale Rechnungsabwicklung ist. Das war eine direkte Reaktion auf die Wünsche der Privatversicherten, berichtet Dombke.

"Die Kunden fanden die Abwicklung über Papier unkomfortabel und das Management der Rechnungen zu aufwändig. Viele wollten zudem, dass der Versicherer das Geld direkt an den Arzt überweist."

Zurzeit sind an das Portal 75.000 Versicherte und 5500 Ärzte aller Fachrichtungen angeschlossen. 600.000 Rechnungen haben die Kunden seit dem Start im Mai 2016 eingereicht.

Keine Einbahnstraße

Seit Juni 2017 ist die Direktabrechnung zwischen der Axa und den Ärzten möglich. Wenn der Kunde beim Einreichen der Rechnung anklickt, dass er dies wünscht, überweist der Versicherer nach Prüfung der Rechnung den entsprechenden Betrag an den Arzt.

Zwar bieten viele PKV-Unternehmen ihren Kunden inzwischen an, ihre Rechnung abzufotografieren und an den Versicherer zu schicken.

"Meine Gesundheit" gehe darüber hinaus, betont der Axa-Experte. Bei den meisten Apps handele es sich um eine Einbahnstraße. "Wir haben in beide Richtungen eine digitale Brücke zwischen Kunde und Versicherer."

Viel verspricht sich Dombke von der elektronischen Patientenakte, die fester Bestandteil des Portals ist. In ihr können die Nutzer Behandlungs- und Untersuchungsdaten sicher speichern und künftig den behandelnden Ärzten direkt zur Verfügung stellen oder auch digital von ihnen erhalten.

"Wenn es für die Ärzte möglich ist, Untersuchungsbefunde und Behandlungsunterlagen direkt und sicher einzustellen, ist das eine neue Qualität." Die Kunden können entscheiden, welchen Ärzten sie die Informationen dann zur Verfügung stellen. "Dadurch ermöglichen wir eine effizientere sektorübergreifende Versorgung."

Die Versicherten können über das Portal Arzttermine vereinbaren, Ärzte und Kliniken suchen, ihre Medikamente managen oder Wiederholungsrezepte bestellen.

Das Portal kann noch um eine Reihe von Funktionen erweitert werden. So kann es bei der Steuerung von Patienten mit chronischen Erkrankungen hilfreich sein, etwa über das Angebot eines Online-Coachings.

Auch die Vermittlung von Zweitmeinungen und telemedizinische Anwendungen sind eine Perspektive. "Das ist eine umfassendere Lösung, als es sie bislang in der PKV gibt", glaubt Dombke.

Reichweite vergrößert

Im Unterschied zu manchen digitalen Gimmicks anderer PKV-Unternehmen bieten die Anwendungen von "Meine Gesundheit" seiner Einschätzung nach den Kunden wirklichen Nutzen. "Die Branche krankt daran, dass sie zwar digitale Angebote hat, aber keine Anreize für Versicherte, sie anzunehmen."

Seit Mitte 2017 sind auch der Marktführer Debeka und die Versicherungskammer Bayern beteiligt. Dadurch hat sich die Reichweite vergrößert.

Wenn die beiden ihren Kunden "Meine Gesundheit" anbieten, stehen die digitalen Services rund 40 Prozent aller Privatversicherten offen. "Wir hoffen, dass sich bald weitere Unternehmen zur Nutzung entschließen", kündigt Dombke an.

Gespräche laufen bereits. Es sei sinnvoll, dass die Versicherer hier an einem Strang ziehen. "Wir haben als Axa ein Signal in den Markt gegeben, das auch aufgenommen wurde." "Meine Gesundheit" kommt bei den Kunden gut an. "Das Feedback ist positiv", berichtet er.

Das Portal ist von Beginn an nicht auf Ärzte mit Produkten beschränkt gewesen, die mit Arztinformationssystemen (AIS) von CGM arbeiten. "Wir können uns die Einbeziehung anderer AIS-Hersteller sehr gut vorstellen", sagt Dombke.

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