Leitfaden für den Arzt

Sechs Schritte zum gelungenen Aufklärungsgespräch

Für das Überbringen schlechter Nachrichten gibt es kein Patentrezept. Ein strukturiertes Gespräch entlastet aber sowohl den Patienten als auch den Arzt. Ein Leitfaden zeigt, wie es geht.

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NEU-ISENBURG (ug). Auch wenn es kaum vorstellbar ist: Auf das Überbringen schlechter Botschaften können sich Ärzte in gewissem Maße vorbereiten.

Der Bochumer Medizinethiker Dr. Jan Schildmann und die Berliner Onkologin Dr. Eva Schildmann haben dazu einen Leitfaden erstellt ("Das Arzt-Patient / Patient-Arzt-Gespräch. Marseille Verlag, 2009).

Laut der Autoren helfen sechs Schritte, in schwierigen Situationen ein strukturiertes Gespräch zu führen.

Zunächst sollten sich Ärzte allerdings klar machen, dass jedes Aufklärungsgespräch vier Ziele habe: Information zu erheben, Information in verständlicher Form zu übermitteln, den Patienten psychosozial zu unterstützen und zusammen mit dem Patienten eine gemeinsame Strategie oder einen Behandlungsplan für die Zukunft zu entwerfen.

Grundsätzlich gilt für das gesamte Gespräch: Blickkontakt halten sowie Inhalt und Tempo den Bedürfnissen des Patienten anpassen. Die einzelnen Schritte sehen dann wie folgt aus:

Erster Schritt - "Vorbereitung und Gesprächsbeginn": Der Arzt sollte klären, wer beim Gespräch dabei sein soll (etwa Angehörige) sowie notwendige Infos wie Befunde bereithalten. Und es gilt, einen geeigneten Ort zu finden, nämlich einen möglichst ruhigen Raum mit genügend Sitzgelegenheiten und ohne Barrieren zwischen Arzt und Patient (am Schreibtisch sitzt man am besten über Eck).

Zudem sollte Störungen vorgebeugt werden, also auch kein Telefon. Die Begrüßung sollte noch im Stehen erfolgen. Dabei ist es für den Arzt gut zu wissen, in welcher Beziehung zum Patienten mitgebrachte Verwandte oder Bekannte stehen.

Zweiter Schritt - "Vorwissen und Einstellung des Patienten eruieren": Herausfinden, was dem Patienten bisher gesagt wurde, wie er seine momentane Situation wahrnimmt, was er darüber denkt und für wie ernst er die Erkrankung hält. Anknüpfen an die Antworten des Patienten und sie als Ausgangspunkt für die schlechten Nachrichten nehmen.

Dritter Schritt - "Informationsbedarf des Patienten klären": Erfragen, wie detailliert der Patient informiert werden will oder ob er lieber über die möglichen Konsequenzen reden möchte. Sollte der Patient zu diesem Zeitpunkt keine detaillierte Aufklärung wünschen, sollte gleich über die Therapie gesprochen werden, aber es sollten weitere Gespräche zu einem späteren Zeitpunkt angeboten werden.

Vierter Schritt - "Mitteilen der Information": Warnen, dass eine schlechte Nachricht mitgeteilt wird, etwa durch das Wort "leider". An dem Wissen des Patienten anknüpfen, möglichst seine eigenen Worte benutzen. Und ihn schrittweise zu der Nachricht führen.

Fünfter Schritt - "Emotionen zulassen und weitere Informationen mitteilen": Raum geben, Emotionen wie Trauer, Wut oder Schock auszudrücken, Reaktionen wahrnehmen und empathisch darauf eingehen - zum Bei-spiel durch offene Fragen. Ganz wichtig sind Pausen. Zuhören, was der Patient besprechen möchte und zu Fragen ermuntern. Nachhaken, was der Patient verstanden hat. Gegebenenfalls Zeichnungen, schriftliche Stichpunkte, Infobroschüren einsetzen.

Sechster Schritt - "Planung des weiteren Vorgehens": Die Infos zusammenfassen und weitere Unterstützungsmöglichkeiten nennen (etwa Psychologe, Selbsthilfegruppe, Physiotherapeut oder ärztliche Kollegen), gemeinsames Gespräch mit weiteren Angehörigen oder Freunden anbieten, gemeinsam die nächsten Schritte planen und den nächsten Termin vereinbaren.

Nach dem Gespräch sollten zudem die anderen Teammitglieder über Inhalt und Reaktionen des Patienten informiert werden, damit alle optimal zum Prozess der Aufklärung beitragen können.

Lesen Sie dazu auch: So sollten Ärzte schlechte Nachrichten überbringen

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