Hausarzt in der Kaserne

Was junge Ärzte bei der Bundeswehr reizt

Die Bundeswehr sucht dringend Medizinernachwuchs. Wie die Ausbildung bei der Bundeswehr aussieht, berichten zwei angehende Internisten in der "Ärzte Zeitung".

Von Marco MrusekMarco Mrusek Veröffentlicht:
Dr. Roland Mettin, angehender Facharzt für Innere Medizin, hat sich für 20 Jahre verpflichtet.

Dr. Roland Mettin, angehender Facharzt für Innere Medizin, hat sich für 20 Jahre verpflichtet.

© Marco Mrusek

KOBLENZ. Das Medizinstudium bei der Bundeswehr gilt als Alternative für jene, die den Numerus clausus nicht schaffen, sich keine private Medizinerakademie leisten können und die nicht ins Ausland wollen.

Doch es gibt auch angehende Mediziner, die sich bewusst für die Bundeswehr entscheiden. Einer von ihnen ist Oberstabsarzt Dr. Roland Mettin, mittlerweile Arzt in Weiterbildung auf dem Weg zum Facharzt für Innere Medizin. "Ich habe mich nach dem Abitur entschieden, zur Bundeswehr zu gehen und Sanitätsoffiziersanwärter zu werden", sagt er im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung". Bis zu diesem Zeitpunkt hatte Mettin noch nicht einmal den Wehrdienst abgeleistet.

Nach der dreimonatigen Grundausbildung begann er das Medizinstudium an der Universität Leipzig. Das finanziert die Bundeswehr plus Besoldung obendrauf von Anfang an – gegen eine Verpflichtung für 17 Jahre.

Reintegration in die Truppe

Nach sechs Jahren Studium (Regelzeit) und einem Offizierslehrgang folgt für die Absolventen eine dreimonatige Postuniversitäre modulare Ausbildung (PUMA). Diese dient der Reintegration in die Truppe für den im Studium zum Leutnant und Stabsarzt aufgestiegenen Mediziner. Im Anschluss versetzte die Bundeswehr Mettin nach Koblenz an das Bundeswehrzentralkrankenhaus.

Auf seinen Wunsch hin wurde er dort für die Innere Medizin eingeplant. Diese Weiterbildung finanziert die Bundeswehr gegen eine weitere Verpflichtung für drei Jahre. Außerdem erforderlich: der Dienst als Truppenarzt in einer Kaserne, für Mettin in Bonn. Dort fungierte er quasi als Hausarzt der Kaserne. Der Bedarf dafür ist hoch, Truppenärzte sind Mangelware.

Stabsarzt Dennis Kine wollte schon seit der Oberstufe zur Bundeswehr.

Stabsarzt Dennis Kine wollte schon seit der Oberstufe zur Bundeswehr.

© Bundeswehrzentralkrankenhaus Koblenz

Diesen Einsatz noch vor sich hat Stabsarzt Dennis Kine. Für ihn war schon in der fünften Klasse klar, dass er Arzt werden wolle und bereits vor dem Abitur wusste er, dass die Bundeswehr sein künftiger Arbeitgeber würde. "Vor allem hat mich die Bandbreite an Möglichkeiten gereizt, die man hier hat", betont Kine. Er befindet sich in seinem ersten klinischen Abschnitt im Bundeswehrkrankenhaus und strebt ebenfalls die Weiterbildung zum Facharzt für Innere Medizin an.

Notarztkurs dauert vier Wochen

Das Krankenhaus in Koblenz ist in die normale Regelversorgung als Maximalversorger eingegliedert. Daher legt der Sanitätsdienst der Bundeswehr Wert darauf, dass die Assistenzärzte im ersten klinischen Weiterbildungsabschnitt die bundeswehrinterne Bezeichnung Rettungsmedizin erwerben, Äquivalent dafür ist im zivilen Bereich die Fachkunde Rettungsdienst oder, höherwertiger, die Zusatzweiterbildung Notfallmedizin.

Eine Besonderheit der Ausbildung beim Sanitätsdienst der Bundeswehr: Der Notarztkurs dauert nicht wie im zivilen Bereich eine, sondern vier Wochen, berichtet Mettin. Warum drei Wochen länger? "Es werden auch militärischen Fachspezifika unterrichtet, zum Beispiel die taktische Verwundetenversorgung", erklärt der Oberstabsarzt. "Außerdem wird viel Simulationstraining gemacht, das ist besser als im zivilen Bereich."

Kine hat sich bis 2029 verpflichtet, für den Sanitätsdienst zu arbeiten, Mettin bis 2025. 2020 wird er seine Weiterbildung zum Internisten abgeschlossen haben. Privat steht gerade die Familienplanung im Vordergrund, Mettin wird demnächst einen Monat Elternzeit nehmen. Auch zwei Monate Auslandseinsatz in Mali sind fest eingeplant. Eine dortige Ausbildungsmission wird er als Notarzt begleiten, "Beweglicher Arzttrupp" nennt die Bundeswehr das.

Was für die letzten fünf Jahre seiner Verpflichtung ansteht, weiß Mettin noch nicht. Auch bei Kine ist noch offen, wohin es als Nächstes geht, wenn er als Truppenarzt eingesetzt wird. Das entscheidet sich für ihn im August. "Es kommt ein Personalgespräch. Dann schauen wir, wie es weitergeht", sagt Mettin.

Bei der Bundeswehr sind rund 3300 Sanitätsoffiziere beschäftigt. Sie leisten zusammen mit 12.900 Soldaten und 3980 Zivilbeschäftigten die medizinische Versorgung.

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