Kongress

"Qualität ist bei Politikern angekommen"

Bei der Eröffnung des Nationalen Qualitätskongresses in Berlin gab es nur ein Thema: den Koalitionsvertrag.

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BERLIN. "Das Thema Qualität ist in der Politik angekommen", rief Kongresspräsident Ulf Fink den Teilnehmern an der Eröffnungsveranstaltung des 7. Nationalen Qualitätskongresses zu.

Dass die Große Koalition mit dem Koalitionsvertrag in die richtige Richtung marschiert, wollten alle Teilnehmer an der Podiumsdiskussion zu Kongressbeginn unterschreiben. Im Detail gab es dann aber jede Menge Kritik, aber auch Aufklärung.

Zum Beispiel über das geplante unabhängige Institut zur Qualitätssicherung, obwohl es mit dem Göttinger AQUA-Institut eine solche Einrichtung bereits gibt.

Dies sei aus dem Gemeinsamen Bundesausschusses (GBA) heraus angeregt worden, um Reibungsverluste durch die europaweiten Ausschreibungen der Aufgaben des Instituts nach Paragraf 137a SGB V zu verringern, berichtete Regina Klakow-Franck, unabhängiges Mitglied des GBA. Es gehe nicht darum, ein neues Institut zu gründen, sondern um die Verstetigung der Arbeit des bestehenden.

Im Koalitionsvertrag insgesamt vermisste Klakow-Franck einen umfassenden Qualitätsmanagement-Ansatz. Es gehe vor allem darum Ergebnisqualität zu messen und transparent zu machen. Prozess- und Strukturqualität kämen zu kurz.

In dieser Richtung argumentierte auch der oberste Gesundheitsweise Professor Ferdinand Gerlach. Die Hauptbaustellen wie die Sektorengrenze und die Disparität durch Unter-, Über- und Fehlversorgung kämen im Vertrag kaum vor, sagte Sachvgenrats-Chef Gerlach.

Er sei zudem sehr skeptisch, ob die neu an den stationären Sektor angelegten Qualitätsmaßstäbe tatsächlich als Kriterien für die Planung genutzt werden könnten.

Ob strukturierte Behandlungsprogramme wie Depression und Rückenschmerzen, wie im Koalitionsvertrag angekündigt, aufgrund politischer Entscheidungen eingeführt werden sollten, zweifelte der Direktor des AQUA-Instituts, Professor Joachim Szecsenyi, an. Dies sollte eher Ergebnis von Versorgungsoptimierung sein.

Die Personalentwicklungskosten in den DRG abzubilden, forderte der Präsident der Ärztekammer Berlin, Dr. Günther Jonitz. Darüber sollten nicht nur neue Geräte und neue Medikamente bezahlt werden, sondern auch neues Wissen.

Schlechte Qualität dürfe nicht geringer bezahlt werden, wie vorgesehen, sondern gar nicht, betonte AOK-Vorstand Uwe Deh. Zwischen den Zeilen des Vertragstextes schimmere die Lockerung des Kontrahierungszwangs für die Kassen durch.

Sein Kollege von der Barmer GEK, Dr. Christoph Straub, plädierte im Sinne von Zentrenbildung dafür, komplexe Leistungen bestimmten Versorgungsniveaus zuweisen zu können. (af)

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