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Telematikinfrastruktur

Probleme beim Einlesen neuer eGK – KBV kritisiert gematik

Elektrostatisch aufgeladene Gesundheitskarten scheinen manchen Terminals Probleme zu bereiten – und führen zu Verzögerungen in Praxen. Die KBV schäumt.

Hauke GerlofVon Hauke Gerlof Veröffentlicht:
Elektrostatische Aufladung von Gesundheitskarten kann manchen Kartenterminals Probleme machen – die gematik beschreibt auf ihrer Website den Lösungsweg, wie Praxen mit dem Problem umgehen können.

Elektrostatische Aufladung von Gesundheitskarten kann manchen Kartenterminals Probleme machen – die gematik beschreibt auf ihrer Website den Lösungsweg, wie Praxen mit dem Problem umgehen können.

© Lukas Barth / dpa

Berlin. Neue Gesundheitskarten der Generation 2.1 scheinen in letzter Zeit in etlichen Praxen zu Problemen geführt zu haben: Die eGK – dabei handelt es sich offenbar um sogenannte Near-field-communication-fähige (kontaktlos einsetzbare) Karten – führen, wenn sie in zugelassene Geräte eines Herstellers gesteckt werden, gelegentlich zu einer elektrostatischen Entladung. Die Folge: Teilweise werden die Kartenterminals dadurch komplett lahmgelegt.

Die Entladung habe zur Folge, „dass das Kartenterminal in einen Zustand versetzt wird, der sich nur noch durch einen kompletten Neustart beheben lässt – und das jedes Mal, wenn die benannten Karten eingeführt werden“, beschreibt die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) das Problem in einer Pressemitteilung.

„Grundvertrauen in die gematik erschüttert“

Die Körperschaft sieht durch diesen Vorfall, das „Grundvertrauen in die gematik zum wiederholten Mal erschüttert“, da „potenziell mehrere Millionen eGK in Kombination mit dem Großteil der in Praxen vorhandenen Kartenterminals betroffen sein“ könnten.

„Das kostet extrem Zeit, legt den eng getakteten Praxisbetrieb lahm und gefährdet im schlimmsten Fall die Versorgung der Patienten“, wird Dr. Thomas Kriedel, Mitglied des Vorstands der KBV, in der Mitteilung zitiert. Kriedel forderte daraufhin am Freitag gemeinsam mit seinen Vorstandskollegen Dr. Andreas Gassen und Dr. Stephan Hofmeister Betreibergesellschaft der Telematikinfrastruktur auf, „sofort und umfassend“ die Probleme zu lösen. Dabei dürften es nicht die Ärzte sein, die durch zusätzliche Arbeitsschritte das Problem lösen, heißt es weiter.

KBV und Ärzte müssten sich auf Zulassungen der gematik verlassen können, klagt der KBV-Vorstand. „Die niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen sind extrem und zu Recht verärgert“, so der Kommentar von Dr. Andreas Gassen, dem Vorstandsvorsitzenden der KBV.

Hygienemaßnahmen begünstigen Entladung im Gerät

Die gematik hat noch am Freitag reagiert und das Problem im Fachportal bestätigt. Betroffen seien die Kartenterminals ORGA 6141 von Wordline Healthcare, ehemals Ingenico Healthcare. Nach aktueller Kenntnis sei davon auszugehen, dass die Probleme ursächlich durch eine elektrostatische Aufladung der elektronischen Gesundheitskarte eGK G2.1 ausgelöst werden.

Dabei hänge die Stärke des Entladepulses beim Stecken einer eGK in ein Kartenterminal nicht nur von der Art der eGK ab, sondern auch von der Umgebung, zum Beispiel der Art des Fußbodenbelags, und werde darüber hinaus sogar von Witterungsverhältnissen wie trockener Winterluft begünstigt.

Vor den Corona-Hygienemaßnahmen sei die notwendige Entladung häufig durch die Übergabe der eGK an die Mitarbeiter in der Anmeldung erreicht worden. Seitdem Versicherte ihre eGK selbst ins Terminal stecken, finde die Entladung dort statt. Eine Möglichkeit, Probleme zu vermeiden, sei es, dass Patienten die Karte vor dem Stecken entladen.

Update erlaubt automatischen Neustart

Für das betroffene Kartenterminal stehe zudem eine neue Firmware (Version 3.8.1) zur Verfügung, die das ursächliche Problem zwar nicht behebe, aber zumindest einen automatischen Restart ermögliche. Nach dem Neustart sollten Patienten erneut versuchen, die eGK einzulesen.

„Sollte es dauerhaft nicht möglich sein, an betroffenen Kartenterminals eGK einzulesen, so sollte das Primärsystem neu gestartet werden“, schreibt die gematik lakonisch im Fachportal. Außerdem empfiehlt die gematik, die Institutionskarte SMC-B in einem separaten Kartenterminal zu verwenden, in dem keine Steckvorgänge stattfinden. Dadurch vermeide man im Fehlerfall eine erneute Freischaltung der SMC-B.

Der gematik sei es bewusst, „dass das Problem im Praxisbetrieb erheblich stört. Wir arbeiten mit Hochdruck – zusammen mit den Industriepartnern – an einer Lösung“, heißt es im TI-Fachportal.

Weitere Informationen finden Sie hier.

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