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Ex-Geschäftsführer: „Nicht zukunftsfähig“

Rettung für Klinik Biedenkopf? Kreis plant Übernahme ab Januar 2026

Das insolvente DRK-Krankenhaus Biedenkopf soll zum 1. Januar 2026 in kommunale Trägerschaft übergehen. Trotz hoher Kosten gilt die Zustimmung im Kreistag als sicher. Ärzte hätten sich einen anderen Weg gewünscht.

Von Gesa Coordes Veröffentlicht:
Der Kreistag entscheidet am Freitag darüber, ob er das DRK-Krankenhaus Biedenkopf übernimmt.

Der Kreistag entscheidet am Freitag darüber, ob er das DRK-Krankenhaus Biedenkopf übernimmt.

© DRK-Krankenhaus Biedenkopf

Marburg. Der Kreis Marburg-Biedenkopf will das insolvente DRK-Krankenhaus Biedenkopf mit seinen rund 300 Beschäftigten zum 1. Januar 2026 übernehmen. Das soll am Freitag (26. September) im Kreistag beschlossen werden.

Die Zustimmung gilt parteiübergreifend als sicher, obgleich damit hohe Kosten auf den finanziell klammen Landkreis zukommen: In diesem Jahr musste er bereits 5,1 Millionen Euro zuschießen (sowie 3,6 Millionen im Jahr 2024). Im kommenden Jahr werden es voraussichtlich drei Millionen Euro sein.

Gemeinsam mit dem Insolvenzverwalter hatte der Landkreis seit Ende 2023 versucht, Käufer für das Krankenhaus zu finden. Doch die zunächst vorhandenen Interessenten sprangen wieder ab.

Um nicht gleich schließen zu müssen, übernahm der Kreis das Defizit. Nun soll das Krankenhaus zu einer 100-prozentigen Tochtergesellschaft des Kreises werden und in Zukunft unter dem Namen „Hinterland-Klinik gGmbH“ firmieren.

Kritiker halten das Haus für zu klein

Es gibt jedoch auch Gegenstimmen. So hält Dr. Hans-Joachim Conrad, der 20 Jahre lang kaufmännischer Direktor der Uni-Klinik Marburg und dann Frankfurt war, die Entscheidung für die Übernahme für fahrlässig: „Diese Struktur ist nicht zukunftsfähig. Das Haus ist zu klein, um es wirtschaftlich zu betreiben“, sagt er.

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Auch der Verbund von rund 500 Ärzten in der Region hatte ein anderes Modell vor Augen. Die Übernahme der Trägerschaft des Krankenhauses alleine durch den Landkreis Marburg-Biedenkopf sei „wenig sinnvoll“, schrieben die Mediziner vor einem Jahr.

Sie schlugen stattdessen ein Modellprojekt vor, nach dem das Krankenhaus an einen Maximalversorger – die Universitätsklinik Marburg – angeschlossen werden sollte. Damit sollte die Grundversorgung in Biedenkopf bleiben, während die schwereren Fälle und die Rund-um-Versorgung an 365 Tagen im Jahr in Marburg sichergestellt würden. Das Uni-Klinikum hatte allerdings kein Interesse.

Hinter dem Verbund stehen der Verband der Ärzte im Marburger Hinterland und im Wittgensteiner Land, die Ärztegenossenschaft Prima (Landkreis Marburg-Biedenkopf) sowie Haus-, Fach- und Belegärzte aus Biedenkopf und Umgebung. Im Krankenhaus Biedenkopf sind mehrere fachärztliche Praxen für innere Medizin, Chirurgie und Urologie tätig.

Bürger starteten Petition für Erhalt

Nach Einschätzung von Conrad lässt sich der Landkreis vom Druck aus dem Marburger Hinterland leiten. Tatsächlich stellte sich die gesamte Region hinter das 113-Betten-Krankenhaus, nachdem der Betreiber – der DRK-Kreisverband Biedenkopf – im September 2023 Insolvenz anmeldete.

Rund 67.000 Menschen unterschrieben eine Online-Petition an den früheren Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach. In Demonstrationen setzten sich die Menschen für das Krankenhaus ein. Eine Delegation von Bürgermeistern ging deshalb nach Berlin.

Lauterbach war bei einem Besuch in Marburg auch noch davon überzeugt, dass die damals geplante Krankenhausreform der Klinik helfen werde: „Aus meiner Sicht ist das ein Haus mit einer sehr guten Perspektive“, sagte er damals.

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Nach Angaben des Kreises wurden im vergangenen Jahr 3.700 stationäre Patienten in Biedenkopf behandelt, darunter vor allem akut zu versorgende Menschen. Zudem ist die Klinik Lehrkrankenhaus der Philipps-Universität und eine wichtige Anlaufstelle für den Rettungsdienst. Die nächsten Kliniken in Marburg und Frankenberg sind rund 40 Minuten entfernt und zum Teil überlastet.

Der Landkreis sucht – so steht es in der Beschlussvorlage – mittelfristig weiterhin nach einem Übernehmer oder Partner für den Betrieb des Krankenhauses.

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