Netzwerke als Leitbild

Unikliniken wollen die stationäre Versorgung koordinieren

Die Diskussionen über eine Neuaufstellung des stationären Sektors gewinnen immer mehr an Fahrt. Die Universitätskliniken melden nun einen Führungsanspruch in einer neu zu konzipierenden Netzwerkmedizin an. Unterstützung erhalten sie von Kassenverbänden.

Anno FrickeVon Anno Fricke Veröffentlicht:
37 Universitätskliniken, hier das Uniklinikum in Leipzig, gibt es bundesweit. Sie befinden sich dem Konzept zu Folge im Mittelpunkt eines Netzwerkes, das Aufgaben koordiniert und Expertise mit den Partnern im Netz teilt.

37 Universitätskliniken, hier das Uniklinikum in Leipzig, gibt es bundesweit. Sie befinden sich dem Konzept zu Folge im Mittelpunkt eines Netzwerkes, das Aufgaben koordiniert und Expertise mit den Partnern im Netz teilt.

© Sebastian Willnow / dpa

Berlin. Die Coronavirus-Pandemie wird auf die künftigen Strukturen der Krankenhauslandschaft ausstrahlen. Davon zeigen sich Vertreter der Universitätskliniken (VUD), des Verbands der Ersatzkassen (vdek) und der Betriebskrankenkassen überzeugt.

Voraussetzung sei ein dauerhafter Einstieg des Bundes in die Investitionsfinanzierung des stationären Sektors und die Refinanzierung von Vorhaltekosten. Die drei Verbände haben dazu am Mittwoch ein gemeinsames Thesenpapier vorgestellt.

Netzwerke als Leitbild

Leitbild für die Krankenhausplanung sollten demnach regionale und überregionale Netzwerke werden. Die Finanzierungsansätze sollten mit der Krankenhausplanung synchronisiert werden. Dazu gehört ausweislich der Thesen auch eine Förderung ambulanter Angebote. Die Versorgungsplanung sollte sektorenübergreifend erfolgen und eine mögliche Umwandlung von Krankenhäusern in Integrierte Versorgungszentren einschließen.

In dünn besiedelten Regionen müssten die Krankenhäuser verstärkt in die ambulante Versorgung und in die Kurzzeitpflege einbezogen werden. Über Telemedizin sollten Behandlungen in der Peripherie auch aus den Maximalversorgern heraus möglich sein. Um dem Fachkräftemangel zu begegnen, fordern die Verbände zusätzlich zur Stärkung der ambulanten Versorgung eine Aufwertung der Pflege und Gesundheitsberufe.

Bund ist schon eingestiegen

Mit Ausbruch der Pandemie hat der Bund zusätzliche Aufgaben in der Krankenhausfinanzierung übernommen. In den kommenden Jahren sollen auf der Basis des Krankenhausstrukturgesetzes drei Milliarden Euro in die Digitalisierung der Häuser investiert werden. Rund zehn Milliarden Euro erhielten die Krankenhäuser als Ausgleichszahlungen für entgangene Einnahmen, 700 Millionen Euro machte der Bund zur Absicherung der Intensivversorgung locker.

Gleichzeitig wurden die Mittel im Zeitverlauf abgestuft vergeben. Maximalversorger erhielten mehr. Seit Jahren wird zudem beklagt, dass die Länder ihrerseits den ihnen zugedachten Investitionsverpflichtungen nicht nachkämen.

Wie sich die stationäre Versorgung verändern könnte, skizzierte der Generalsekretär des VUD Jens Bussmann: „Über die Krankenhausplanung werden den Krankenhäusern in der Region ihre jeweiligen Aufgaben mit Blick auf den Versorgungsbedarf zugeteilt. Es gibt damit eine gestufte Versorgung, die vom Kooperationsgedanken geprägt ist“, sagte Bussmann.

