Zukunftsbranche Gesundheit

Transparenz schafft Qualitätsanreize

Die Schweden könnten als Vorbild für die Versorgungsqualität in deutschen Krankenhäusern dienen.

Von Uwe K. Preusker Veröffentlicht:

Zum neunten Mal hat die schwedische Aufsichtsbehörde für das Sozial- und Gesundheitswesen "Socialstyrelsen" kürzlich ihren Bericht zur Qualität und Effektivität der gesundheitlichen Versorgung veröffentlicht. Die Ergebnisse sind in vielen Bereichen ermutigend.

So zeigt beispielsweise eine Studie, dass die Fünf-Jahre-Überlebenszeit schwedischer Frauen, die an Brustkrebs erkrankt sind, mittlerweile bei 89 Prozent liegt. 1991 lag sie noch bei 82,5 Prozent.

Die meisten der in dem Rapport wiedergegebenen Daten zur Qualität lassen sich bis auf die Ebenen des einzelnen Krankenhauses herunterbrechen: So erfährt man zum Beispiel, dass die 90-Tage-Sterblichkeit bei Enddarm-Krebs bei im Krankenhaus Värnamo operierten Patienten bei 18,75 Prozent lag, während das Krankenhaus mit den besten Resultaten - das Universitätsklinikum in Linköping - nur eine 90-Tage-Sterblichkeit von 0,79 Prozent aufweist.

Solange die schwedischen Patienten sich das Krankenhaus, in dem sie operiert werden wollten, nicht aussuchen konnten, hätte diese Information keine Auswirkungen gehabt. Doch seit in Schweden generell Wahlfreiheit herrscht, ist die Situation grundlegend anders - und damit faktisch so wie in Deutschland: Der Patient hat die Möglichkeit, sich die Klinik mit den besten Ergebnissen auszusuchen.

Genau hier aber zögert Deutschland derzeit noch: Die Daten werden, anders als in Schweden, nicht vollständig veröffentlicht, obwohl sie existieren. Nur manche Krankenhäuser und Klinikgruppen machen freiwillig diesen zusätzlichen Schritt.

Vorarbeiten für acht Qualitätsregister abgeschlossen

Hintergrund der schwedischen Qualitäts-Offenheit ist einerseits Tradition - die ältesten Qualitätsregister existieren seit mehr als 30 Jahren -, andererseits eine gezielte Politik, die die Qualitätsentwicklung im Gesundheitssystem systematisch unterstützt.

Seit 2009 verfolgt die schwedische Regierung eine spezifische Strategie, die auf Transparenz der Ergebnisqualität in möglichst vielen Bereichen abzielt. Mit dieser Strategie soll zum einen ein möglichst großer Teil der Aktivitäten des Gesundheitssystems erfasst werden.

Zweitens sollen alle relevanten Zielgruppen - einschließlich der Patienten - Zugang zu den Ergebnissen haben. Und drittens sollen die Transparenz-Daten als Werkzeug genutzt werden können, um die Leistungserbringer in der stationären und ambulanten Versorgung gemäß ihrer erreichten Qualität zu steuern.

Apropos ambulant: Teil dieser Strategie ist es auch, für die ambulante Versorgung und hier besonders die Primärversorgung für Menschen ab dem 65. Lebensjahr Qualitätsregister zu entwickeln.

Mittlerweile sind die Vorarbeiten für insgesamt acht solcher Register abgeschlossen - nach und nach werden diese Register nun landesweit mit Daten gefüllt. Beispiele sind das schwedische Demenzregister, das nationale Diabetesregister oder das schwedische Herzinsuffizienz-Register.

Das Ziel ist - wie bei allen Registern - die systematische Verbesserung der Versorgung, in diesem Fall der über 65-jährigen Patienten in der Primärversorgung, und zwar durch Transparenz der Ergebnisse und die Möglichkeit, zu vergleichen und daraus zu lernen.

Unterstützt wird das in Schweden auch dadurch, dass Ärzte, die sich mit ihren Daten an bestimmten Qualitätsregistern beteiligen, dafür eine leistungsbasierte Vergütung erhalten.

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Kommentare
Veröffentlichte Meinungsäußerungen entsprechen nicht zwangsläufig der Meinung und Haltung der Ärzte Zeitung.
Dr. Josef Siebig

Vorbild

Das klingt nicht nur theoretisch gut, das scheint auch praktisch zu funktionieren. In Deutschland sind wir von einem solchen vorbildlichen System meilenweit entfernt, weil in den tonangebenden Kreisen Transparenz und Patientensouveränität nur Lippenbekenntnisse sind und die Qualitätssicherung für Eigeninteressen instrumentalisiert wird.


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