Arzt und Patient

Profi-Schauspieler sorgen für emotionale Szenen

Um Ärzten möglichst viele Hilfsmittel an die Hand zu geben, umfasst das Gesprächstraining KoMPASS mehrere Bausteine.

Veröffentlicht: 15.07.2009, 05:00 Uhr

Vor einem dürfen Teilnehmer von KoMPASS - Kommunikative Kompetenz zur Verbesserung der Arzt-Patienten-Beziehung - keine Angst haben: praktischen Übungen. Denn die machen einen hohen Anteil des Trainings aus. Der Grund: So lässt sich mit realistischen Szenarien an schwierigen Gesprächssituationen aber auch an speziellen kommunikativen Anforderungen arbeiten.

Die Teilnehmer bestimmen die Inhalte

Die Inhalte orientieren sich an den Anliegen der Teilnehmer. Wichtige beziehungsweise häufig wiederkehrende Themenbereiche sind etwa das Überbringen schlechter Nachrichten in allen Phasen von Krebserkrankungen, eine gemeinsame Therapieentscheidung zu treffen, der Umgang mit heftigen Emotionen bei Patienten und Angehörigen, aber auch der Umgang mit existenziellen Grenzen, Sterben und Tod.

In Rollenspielen werden verschiedene Gesprächssituationen geübt. Hierbei werden je nach Erfordernis unterschiedliche Modelle eingesetzt: zum Beispiel mit oder ohne Schauspieler als Patientendarsteller.

Trotzdem ist der Einsatz professioneller Schauspieler ein wichtiger Bestandteil des Trainings. Denn sie sind in der Lage, auch schwierige und emotional anspruchsvolle Patientenrollen einzunehmen, und können eine Rolle auch wiederholt spielen, so dass man mit ihnen alternative Gesprächsmöglichkeiten ausprobieren kann.

Feedback kommt von allen Seiten

Ärzte erhalten während und nach dem Training Rückmeldung über ihr Gesprächsverhalten. So berichten die Schauspieler, wie sie ein konkretes Verhalten oder eine Äußerung des Arztes erlebt haben. Und der Arzt erfährt, ab welchem Zeitpunkt ein Patient eventuell aussteigt, welche Informationen ihn somit nicht mehr erreichen. Aber auch vom Trainer oder anderen Teilnehmern gibt es Rückmeldungen. Zusätzlich werden die Gespräche per Videoaufzeichnung festgehalten, um sie anschließend gemeinsam zu analysieren.

Das Training dauert 20 Stunden, die auf zweieinhalb Tage verteilt werden. Dabei werden zum Gesprächstraining maximal zehn Teilnehmer zugelassen. (reh)

Zentren, die das Gesprächstraining anbieten

  • Universität Leipzig, Abteilung Medizinische Psychologie/Medizinische Soziologie und Psychosoz. Beratungsstelle für Tumorpatienten und Angehörige, www.uni-leipzig.de/~sasm
  • Klinikum Nürnberg, Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, www.klinikum-nuernberg.de
  • Heinrich Heine Universität Düsseldorf, Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, www.rk-duesseldorf.lvr.de
  • Universitätsklinik Köln, Klinik und Poliklinik für Psychosomatik und Psychotherapie, www.uni-koeln.de/med-fak/psysom
  • Tumorzentrum Rheinland-Pfalz, Mainz, info.imsd.uni-mainz.de/TUZ
  • Dr. med Andrea Petermann-Meyer, Fachärztin für Allgemeinmedizin/Psychotherapie/psychosoziale Onkologie in Aachen E-Mail: petermann-psychoonkologie@t-online.de
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