Arzneimittelpolitik

Stada contra Rezeptpflicht für Doxylamin

Der OTC-Hersteller Stada ist der Ansicht, dass der Wirkstoff Doxylamin grundlos verdächtigt wird, bei Älteren die Sturzgefahr zu erhöhen.

Veröffentlicht: 27.01.2020, 17:18 Uhr

Bad Vilbel. Stada, Anbieter des nicht verschreibungspflichtigen Schlafmittels Hoggar® (Doxylamin), kritisiert den Vorschlag des Sachverständigenausschusses für Verschreibungspflicht, Doxylamin zur Anwendung bei älteren Patienten der Verschreibungspflicht zu unterstellen.

Das beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) angesiedelte Gremium hatte anlässlich seiner jüngsten Sitzung Mitte Januar mehrheitlich die Empfehlung ausgesprochen, die H1-Antihistaminika Doxylamin und Diphenhydramin zur Behandlung von Schlafstörungen künftig nurmehr gegen Rezeptvorlage an Erwachsene über 65 abzugeben.

Für Doxylamin könne man das „absolut nicht nachvollziehen“, ließ am Montag Stada Deutschland Chef Eelco Ockers verlauten. Zwar werde schon seit geraumer Zeit ein erhöhtes Sturzrisiko nach Einnahme von Antihistaminika diskutiert. „Es gibt jedoch keine belastbaren Studien, die diese Annahme belegen.“

Eigene Befragung ergab keine erhöhte Sturzgefahr

Um die Unbedenklichkeit des Wirkstoffs zu erhärten, habe die Stada im Herbst vorigen Jahres Hausärzte, Neurologen und Nervenheilkundler dazu befragt. In die Auswertung seien Aussagen von 170 Ärzten eingeflossen, die in den zurückliegenden sechs Monaten insgesamt rund 150 000 Patienten im Alter über 65 behandelt hätten; von denen wiederum hätten knapp 6000 im erfragten Beobachtungszeitraum H1-Antihistaminika eingenommen.

Wie das Unternehmen versichert, ergaben sich „über alle Altersgruppen hinweg keinerlei Hinweise auf eine erhöhte Sturzgefahr“.

Die Empfehlungen des Sachverständigenausschusses für Verschreibungspflicht richten sich an das Bundesgesundheitsministerium und sind nicht bindend. Das Ministerium nimmt Änderungen an der Arzneimittelverschreibungsverordnung nach eigenem Ermessen vor – mit Zustimmung des Bundesrates.

Doxylamin wurde auf Anregung der Sachverständigen bereits für Kinder und Jugendliche bis zum 18. Lebensjahr der Verschreibungspflicht unterstellt (seit 2019). (cw)

Mehr zum Thema

Platow Empfehlung

New Work expandiert und steigert Gewinn

Kommentare

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Newsletter bestellen »

Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte, Medizinstudenten, MFA und weitere Personengruppen viele Vorteile.

Die Anmeldung ist mit wenigen Klicks erledigt.

Jetzt anmelden / registrieren »

Top-Meldungen
„Sichere Apps auf Rezept gibt es nicht“

Digitale Gesundheitsanwendungen

„Sichere Apps auf Rezept gibt es nicht“

Geht der Arzt als Corona-Superspreader in die Praxis?

Schleswig-Holstein

Geht der Arzt als Corona-Superspreader in die Praxis?

Diese Website verwendet Cookies. Weitere Informationen zu Cookies und und insbesondere dazu, wie Sie deren Verwendung widersprechen können, finden Sie in unseren Datenschutzhinweisen.  Verstanden