Patientensicherheit

Todesfall nach Fehlmedikation – wäre Digitalisierung die Lösung?

Der Todesfall eines jungen Patienten im Krankenhaus aufgrund einer Fehlmedikation rückt die Patientensicherheit in den Fokus. Kritiker fordern nun den verstärkten Einsatz digitaler Technologie.

Veröffentlicht: 29.08.2020, 12:09 Uhr
Die Patientensicherheit könnte durch einen E-Medikationsplan verbessert werden, sagen Experten des health innovation hubs (hih).

Die Patientensicherheit könnte durch einen E-Medikationsplan verbessert werden, sagen Experten des health innovation hubs (hih).

© Henrik Dolle / stock.adobe.com

Bielefeld/Berlin. Ein Patient des Klinikums Bielefeld ist nach Verabreichung eines falschen Medikaments verstorben. Das Mittel sei gar nicht für den 26 Jahre alten Mann gedacht gewesen, sondern für seinen Zimmernachbarn, einen Krebspatienten, sagte ein Krankenhaussprecher auf dpa-Anfrage.

Der Vorfall, der bundesweit Aufsehen erregt hat, hat auch den health innovation hub (hih) des Bundesgesundheitsministeriums dazu motiviert, eine Stellungnahme abzugeben und den verstärkten Einsatz digitaler Technologien zu fordern, um die Arzneimitteltherapiesicherheit zu erhöhen.

Wie genau es zu dem tragischen Todesfall in der vergangenen Woche kommen konnte, sei noch unklar und werde von der Klinik derzeit intensiv untersucht, verlautete von der Klinik in Bielefeld. Nachdem Nebenwirkungen bei dem Patienten aufgetreten seien, habe man den 26-Jährigen zunächst auf die Intensivstation verlegt, schilderte der Sprecher. Danach habe man ihn in die Neurologische Fachabteilung der Evangelischen Klinik in Bielefeld gebracht. Dort sei er Donnerstag vor einer Woche verstorben. Zu den Einzelheiten dürfe man aus datenschutzrechtlichen Gründen und wegen der laufenden Ermittlungen derzeit keine weiteren Angaben machen.

Verwechslung nach Routine-Op

Einem Bericht des WDR zufolge war der Mann in der kommunalen Klinik erfolgreich operiert worden. Nach dem Routine-Eingriff habe man ihn bald entlassen wollen. Dann sei es zu der Medikamenten-Verwechslung gekommen.

Der Geschäftsführer des Klinikums Bielefeld, Michael Ackermann, sagte laut Mitteilung: „Wir sind bestürzt über diesen tragischen Todesfall. Wir trauern mit der Familie des verstorbenen Patienten.“

Auch die Bielefelder Polizei untersucht den Vorfall: Man ermittle „zu einem Todesfall in einer Klinik“, berichtete ein Sprecher. Bei ungeklärter Todesursache sei das generell Aufgabe der Polizei. Angaben zu dem konkreten Fall könne man aber vorerst nicht machen.

Digitale Kontrolle gefordert

In Krankenhäusern sei die Verwechslung von Medikamenten nicht selten, äußerte sich Eugen Brysch von der Stiftung Patientenschutz. Meistens handele es sich um Pillen, die der Patient schlucke. Brysch plädierte für eine digitale Kontrolle. Entnahme und Zusammensetzung der Medikamente auf der Station und die Zuteilung an den Patienten solle digital und lückenlos erfasst und überprüft werden.

Vom health innovation hub (hih) verlautete in seiner Stellungnahme, dass der Tod des jungen Patienten „beispielhaft für das in Deutschland stiefmütterlich behandelte Thema Arzneimitteltherapiesicherheit“ stehe. „Der Einsatz digitaler Technologien wird sicherlich nicht alle dieser Zwischenfälle vermeiden, aber belastbare Studien beweisen eindrücklich, wie durch einen volldigitalisierten Medikationsprozess die Fehlerquote über den gesamten Prozess“ sehr deutlich sinke, heißt es weiter.

Der hih begrüße, dass das Krankenhauszukunftsgesetz das Thema endlich in den Fokus genommen hat. Und fordert: „Neben dem E-Rezept (brauchen wir) möglichst rasch den elektronischen Medikationsplan.“ Den analogen Vorläufer, den bundeseinheitlichen Medikationsplan, sollten auch heute schon diejenigen nutzen, die mehrere Arzneien einnehmen müssen, empfiehlt der hih in seiner Stellungnahme. (syc/dpa)

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