Kommentar

Verstecktes Warnsignal

Von Rebekka HöhlRebekka Höhl Veröffentlicht:

Der Trend ist eindeutig: Ärztliche Existenzgründer drängt es eher in die Kooperation. Ein Trend, der vor allem die Entscheider in der Gesundheitspolitik, aber auch die ärztliche Selbstverwaltung wachrütteln sollte.

Zwar sprechen die Daten, die jetzt das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (ZI) und die Deutsche Apotheker- und Ärztebank (apoBank) vorgelegt haben, vor allem dafür, dass die Kooperation ein Phänomen der urbanen Gebiete und dazu noch der alten Bundesländer ist.

Denn in den neuen Bundesländern überwiegt laut der Existenzgründeranalyse von ZI und apoBank derzeit mit 71 Prozent der Praxisgründungen und -übernahmen noch die Einzelpraxis. Und das, so die Erklärung der Experten, liege vor allem an den überwiegend "ländlichen und kleinstädtischen Gebieten".

Aber erschreckend ist vor allem ein anderes Ergebnis: Existenzgründungen auf dem Land sind mit 2,2 Prozent in den alten und 2,9 Prozent in den neuen Bundesländern sehr selten. Gerade dort werden aber Ärzte gebraucht.

Nur, auf dem Land sind Kooperationen und Praxisformen, die Ärzten eine ausgewogene Work-Life-Balance und eine Vereinbarkeit von Familie und Beruf bieten, schwer möglich. Es fehlen schlicht die Strukturen und Kooperationspartner.

Wenn jedoch gleichzeitig in den neuen Bundesländern der Frauenanteil unter den Existenzgründern bei über 58 Prozent liegt, dann sind familienfreundliche Strukturen unbedingt notwendig, soll die medizinische Versorgung auf dem Land auch künftig funktionieren.

Vor dem Hintergrund, dass es ja nicht nur die Ärzte zunehmend in die Städte zieht, gibt die Analyse ein deutliches Signal: Es muss Entwicklungsarbeit geleistet werden - nicht nur unter Ärzten. Raum für Kooperationen zu schaffen ist dabei sicherlich nur einer von vielen Punkten.

Lesen Sie dazu auch: Ärzte wollen nicht mehr allein sein

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