Corona-Pandemie

Trump setzt WHO 30 Tage Galgenfrist

Richtet sich die WHO nicht binnen Monatsfrist neu aus und vertritt amerikanische Interessen, dann dreht US-Präsident Donald Trump der Weltgesundheitsorganisation endgültig den Geldhahn zu und überdenkt die Mitgliedschaft der USA.

Von Matthias Wallenfels Veröffentlicht: 19.05.2020, 16:20 Uhr
Trump setzt WHO 30 Tage Galgenfrist

US-Präsident Donald Trump nimmt die WHO ins Visier.

© Stefani Reynolds / CNP / picture alliance

Washington/Berlin/Genf. US-Präsident Donald Trump versucht, den Druck auf die Weltgesundheitsorganisation zu erhöhen und sie zu einem Kurswechsel zu zwingen. Auf Twitter veröffentlichte Trump am Dienstag einen Brief an WHO-Generaldirektor Dr. Tedros Adhanom Ghebreyesus, in dem er drohte, der WHO den Geldhahn zuzudrehen und die US-Mitgliedschaft zu überdenken. „Ich kann es nicht zulassen, dass amerikanische Steuer-Dollar zur weiteren Finanzierung einer Organisation verwendet werden, die in ihrem jetzigen Zustand so eindeutig nicht Amerikas Interessen dient“, schreibt Trump.

30 Tage habe die WHO Zeit für einen Kurswechsel. Der US-Präsident verschärft in seinem Brief die Vorwürfe an Tedros, China für eine Transparenz im Umgang mit der Corona-Krise zu loben, die nichts mit der Realität zu tun habe. Konkret kritisiert er, die WHO habe ihre Stimme nicht erhoben, als Peking offensichtlich kritische Ärzte abstrafte, die frühzeitig auf die Schwere von COVID-19 hingewiesen hätten. Auch habe die WHO geschwiegen, als zwei US-Experten als Teil einer WHO-Delegation an der Einreise nach Wuhan gehindert worden seien.

Arzt weist auf präsidiale Fehleinschätzungen hin

Eugene Gu, nach eigenen Angaben Arzt, zeigt für den Brief mit den harschen Worten keinerlei Verständnis. In seiner Replik auf den Tweet weist er darauf hin, dass Trump lange Zeit gesagt hätte, es handle sich nur um eine Influenza, während die Seuchenbehörde CDC, die WHO und weite Teile Amerikas bereits realisiert hätten, dass COVID-19 eine gefährliche Pandemie und soziale Distanz notwendig sei.

Auch aus der Bundesregierung kam am Dienstag Kritik an Trumps Drohung, aus der WHO auszutreten und Zahlungen zu stoppen. Der Transatlantikkoordinator der Bundesregierung, Peter Beyer (CDU), sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland, dies sei unverantwortlich. „Es ist selten ratsam, eine multilaterale Organisation zu verlassen – schon gar nicht während einer weltweiten Krise.“

Zunächst keine Reaktion aus Genf

Beyer kommentierte weiter: „Nationale Alleingänge bringen in dieser Lage nichts.“ Um die Pandemie in den Griff zu bekommen, müssten die USA weiter mit der WHO zusammenarbeiten. Auch wenn Kritik an der WHO und Skepsis gegenüber China berechtigt seien, sei Trumps Drohung vor allem innenpolitisch und mit der „Anti-China-Politik eines Präsidenten im Wahlkampf“ zu erklären, so Beyer.

Die WHO selbst hat zunächst nicht auf Trumps Brief reagiert. Die Organisation sei mit der Fortführung der virtuellen Jahrestagung beschäftigt, serklärte eine Sprecherin am Dienstag in Genf. Die Tagung steht erwartungsgemäß ganz im Zeichen der verheerenden Coronavirus-Pandemie. (mit dpa-Material)

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