SARS-CoV-2

Corona-App – Positiv Getestete können sich über Hotline melden

Falls die Labor-IT noch nicht bereit ist, sollen sich SARS-CoV-2-Infizierte auch persönlich bei einer Hotline melden können. Datenschützer sind nicht begeistert. Die französische Corona-Warn-App hat derweil schon über eine Million Nutzer.

Veröffentlicht: 07.06.2020, 16:53 Uhr
Corona-App – Positiv Getestete können sich über Hotline melden

Auf dem Bildschirm eines Apple iPhones ist der von der Bundesregierung herausgegebene Startschirm einer Corona Warn-App abgebildet. In diesem Monat soll die App endlich starten.

© Stefan Jaitner / dpa

Berlin. Anwender der künftigen Corona-Warn-App können auch über eine Telefonhotline ihren Infektionsstatus in der App aktualisieren, wenn sie positiv getestet wurden. Die Hotline sei einer von zwei Telefon-Services zu der für Mitte Juni erwarteten App, die rund um die Uhr erreichbar seien, berichtet das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“. In der anderen Hotline gehe es nur um technische Fragen der Nutzer.

Die Verifizierungs-Hotline ist notwendig, weil das Konzept der Corona-Warn-App nicht erlaubt, den Infektionsstatus ohne Nachweis auf „positiv“ zu setzen. Damit sollen Fehlalarme vermieden werden. In der Regel soll die Freischaltung nach einem positiven Test deshalb digital erfolgen. Allerdings verfügten nicht alle Labore über eine sichere Anbindung, so das Nachrichtenmagazin.

Wer sich dort testen lasse, könne sich nicht, wie eigentlich vorgesehen, einfach per QR-Code in der App als infiziert melden, sondern müsse die Hotline anrufen. Dort stellten psychologisch geschulte Mitarbeiter dann Testfragen, die klären sollten, ob tatsächlich ein positiver Test vorliege oder ein Scherzbold in der Leitung sei.

Lässt sich die App am Telefon „trollsicher“ machen?

Die Netzexpertin in der Linksfraktion des Bundestages, Anke Domscheit-Berg, kritisierte das Hotline-Verfahren als „problematisch und missbrauchsanfällig“. Die App lasse sich „nicht allein mit Testfragen von Callcenter-Mitarbeitern trollsicher machen“.

Der Bundesbeauftragte für den Datenschutz, Ulrich Kelber, sagte dem „Spiegel“, er halte „die Gründe, weshalb eine Hotline eingerichtet wird, für plausibel“, habe aber ebenfalls Vorbehalte: „Es ist klar, dass der Weg über die Hotline nicht mit einer vollständig pseudonymen Nutzung der App über das automatisierte Verfahren mithalten kann.“ Man habe angesichts der Hotline-Pläne bereits „auf mögliche Probleme des Datenschutzes hingewiesen“, so Kelber, was für „erhebliche Verbesserungen des geplanten Verfahrens“ gesorgt habe.

„StopCovid“ knackt erste Nutzer-Million

Frankreichs Coronavirus-Warn-App „StopCovid“ hat nach Angaben der Regierung derweil die erste Millionen-Marke übertroffen. Innerhalb von vier Tagen sei die App eine Million Mal aktiviert worden, schrieb der Staatssekretär für Digitales, Cédric O, am Samstag auf Twitter.

Die kostenlose Anwendung steht seit Dienstag zum Herunterladen auf das Handy bereit. Die Regierung hatte zuvor erklärt, damit die App wirksam sei, müsste sie von mehreren Millionen Französinnen und Franzosen genutzt werden.

„StopCovid“ soll mit Hilfe von Bluetooth-Signalen erfassen, welche Smartphones einander nahegekommen sind. Bürger sollen dann gewarnt werden, falls sich später herausstellt, dass sie sich neben infizierten Personen aufgehalten haben.

„Wir haben kein genaues Ziel, aber wir wissen, dass diese Anwendung vor allem für Stadtbewohner nützlich ist, die zu Stoßzeiten die U-Bahn nehmen, die in Bars und Restaurants gehen, die mit vielen Menschen in Kontakt stehen“, sagte O dem Sender RMC. Dazu, wie viele Kontaktfälle die App bisher gemeldet hat, machte O keine Angaben und verwies an das Gesundheitsministerium.

Kritik an Schnittstellen

Experten hatten bereits kritisiert, dass die französische App nicht von den Schnittstellen Gebrauch macht, die Apple und Google für Corona-Tracing-Apps kürzlich für ihre Betriebssysteme iOS und Android bereitstellten. Das kann zu Problemen wie höheren Stromverbrauch und einer weniger zuverlässigen Bluetooth-Erkennung führen. Außerdem hatten Datenschützer Bedenken geäußert. Frankreich wurde von der Covid-19-Pandemie schwer getroffen. Bisher starben mehr als 29.000 Menschen.

„Frankreich macht es vor und Deutschland wurschtelt immer noch vor sich hin“, kritisierte dagegen der Vorstand der Deutsche Stiftung Patientenschutz Eugen Brysch das deutsche Vorgehen. Dabei sei die Coronavirus-Warn-App ein wichtiger Baustein, um hierzulande weitere Schritte der Sicherheit trotz Öffnung zu gehen. (dpa)

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