Im Mittelpunkt dieser Netzwerke sollte idealerweise jeweils eine der 37 Universitätskliniken oder der assoziierten Krankenhäuser stehen, das die Aufgaben koordiniere und seine Expertise mit den Partnern im Netzwerk teile, so Bussmann.

Knieps: Feuer einstellen

Das Mittel dazu sei der Ausbau der Digitalisierung. Ein fallzahlbezogenes DRG-System und die Refinanzierung ausschließlich über eigene Patienten sei dann für die Häuser nicht mehr möglich. Die Finanzierung müsse stattdessen die Rolle im Versorgungssystem abbilden.

Krankenhäuser und Krankenkassen müssten weg von „von gegenseitigem Misstrauen geprägten Budgetverhandlungen“ und verbalen „Artillerieduellen“ ohne Ergebnisse, sagte BKK-Dachverbands-Chef Franz Knieps. Die Bürger hätten sich ohnehin längst darauf eingestellt, dass komplexere Medizin bei spezialisierten größeren Krankenhäusern stattfinden sollte, auch wenn die lokalen Krankenhäuser von der Bevölkerung oft mit Verve verteidigt würden.

Da es in der Zukunft nicht mehr Geld geben werde, böte sich nun die Chance zur Effizienz, so Knieps. Alle Beteiligten würden von einer auf Netzwerke ausgerichteten Aufgabenverteilung und Finanzierung profitieren, sagte Knieps voraus, zum Beispiel auch in Fragen der Personalgewinnung.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema
Kommentare
* Hinweis zu unseren Content-Partnern
Dieser Content Hub enthält Informationen des Unternehmens über eigene Produkte und Leistungen. Die Inhalte werden verantwortlich von den Unternehmen eingestellt und geben deren Meinung über die Eigenschaften der erläuterten Produkte und Services wieder. Für den Inhalt übernehmen die jeweiligen Unternehmen die vollständige Verantwortung.
Sonderberichte zum Thema
Mehr als ein oberflächlicher Eingriff: Die Krankenhausreform verändert auch an der Schnittstelle ambulant-stationär eine ganze Menge.

© Tobilander / stock.adobe.com

Folgen der Krankenhausreform für niedergelassene Ärztinnen und Ärzte

Die Klinikreform bringt Bewegung an der Schnittstelle zwischen Praxen und Krankenhäusern

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: der Deutschen Apotheker- und Ärztbank (apoBank)
Dr. med. Gerhard M. Sontheimer (ANregiomed, Region Ansbach) und Holger Baumann (Kliniken der Stadt Köln, v.l.) haben in der Praxis gute Erfahrungen mit Systempartnerschaften gemacht.

© Philips

Mehr Spielraum für moderne Prozesse in der Klinik

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Philips GmbH Market DACH, Hamburg
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Bundesfinanzministerium erklärt Voraussetzungen

Aktivrente 2026: Was Ärztinnen und Ärzte wissen müssen

Lesetipps
Pipetten mit Flüssigkeiten im Labor.

© Alican/stock.adobe.com

Hoffnung durch KI & Co?

Drei neue Strategien gegen Pankreaskrebs

Kooperation | In Kooperation mit: Deutscher Krebsgesellschaft und Stiftung Deutsche Krebshilfe
Die Pressekonferenz zum DKK 2026 mit zahlreichen Menschen auf dem Podium.

© Peter-Paul Weiler, berlin-event-foto.de

DKK 2026

Immuntherapie bei Krebs: Komplexe Kombinationen gefragt

Kooperation | In Kooperation mit: Deutscher Krebsgesellschaft und Stiftung Deutsche Krebshilfe
Blick in den Darm mit einem Krebsgeschwür.

© Juan Gärtner / stock.adobe.com

Gastrointestinale Tumoren

Magen-Darm-Krebs: Wirklich immer früher?

Kooperation | In Kooperation mit: Deutscher Krebsgesellschaft und Stiftung Deutsche Krebshilfe