Anlagen-Kolumne

Preisdiskussion drückt Kurse zu Unrecht

Von Hanno Kühn Veröffentlicht: 07.12.2015, 14:41 Uhr

Beat and raise - so bezeichnen amerikanische Analysten Unternehmen, die mit ihren Quartalszahlen die eigenen Annahmen übertreffen und/oder ihre Prognose für das laufende oder das kommende Geschäftsjahr anheben.

In der aktuellen Berichtssaison für das dritte Quartal konnten wieder einige der Top Ten der Biotech-Szene in die "Beat-and-Raise"-Riege vorrücken: Sieben der zehn größten Biotechunternehmen haben ihre Umsatzschätzungen und neun von ihnen sogar ihre Gewinnschätzungen übertroffen. Bis auf ein Unternehmen erhöhten alle ihre Prognose für das laufende Geschäftsjahr, entweder für Umsatz oder Gewinn - oder sogar für beide.

Angesichts dieser positiven Entwicklung stellt sich die Frage, warum die Aktienkurse nicht nachziehen und wieder alte Höhen erklimmen. Ein Grund: Die USA sind im Präsidentschaftswahlkampf und die Politiker beteiligen sich lebhaft an Diskussionen über steigende Medikamentenpreise. Das verdrießt die Investoren.

Auslöser der Diskussionen war das kleine Unternehmen Turing Pharma, das die Rechte an einem Toxoplasmose-Mittel namens Daraprim erwarb und anschließend den Preis von 13,50 auf 750 US-Dollar pro Tablette erhöhte.

Damit hat Turing seine Marktmacht und die Trägheit des US-Zulassungssystems ausgenutzt: Es gibt in den USA kein vergleichbares Medikament für diese Indikation, und es ist auch keines in Sicht. Zwar genießt Daraprim schon lange keinen Patentschutz mehr. Bisher ist aber weder ein Generikum zugelassen noch dürfen Generika aus dem Ausland eingeführt werden. Das US-Gesundheitssystem macht solche Preisexzesse also erst möglich.

Die aktuelle Preisdiskussion hat auf breiter Front zu Kursabschlägen im Pharma- und Biotechsegment geführt. Doch dürfte der neue Zyklus von Investorenkonferenzen im Januar, bei denen die neuesten Ergebnisse klinischer Studien vorgestellt werden, das Bild wieder geraderücken.

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