Trotz EU-Sperre

Schweizer Wertpapiere weiterhin interessant

Ein Streit zwischen Brüssel und Bern erschwert zwar deutschen Anlegern Investments in Schweizer Aktien. Dennoch könnten sich Engagements in eidgenössische Papiere langfristig lohnen – weil die Firmen ihre Kosten besonders effizient gesenkt haben.

Von Richard Haimann Veröffentlicht: 09.11.2019, 07:31 Uhr
Der Börsen-Streit zwischen Bern und Brüssel könnte wieder in Bewegung kommen.

Der Börsen-Streit zwischen Bern und Brüssel könnte wieder in Bewegung kommen.

© Vlad / stock.adobe.com

Neu-Isenburg. Der SMI, der Index der 20 größten börsennotierten Schweizer Unternehmen, ist seit Oktober 2016 um 32 Prozent gestiegen. Der deutsche Leitindex Dax hingegen kam in dieser Zeit nur auf ein Plus von 23 Prozent. Doch für deutsche Anleger ist es seit dem 1. Juli dieses Jahres schwieriger geworden, in eidgenössische Aktien zu investieren. Das könnte sich jedoch bald wieder ändern.

Seit Jahren streiten Europäische Union und Alpenrepublik um ein Handelsabkommen für einen gemeinsamen Binnenmarkt. Die Regierung in Bern fordert dafür jedoch bislang, dass die Schweiz weiterhin Unternehmen staatliche Beihilfe gewähren und das hohe Lohnniveau im Land sichern kann. Um Druck zu machen, hat Brüssel im Sommer der Schweizer Börse die sogenannte Äquivalenz verwehrt.

Seither gilt die Finanzmarktregulierung dort als nicht mehr konform mit der in der Staatengemeinschaft. Als Folge ist der Handel mit Schweizer Aktien an Börsen in der EU seither verboten. Von „Erpressung“ schreibt die Schweizer Handelszeitung. Anleger, die eidgenössische Aktien kaufen oder verkaufen wollen, müssen dies seither über ihre Bank direkt an der Swiss Exchange in Zürich tun.

Dabei fallen deutlich höhere Kosten an, als zuvor bei einer Transaktion an einer EU-Börse. Dies liegt an zusätzlichen Gebühren für den Auslandshandel mit Aktien. Zudem muss bei einem Kauf der Euro-Betrag in Schweizer Franken, bei einem Verkauf die Franken-Summe in Euro getauscht werden.

Nun könnte wieder Bewegung in die Verhandlungen kommen. Bei den Schweizer Parlamentswahlen Ende Oktober haben sich die Mehrheitsverhältnisse verschoben. Statt konservativer Parteien bestimmen in Bern nun die europafreundlichen Sozialdemokraten, Grünen und Grünliberalen und wollen einen Kompromiss mit Brüssel finden.

Strategie der Schweizer erfolgreich

Egal, wie der Streit ausgeht: Investments in eidgenössische Aktien dürften langfristig weiter lohnen, sagt Patrick Cettier, Geschäftsführer der Zürcher Vermögensverwaltung Prio Partners. „Die Schweiz bietet eine enorme Dichte an Qualitätsunternehmen, wie dem weltgrößten Nahrungsmittelkonzern Nestlé sowie den Pharma-Produzenten Novartis und Roche.“ Aktuell haben zehn Analysten die Nestlé-Aktie mit Kaufen und nur vier mit Halten eingestuft. Beim Papier von Roché gibt es sogar 16 Kauf- und nur eine Halten-Empfehlung.

Zudem seien eidgenössische Unternehmen besonders „effizient bei der Reduktion von Produktionskosten“, sagt Cettier. Dies liege an den sehr hohen Löhnen, die in der Schweiz gezahlt werden, sowie an der starken Aufwertung des Franken. Der gilt als sicherer Hafen bei Börsenturbulenzen.

Während der Euro-Krise sowie zuletzt in den von US-Präsident Donald Trump geschürten Handelskonflikten gegen China und die EU sind internationale Investoren massiv in den Franken geflohen und haben dessen Wechselkurs gegenüber anderen Währungen in die Höhe getrieben. Um dennoch ihre Waren weltweit verkaufen zu können, hätten Schweizer Konzerne massiv ihre Fertigungskosten reduziert.

Nicht nur große Schweizer Konzerne seien im internationalen Vergleich sehr gut aufgestellt. „Auch kleinere börsennotierte Unternehmen haben eine sehr hohe Qualität, starke Bilanzen und eine attraktive Wachstumsdynamik“, sagt Helge Müller, Stratege der Genfer Vermögensverwaltung Genève Invest.

Starker Franken mit Schwächen

Der starke Franken könnte jedoch zum Problem werden, wenn sich die Kapitalmärkte wieder beruhigen. Ziehen internationale Investoren dann ihr in der Schweiz geparktes Geld wieder ab, könnte die eidgenössische Währung an Wert verlieren. „Langfristig betrachtet ist der Franken klar überbewertet“, sagt Christian Apelt, Analyst bei der Landesbank Hessen-Thüringen. Kurzfristig dürfte der Euro-Franken-Kurs jedoch weiter um die Marke von 1,10 Franken zu einem Euro schwanken.

Trotz des Handelsverbots für Schweizer Aktien an EU-Börsen können Anleger über Fonds wie den DWS Zürich Invest Aktien Schweiz oder den UBS Equity Fund Switzerland in eidgenössische Papiere investieren. Diese Investmentvehikel haben direkten Zugang zur Schweizer Börse und können so effizient Aktien kaufen und verkaufen.

Darüber hinaus gibt es einige börsennotierte Indexfonds wie den Amundi MSCI Switzerland UCITS ETF. Diese bilden Schweizer Aktienindizes nur passiv nach und haben nur minimale Verwaltungsgebühren. Zudem entfällt bei ihnen der bei aktiv gemanagten Fonds übliche Ausgabeaufschlag von bis zu fünf Prozent.

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