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"Shared decision"

Pfeifen zu viele Ärzte auf die Wünsche der Patienten?

Obwohl sich die Bereitschaft zur gemeinsamen Entscheidungsfindung mit dem Patienten bei Ärzten verbessert hat, gibt es einer Studie zufolge noch viel Potenzial.

Von Dr. Christine Starostzik Veröffentlicht:
Es sollte versucht werden, herauszufinden, welche Vorgehensweise der Patient bevorzugt.

Es sollte versucht werden, herauszufinden, welche Vorgehensweise der Patient bevorzugt.

© Wavebreakmedia / Getty Images

UTRECHT. Bei der medizinischen Versorgung sollen und wollen immer mehr Patienten mitentscheiden. Maartje Meijers vom Netherlands Institute for Health Services Research (NIVEL) in Utrecht und Kollegen haben sich diesen weltweiten Trend des "Shared decision-making" und dessen Entwicklung in den vergangenen 18 Jahren genauer angesehen (Family Practice 2018, online 30. August).

Sie werteten 50 Videos von Arzt-Patienten-Gesprächen in niederländischen Allgemeinpraxen aus dem Jahr 2007 aus und verglichen sie mit 50 Aufnahmen aus dem Jahr 2015. Dabei analysierten die Studienautoren, inwieweit mindestens 18-jährige Patienten in die Entscheidungsfindung des Arztes einbezogen wurden.

Aufmerksamkeit und Informationen bewertet

Maßstab für die Interaktion war der "Observing Patient Involvement in Decision Making (OPTION)-Score, mit dem zwölf festgelegte Verhaltensmuster des Arztes bewertet wurden. Dazu gehörten beispielsweise die dem Patienten geschenkte Aufmerksamkeit, das Aufzählen verschiedener Maßnahmen gegen die Beschwerden, Informationen zu deren Pro und Kontra sowie die Rückversicherung, dass der Patient die Erklärungen verstanden hat.

In jeder der Konsultationen ging es um ein neues medizinisches Anliegen des Patienten, das erstmals besprochen wurde, überwiegend waren dies Magen-Darm-Probleme sowie Rücken- und Kniebeschwerden.

Die Untersuchung ergab, dass Allgemeinmediziner im Jahr 2015 insgesamt zwar häufiger eine gemeinsame Entscheidung mit dem Patienten anstrebten als noch 2007. Auf einer Gesamtskala von 0–100 (100 = bestmögliches Verhalten des Arztes zur Patientenmitbestimmung) war der Wert von 14,1 im Jahr 2007 auf 22,6 im Jahr 2015 angestiegen. Dennoch konnten den bewerteten Ärzten im Jahr 2015 nur geringe Verbesserungen beim Shared decision-making bescheinigt werden.

Fragen unerwünscht?

Am wenigsten achteten die Ärzte darauf, herauszufinden, welche Vorgehensweise der Patient bevorzugen würde und inwieweit er eigentlich in die Entscheidungen einbezogen werden wollte. Ganz besonders deutlich wurden diese Defizite bei älteren Patienten.

Die geringsten Fortschritte wurden im Lauf der Jahre in den Bereichen erzielt, in denen es darum ging, sicherzustellen, dass der Patient die Information verstanden hatte, wo ihm vermittelt wurde, dass er Fragen stellen kann und wo er darauf hingewiesen wurde, dass eine Entscheidung getroffen werden muss.

Natürlich wollten nicht alle Patienten in gleichem Ausmaß in die Entscheidungen zu ihrer Behandlung einbezogen werden, erläuterten Meijers und Kollegen. Deshalb müsse dieser Prozess jeweils auf die Situation des einzelnen Patienten zugeschnitten werden. Dessen Bereitschaft zur Mitarbeit müsse insbesondere bei älteren Patienten zu jedem Zeitpunkt der Behandlung neu eruiert werden.

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