Telemedizin

Virtuelles Krankenhaus wegen Corona früher am Start als geplant

Ab Sonntag steht das intensivmedizinische Spezialwissen aus Aachen und Münster rund um die Uhr Ärzten aus rund 200 Kliniken der Grund- und Regelversorgung in NRW zur Verfügung.

Von Ilse Schlingensiepen Veröffentlicht: 26.03.2020, 14:40 Uhr
Virtuelles Krankenhaus wegen Corona früher am Start als geplant

Keine Videoschalte: (v.l.) Günter van Aalst, stellvertretender Vorsitzender Deutsche Gesellschaft für Telemedizin, Professor Gernot Marx, Direktor der Klinik für Operative Intensivmedizin und Intermediate Care an der Uniklinik RWTH Aachen sowie Dr. Sandra Dohmen, Ärztliche Leiterin des Innovationszentrums Digitale Medizin stellen vor Journalisten das virtuelle Krankenhaus für NRW vor.

© Uniklinik RWTH Aachen

Aachen. Eigentlich ist das virtuelle Krankenhaus in Nordrhein-Westfalen noch in der Vorbereitungsphase. Doch schon ab Sonntag steht es vor der ersten großen Bewährungsprobe: Intensivmediziner der Universitätskliniken Aachen und Münster stehen ihren Kollegen in den Kliniken der Grund- und Regelversorgung in NRW dann bei der Versorgung von COVID-19-Patienten via Telemedizin zur Seite. Ein besonderer Fokus liegt auf Erkrankten, die eine Beatmung benötigen.

Pandemie fordert schnelles Handeln

Ziel des virtuellen Krankenhauses ist es, Kliniken und Praxen in ganz NRW mithilfe der Telemedizin Zugang zur Expertise der medizinischen Spitzenzentren zu geben. Geplant war, dass das Projekt in diesem Frühjahr zunächst in eine Pilotphase geht.

„Aufgrund der Pandemie sehen wir uns alle gezwungen, anders zu handeln als geplant“, sagte Professor Gernot Marx, Direktor der Kliniken für Operative Intensivmedizin und Intermediate Care an der Uniklinik Aachen, vor Journalisten in Aachen.

Marx ist von NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann mit der Leitung und Steuerung der Startphase des virtuellen Krankenhauses beauftragt worden.

Die Uniklinik Aachen ist seit 2012 im Bereich der Telemedizin aktiv, Marx ist Konsortialführer beim großen Telemedizin-Projekt Telnet@NRW. Seine Klinik hat zudem bereits Erfahrungen in der Behandlung von Patienten mit COVID-19: „Wir haben aktuell 19 Patienten in der Intensivbehandlung.“

Expertise landesweit abrufbar

Ab Sonntag steht das intensivmedizinische Spezialwissen aus Aachen und Münster rund um die Uhr Ärzten aus rund 200 Kliniken der Grund- und Regelversorgung in NRW zur Verfügung. „Die Häuser brauchen nur einen Laptop mit Kamera und Mikrofon und eine Internetverbindung, den Rest stellen wir zur Verfügung“, sagte Marx. Die eingesetzte Technik ist nicht so ausgeklügelt wie langfristig vorgesehen. „Jetzt geht es aber darum, die Krise zu bewältigen.“ Entscheidend sei, dass der Service möglichst einfach für die Anwender ist.

Die Verantwortlichen werden gemeinsam mit dem Landesgesundheitsministerium und der Landeskrankenhausgesellschaft die Kliniken über das neue Angebot informieren. Wenn die Häuser Unterstützung wünschen, können sie sich auf einer speziellen Internetseite einen Termin holen. „Bei Notfällen können die Kliniken umgehend Hilfe bekommen“, so Marx.

30 Ärzte zusätzlich

Die Kliniken werden auch über datenschutzrechtliche Anforderungen aufgeklärt, etwa für die Aufnahmeverträge. Grundsätzlich gebe aber es bei der telemedizinischen Unterstützung keine großen Unterschiede zu sonstigen Konsiliargesprächen.

Für die telemedizinische Konsiliartätigkeit stehen in den beiden Unikliniken insgesamt 30 Ärzte zusätzlich zur Verfügung. Marx geht davon aus, dass für die Finanzierung eine Lösung gefunden wird. „Jetzt geht es erst einmal um die medizinische Versorgung.“

Gesundheitsminister Laumann setzt große Hoffnungen auf den Einsatz der Tele-Intensivmedizin. „Hierdurch kann die Zahl von Intensivbetten mit angemessener medizinischer Expertise kurzfristig gesteigert werden“, teilte er mit. „Vor allem kleinere Krankenhäuser, die Beratung bei der Behandlung von Beatmungspatienten benötigen, können so bestmöglich unterstützt werden.“

Das neue Angebot reduziere patientengefährdende Transporte zwischen Kliniken und ermögliche eine bessere Nutzung der pflegerischen Ressourcen vor Ort.

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