SPECTARIS-Positionspapier

Vorstoß für cloud-fähige Hilfsmittel auf Rezept

Der MedTech-Branchenverband SPECTARIS appelliert an die Gesundheitspolitik, das Potenzial der Versorgung mit cloud-basierten, digital-gestützten Hilfsmitteln zu heben – und Rahmenbedingungen zu schaffen.

Von Matthias WallenfelsMatthias Wallenfels Veröffentlicht:
Das Versorgungsherz schlägt für die Digitalisierung. Das ist nur noch nicht überall spürbar.

Das Versorgungsherz schlägt für die Digitalisierung. Das ist nur noch nicht überall spürbar.

© denisismagilov / stock.adobe.com

Berlin. Die Coronavirus-Pandemie hat vielen medizinisch-pflegerischen Versorgungsbereichen einen Digitalisierungsschub verpasst – exemplarisch symbolisiert die Videosprechstunde die Akzeptanz innovativer Formate. Ein Bereich liegt nach Ansicht des Medizintechnik-Branchenverbandes SPECTARIS allerdings noch fast völlig brach – trotz der unbestrittenen Vorteile sei die Nutzung online-fähiger Hilfsmittel in Deutschland noch immer gering.

Dabei biete die Digitalisierung insbesondere in der Hilfsmittelversorgung erhebliches Potenzial, die Versorgungsqualität zu verbessern und gleichzeitig Kosten für das Gesundheitssystem zu senken, wie Sabine Mertsch, Mitglied des Vorstands Medizintechnik bei SPECTARIS, betont.

„Mehrwert für alle Beteiligten des Gesundheitssystems“

Exemplarisch verweist der Verband in seinem Positionspapier auf das schlummernde Potenzial web-fähiger Insulinpumpen, Smartpens, rtCGM und Blutzuckermessgeräte, die die Versorgung von Diabetikern in allerlei Hinsicht effizienter und effektiver ausgestalten könnten.

„Durch Fernmonitoring und die Betreuung chronisch kranker Patienten mittels online- bzw. cloud-fähiger Hilfsmittel können wir einen Mehrwert für alle Beteiligten des Gesundheitssystems schaffen, insbesondere für die Patienten und Versicherten“, wirbt Mertsch um Unterstützung für die politischen und regulatorischen Vorschläge, die ihr Verband in einem Positionspapier zusammengetragen hat, um im Hilfsmittelbereich cloud-basierte Versorgungslösungen aufblühen zu lassen.

„Hier ist jetzt auch die Politik gefragt, die den nötigen Druck auf den GKV-Spitzenverband ausüben muss, damit dieser das Hilfsmittelverzeichnis anpasst“, findet Mertsch klare Worte.

Neue Produktkategorien gefordert

SPECTARIS plädiert konkret für die Schaffung eigener Produktarten für online-basierte bzw. cloud-fähige Hilfsmittel innerhalb einer bestehenden Produktgruppe im Hilfsmittelverzeichnis der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) – dann müssen die Kassen ohne wenn und aber die Kosten nach Verordnung tragen. Aktuell sehe das Hilfsmittelverzeichnis aber keine gesonderten Produktarten für ebenjene Lösungen vor.

SPECTARIS hat auch ein Herz für Haus- und Fachärzte: Außerdem müsse die Verarbeitung telemonitorischer Daten durch die Leistungserbringer vergütet werden, heißt es in dem Positionspapier. Denn ohne die Möglichkeit, Daten aus telemonitoring-fähigen Hilfsmitteln auszuwerten und für diese Leistung vergütet zu werden, bleibe die Videosprechstunde weit hinter ihrem Potenzial zurück.

„Die Übernahme von konnektiven Hilfsmitteln in den Versorgungsalltag würde der Digitalisierung im Gesundheitswesen einen ordentlichen Schub geben. Damit dies gelingt, müssen aber die genannten Voraussetzungen geschaffen werden“, sagt Mertsch.

Blaupause DiGA-Verzeichnis?

Analog zum DiGA-Verzeichnis sieht SPECTARIS die Schaffung eigener Produktarten für online-basierte bzw. cloud-fähige Hilfsmittel innerhalb der bestehenden Produktgruppen im Hilfsmittelverzeichnis der gesetzlichen Krankenkassen vor. Der Aufnahmeprozess könnte laut Positionspapier folgendermaßen ablaufen:

Der Hersteller beantragt die Aufnahme seiner Lösung in das Hilfsmittelverzeichnis gemäß § 139 SGB V als online-fähiges Produkt.

Vorlage einer Potenzialbewertung auf Basis von Versorgungsdaten oder klinischen Studien sowie Bewertung durch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) und gegebenenfalls durch das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI).

Die „Potentialbewertung muss den Mehrwert der online-fähigen Lösung gegenüber vergleichbaren nicht-cloud-fähigen Lösungen darstellen (sofern ein nicht-digitales Vergleichsprodukt vorhanden ist): „Dabei ist aber zugleich die Klarstellung notwendig, dass Versorgungsdaten notwendig, aber auch ausreichend sind, um ein entsprechendes Potenzial zu belegen“, heißt es im Positionspapier.

Nach positiver Bewertung durch das BfArM – und erforderlichenfalls das BSI – erfolgt die Aufnahme in das Hilfsmittelverzeichnis gemäß § 139 SGB V (separate Produktart innerhalb der Produktgruppe).

Sofern keine positive Bewertung vorliege, solle die Aufnahme ins Hilfsmittelverzeichnis in der Produktart ohne Online-Fähigkeit erfolgen.

Die Verhandlung über die Vergütung bzw. Vergütungsmodelle soll laut SPECTARIS zentral zwischen Herstellern bzw. Hilfsmittelleistungserbringern und GKV-Spitzenverband erfolgen, die Pauschalisierung möglich sein.

Die Vergütung solle dann durch die Kostenträger (GKV) im Rahmen der mit dem GKV-SV vereinbarten Vorgaben und Erstattungsbeträge erfolgen.

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