KBV-Vorstand

Was die Digitalisierung für Arztpraxen bedeutet

Die Koalitionsverhandlungen gehen an den Start. KBV-Vorstand Dr. Thomas Kriedel ist offen für die Digitalisierung, eine "Kulturrevolution" lehnt er jedoch ab.

Von Anno FrickeAnno Fricke Veröffentlicht:
Mensch und Maschine, Hand in Hand: KBV-Vorstand Kriedel bewertet die Möglichkeiten von Big Data als durchaus positiv, ohne alles Alterbrachte über den Haufen zu schmeißen.

Mensch und Maschine, Hand in Hand: KBV-Vorstand Kriedel bewertet die Möglichkeiten von Big Data als durchaus positiv, ohne alles Alterbrachte über den Haufen zu schmeißen.

© peshkova / stock.adobe.com

BERLIN. Die digitale Transformation des Gesundheitswesens stößt bei den Vertragsärzten auf breite Zustimmung. "Wir stehen den Möglichkeiten der auf Big Data basierenden künstlichen Intelligenz (...) insgesamt durchaus offen gegenüber", sagt KBV-Vorstand Dr. Thomas Kriedel im Interview mit der "Ärzte Zeitung".

Digitalisierung bedeute aber nicht, analog zu digital zu machen. Zur Telemedizin sagt Kriedel klar: Sie könne ein wichtiger Baustein für die künftige Versorgung sein, den Arzt-Patienten-Kontakt werde sie aber nicht ersetzen.

Der Weg zur GroKo

  • Die Koalitionsverhandlungen starten am Freitag, 9 Uhr, in einer Runde der Parteivorsitzenden Angela Merkel (CDU), Martin Schulz (SPD) und Horst Seehofer (CSU).
  • Bis zum"schmutzigen Donnerstag" am 8. Februar soll der Koalitionsvertrag stehen.
  • Danach stimmen die 440.000 SPD-Miglieder über den Vertrag ab. Dafür sind drei Wochen veranschlagt.

Der digitale Wandel von Wirtschaft, Arbeit und Gesellschaft gehört laut Union und SPD zu den "großen Fragen" der Gesellschaft. Das Gesundheitswesen bleibt davon nicht ausgenommen.

Im Gegenteil: Gesundheitsstaatssekretär Lutz Stroppe hat in diesen Tagen erneut klar gemacht, dass das eingangs des Gesundheitskapitels genannte Versorgungsziel einer auch künftig guten, flächendeckenden medizinischen und pflegerischen Versorgung unabhängig vom Einkommen und Wohnort ohne Telemedizin nicht zu haben sein wird.

Einsparung von in etwa 39 Milliardem Euro

Der konsequente Einsatz von Informationstechnologie in der Versorgung könne dem Gesundheitswesen im Jahr rund 39 Milliarden Euro sparen, haben am Donnerstag die Branchenverbände der industriellen Gesundheitswirtschaft vorgerechnet. Die Verbände forderten die Regierung auf, ein nationales E-Health-Zielbild zu entwickeln, um die Digitalisierung der Gesundheitsversorgung voranzubringen.

Der SPD-Gesundheitspolitiker, Professor Karl Lauterbach bekräftigte am Donnerstag, mit der Forderung nach einer Angleichung der Honorare von Kassen- und Privatpatienten in die am Freitag beginnenden Koalitionsverhandlungen zu gehen. Lauterbach soll Medienberichten zufolge das Gesundheitskapitel des Koalitionsvertrags für die SPD federführend verhandeln.

CDU und CSU haben bislang angeboten, über die Anhebung von Honoraren für die Behandlung von Kassenpatienten zu sprechen. Im Gespräch ist zum Beispiel die Aufhebung des Budgetdeckels auf den ärztlichen Grundleistungen.

Die geschäftsführende Familienministerin Katarina Barley (SPD) sagte im ARD-Morgenmagazin, sie erwarte ein Entgegenkommen der Union bei Themen der Gesundheitsversorgung. "Wir müssen jetzt nicht von heute auf morgen die komplette Abschaffung der Zwei-Klassen-Medizin hinbekommen", sagte Barley.

Lesen Sie dazu auch das Interview: KBV-Vorstand Kriedel: "Die Ärzte brauchen keine Kulturrevolution!"

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