Klinik-Management

Uniklinik Köln setzt auf Gesang

Singen gibt Patienten Halt. Davon ist ein Musiktherapeut an der der Uniklinik Köln überzeugt. Für das Engagement und die Singgruppe wurde die Uniklinik jetzt als "singendes Krankenhaus" zertifiziert.

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Uniklinikum Köln: Ausgezeichnet als singendes Krankenhaus.

Uniklinikum Köln: Ausgezeichnet als singendes Krankenhaus.

© Chai von der Laage / imago

KÖLN (tau). Die Universitätsklinik Köln setzt auf gemeinschaftlichen Gesang, um die Selbstheilungskräfte von Patienten zu stärken.

"Sie können ihre Gefühle dadurch besser verstehen und ausdrücken", sagt Musiktherapeut Norbert Hermanns. Er leitet eine zehnköpfige Singgruppe im Haus Lebenswert, einer Initiative für Krebskranke an der Uniklinik.

Das Krankenhaus bietet neben Chören mehrere Singgruppen an, zum Beispiel eine in der Abteilung Jugendpsychiatrie. Die Sänger treffen sich wöchentlich. Aktuell laufen die Vorbereitungen für die Gründung einer weiteren Gruppe für die Kinderklinik.

Das musikalische Engagement hat der Uniklinik 2011 den Titel "Singendes Krankenhaus" des Vereins Singende Krankenhäuser eingebracht. Der Verein steht seit Kurzem unter der Schirmherrschaft von Gerlinde Kretschmann, Ehefrau des baden-württembergischen Ministerpräsidenten, die sich für mehr Gesang in Kliniken stark macht.

Körperliche Reaktionen beim Singen

Singen erhöht das Gefühl der Selbstwirksamkeit, sagt Hermanns. Stress, der sich vor allem um den Kiefer und im Magenbereich festsetze, werde abgebaut. Der Gesang veranlasse den Körper dazu, Glückshormone auszuschütten.

Je intensiver sich Menschen in ein Lied vertiefen, umso stärker ist nach seinen Angaben die körperliche Reaktion. "Wir singen die Lieder teilweise über zehn Minuten oder länger, mit starken Variationen - dann produziert der Körper einen Glückscocktail", sagt Hermanns.

Den Anfang mit Gesangstherapie an der Kölner Uniklinik machte er 2001 in der Psychoonkologie. Krebskranke, die durch den stationären Aufenthalt auf ihre sozialen Kontakte verzichten müssen, profitierten am meisten von der Singgruppe, sagt Hermanns.

"Sie erfahren Gemeinschaft und Verbundenheit und gewinnen zudem wieder Zutrauen zu ihrer Stimme als 'Tor zur Welt'."

Allein ein schöner Rhythmus könne helfen. "Wenn ich dem Patienten einen angenehmen Rhythmus vorgebe, gebe ich ihm eine Struktur und damit Halt", sagt er.

Maori-Gesänge

Besonders geeignet für die Therapie sind nach seiner Erfahrung Lieder mit einer einprägsamen Melodie und einem schönen Rhythmus. Hermanns greift immer wieder gerne auf Gesänge der neuseeländischen Maori zurück.

Die Teilnehmer der Singgruppen - sie stehen neben Patienten auch Verwaltungsangestellten und Ärzten offen - sollen keinen Leistungsdruck spüren, sagt er. Denn: "Vielen Menschen wurde als Kind gesagt: Du kannst nicht singen."

Die Folge sei, dass einige Menschen sich den Gesang nicht mehr zutrauten. Diese Angst versucht ihnen Hermanns zu nehmen, etwa indem er aus seinen eigenen Fehlern kein Geheimnis macht.

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