Ersthilfe-App

Smarte Idee stößt auf regionale Hindernisse

Schnelle Hilfe für Herzinfarktpatienten per Smartphone-App? Was in der Theorie gut klingt, birgt in der Praxis insbesondere bei überregionalen Einsätzen noch Schwierigkeiten, wie Beispiele aus Niedersachsen zeigen.

Von Christian Beneker Veröffentlicht: 02.07.2019, 05:12 Uhr
Smarte Idee stößt auf regionale Hindernisse

Jede Minute zählt: Ersthilfe-Apps können eine schnellere Patientenversorgung ermöglichen. Bisher funktioniert das nicht reibungslos. © Stephan Jansen / dpa

© Stephan Jansen / dpa

DIEPHOLZ/NIENBURG. Die niedersächsische Gesundheitsregion Diepholz/Nienburg plant, eine Ersthilfe- Alarm-App zu etablieren. In der ländlichen Gegend soll mit ihrer Hilfe die Zeit zwischen Alarmierung und Eintreffen des Rettungswagens bei Herzinfarktpatienten mit registrierten Ersthelfern aus der Region überbrückt werden. Diese sollen automatisch zum Patienten gelotst werden.

Als Ersthelfer könnten sich Heilberufler wie MFAs, Ärztinnen und Ärzte, Hebammen oder Feuerwehrleute registrieren lassen, sagt Peter Zenner von Koordinierungsstelle der Gesundheitsregion Diepholz/Nienburg.

Wenn bei der Leitstelle ein Notruf eingeht, werden die Ersthelfer in der Nähe des Notfallpatienten von der Leitstelle per GPS-Ortungssystem gefunden und gleichzeitig mit dem Rettungswagen alarmiert. „So können sie schon vor dem Eintreffen des Rettungswagens etwa mit der Wiederbelebung oder Beatmung beginnen“, erklärt Zenner.

Bewährter Praxiseinsatz

Wie gut das System funktionieren kann, zeigt sein Praxiseinsatz in der benachbarten Region Oldenburg und Umland. Hier sind sieben Landkreise für das Projekt zusammengefasst. Das Projekt „‘Erleben‘ – Erhöhung der Überlebensraten bei Herzstillstand“ begann vor drei Jahren.

Zunächst wurden Heilberufler als sogenannte First Responder in den Pool der freiwilligen Ersthelfer aufgenommen, dann sollen unter anderem Polizisten und Feuerwehrleute mitmachen und schließlich soll jeder mit Ersthelferausbildung zustoßen können.

Die beste Lösung wäre Technik, die grenzübergreifend funktioniert. Peter Zenner, Koordinierungsstelle der Gesundheitsregion Diepholz/Nienburg

Die App will auch bei Folgeproblemen der Ersthelfer, etwa nach einer gescheiterten Reanimation helfen. Sie hält ein Tool vor, das nach dem Einsatz nachfragt, ob der Helfer Hilfe braucht. Ein gutes Projekt, das aber ständig betreut werden muss, sagt Dunja Grützner von der Koordinierungsstelle Gesundheitsregion Landkreis Vechta.

Problem: Überregionale Einsätze

Probleme kann es geben, wenn der Rettungswagen für einen Infarktpatienten aus einer Nachbarregion kommt, in der es keine oder eine andere Rettungs-App gibt. So ist es in den beiden benachbarten Regionen Osnabrück und Oldenburg/Vechta. Sie haben sich für verschiedene Softwares entschieden.

In Diepholz und Nienburg steht man indessen noch ganz am Anfang. „Am besten wäre es, wenn wir alle die gleiche App hätten“, sagt Zenner. Zwar hat das Land Niedersachsen seine Förderung zugesagt, doch macht es dessen Förderungspraxis schwer.

Gefördert wird nur, wenn das Projekt deutschlandweit ausgeschrieben wurde und der Anbieter mit dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis den Zuschlag bekommt. „Wir suchen nach übergreifenden Lösungen“, sagt Zenner. „Die beste Lösung wäre eine Technik, die grenzübergreifend funktioniert – sowohl mit den Regionen, die schon eine App haben als auch bei denen, die vielleicht eine planen.“

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