Direkt zum Inhaltsbereich

E-Zigaretten

Urteil schmeckt Pharmaverband nicht

Das Bundesverwaltungsgericht stuft E-Zigaretten als Genussmittel und nicht als Arzneimittel ein. Ein Urteil, das dem Pharmaverband BAH gar nicht schmeckt.

Veröffentlicht:

LEIPZIG. Die Behörden in Nordrhein-Westfalen vertreten seit Jahren die Auffassung, dass E-Zigaretten und die zugehörigen Filterkartuschen mit nikotinhaltigem Liquid zulassungspflichtig sind. Die grüne Gesundheitsministerin in Düsseldorf, Barbara Steffens, warnte schon 2011 öffentlich vor dem neuen Produkt.

Gesundheitliche Risiken auch für Passivraucher des entstehenden Dampfs seien noch völlig ungeklärt. Es bestehe ein Verdacht auf allergieauslösende Substanzen. Die Produkte dürften nur mit Zulassung verkauft werden.

Mehrere Hersteller und Händler klagten gegen diese Äußerungen sowie gegen konkrete Verkaufsverbote. Das Bundesverwaltungsgericht gab nun einem Händler aus Wuppertal sowie einem Hersteller aus dem Raum Köln recht.

 Nikotinhaltige "Liquids" für die neuartigen "E-Zigaretten" sind keine zulassungspflichtigen Arzneimittel. Entsprechend sind auch die E-Zigaretten selbst keine zulassungspflichtigen Medizinprodukte.

Zur Begründung erklärten die Leipziger Richter, laut Arzneimittelgesetz würden Arzneimittel "zur Heilung, Linderung oder Verhütung von Krankheiten vermarktet". Dies sei bei den nikotinhaltigen Liquids nicht der Fall.

Ihre Produktaufmachung lasse auch nicht den Eindruck eines Arzneimittels entstehen.

"Therapeutische Eignung" fehlt

Die Liquids seien auch keine "Funktionsarzneimittel". Das in ihnen enthaltene Nikotin wirke zwar pharmakologisch auf den Körper ein. Doch anders als etwa Nikotinpflastern fehle den Liquids eine "therapeutische Eignung".

Dass die E-Zigaretten als Hilfsmittel zur Rauch- und Nikotinentwöhnung geeignet sind, sei jedenfalls bislang nicht belegt.

"Entsprechend messen die Verbraucher nikotinhaltigen Liquids überwiegend keine arzneiliche Zweckbestimmung bei, sondern verwenden sie als Genussmittel", erklärten die Leipziger Richter.

Ähnlich hatte kürzlich auch der Europäische Gerichtshof (EuGH) zu künstlichen Cannabinoiden - sogenannte Legal Highs - entschieden. Wie berichtet, sind danach gesundheitsschädliche Rauschmittel keine Arzneimittel, sofern sie nicht auch im Dienst der Gesundheit eingesetzt werden können.

Der Bundesverband der Arzneimittelhersteller (BAH) wertete die Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts als nicht verbraucherfreundlich: "Damit haben die Richter die Chance vertan, dass auch Hersteller von E-Zigaretten - ebenso wie die Hersteller von Arzneimitteln - im Zulassungsverfahren die Wirksamkeit und Sicherheit ihrer Produkte nachweisen müssen.

Das ist ein schwarzer Tag für die Verbraucher- und Patientenrechte", so BAH-Hauptgeschäftsführer Dr. Martin Weiser. Nun sei der Gesetzgeber gefordert. (mwo/HL)

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Apparategemeinschaften

Selbstzuweisungen im Labor: Graubereich mit Beharrungsvermögen

Kooperation | In Kooperation mit: Akkreditierte Labore in der Medizin (ALM) e.V.
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Tab. 1: Ansprechen untersucht in unabhängigen radiologischen Reviews nach RECIST-v1.1-Kriterien

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [13]

Tenosynoviale Riesenzelltumoren

Diagnose und Therapie erfordern orthopädische und onkologische Expertise

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Deciphera Pharmaceuticals (Germany) GmbH, München
Abb. 1: ASTRUM-005-Studie: Finale Analyse des Gesamtüberlebens (OS)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [5]

Serplulimab beim ES-SCLC

Aus Evidenz wird eine starke Leitlinienempfehlung

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Accord Healthcare GmbH, München
Abb. 1: Strukturierter Ablauf der CAR-T-Zelltherapie, in sektorübergreifender Zusammenarbeit zwischen Zentrum und zuweisender Praxis

© Janssen-Cilag

CAR-T-Zelltherapie mit Cilta-cel

Frühzeitige Zuweisung und strukturierte Patientensteuerung

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Janssen-Cilag GmbH, a Johnson & Johnson company, Neuss
Vorteile des Logins

Mit unserem kostenloses Login erhalten Ärztinnen und Ärzte, Medizinstudierende sowie Fachkräfte im Gesundheitswesen vollen Zugriff auf unsere medizinischen und praxisrelevanten Inhalte.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Sie fragen – Experten antworten

Wann zählt die FSME-Impfung bei der Vorhaltepauschale mit?

Lesetipps
Bei der Springer Medizin Gala wurden die Preisträger des Galenus-von-Pergamon-Preises und des Charity Awards gekürt.

© Marc-Steffen Unger

Preisträger gekürt

Das sind die Gewinner des Galenus-von-Pergamon-Preises 2026

Ehrenamtliches Engagement beeindrucke sie nicht nur, „es berührt mich“, erklärte die einstige Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt.

© David Vogt

Springer Medizin Gala

Preisträger des Springer Medizin Charity Awards feierlich gekürt