Unternehmen

Rückenwind aus China beflügelt Biotest

Der mittelständische Blutproduktehersteller Biotest strickt an einer ambitionierten Zukunftsstrategie.

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DREIEICH. Die von dem chinesischen Investor Creat Corporation übernommene Biotest will kräftig Stellen aufbauen. Am Hauptsitz in Dreieich nahe Frankfurt werde in den nächsten zwei Jahren eine neue Produktionsanlage für Medikamente aus Blutplasma fertiggestellt und damit die Kapazität verdoppelt, kündigte Vorstandschef Bernhard Ehmer im Gespräch mit Deutschen Presseagentur an. „Biotest investiert dafür rund 300 Millionen Euro und sieht vor, insgesamt rund 300 neue Mitarbeiter einzustellen.“ Ein Drittel davon habe bereits die Arbeit aufgenommen.

Das Unternehmen mit mehr als 1600 Beschäftigten weltweit wurde 2018 von Creat mehrheitlich übernommen. Mit einem Firmenwert von 1,3 Milliarden Euro inklusive Schulden war es im vorigen Jahr einer der größten Firmenkäufe durch Chinesen in Deutschland. „Mit Hilfe Creats konnten alle Kredite von Biotest abgelöst werden, was dem Unternehmen neuen Spielraum gibt“, so Ehmer.

Zu dem neuen Großaktionär aus dem Reich der Mitte habe man ein „vertrauensvolles Verhältnis“. Zusammen mit Partnern verarbeitet Biotest jährlich bis zu 1,3 Millionen Liter Blutplasma und erzielte 2017 rund 378 Millionen Euro Umsatz.

Effizienzsteigerungen im Betrieb

Der Plasma-Markt wachse weltweit etwa um acht Prozent pro Jahr, verdeutlicht Ehmer. Mit der neuen Produktion steige auch die Effizienz im Biotest-Betrieb. „Gewinnen wir bisher aus einem Liter Blutplasma drei Produkte, werden es künftig fünf sein.“ Jedoch sei es nicht einfach, für den Stellenaufbau Fachkräfte – etwa Chemikanten – zu finden.

Zudem ist Blutplasma schwer zu bekommen: Blutspenden gegen eine Aufwandsentschädigung sind in Europa nur in Deutschland, Österreich, Ungarn und Tschechien erlaubt. Danach dauert die Verarbeitung bei Biotest neun Monate. Das Plasma muss bei minus 30 Grad gekühlt und von gut ausgebildeten Mitarbeitern verarbeitet werden.

Wie sensibel die Produktion ist, zeigte ein Zwischenfall 2017: Bei Humanalbumin, das gegen Verbrennungen eingesezt wird, kam es zur Verunreinigung, weil Kühlmittel in die Herstellung gelangte. Biotest musste das Mittel zurückrufen und die Gewinnprognose senken.

Nun hofft Biotest auf lukrative Märkte. Mit der neuen Anlage ließen sich die FDA-Auflagen erfüllen Plasmaprodukte auf den US-Markt bringen, so Ehmer. Derzeit darf Biotest das nicht. Die US-Geschäfte mussten die Hessen im Zuge der Übernahme abgeben. In Fernost wiederum könnte sich die Übernahme durch Creat auszahlen.

Die Chinesen kontrollieren den landesweit größten Blutplasma-Spezialisten, Shanghai Raas. Nun würden Schritte vorbereitet, „um Biotest mit Shanghai Raas näher zusammenzuführen“. Bislang ist der chinesische Markt ausländischen Anbietern weitgehend verschlossen. Sollte die Regierung in Peking ihn öffnen, dürfte Biotest mit chinesischem Eigner gute Karten haben. (dpa)

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