Verstimmung nach TV-Bericht

Wie steht es um den Arbeitsschutz in Deutschland?

Der Arbeitsschutz befindet sich in Deutschland keineswegs auf bulgarischem Niveau. Ist jedenfalls die DGUV überzeugt.

Veröffentlicht:

BERLIN. Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) kritisiert einen Bericht des ARD-Magazins "Plusminus", wonach Deutschland in Sachen Arbeitsschutz "zu den Schlusslichtern in Europa" zähle.

Mit dieser Aussage wird in dem Bericht der Arbeits- und Sozialrechtler Professor Wolfhard Kohte von der Universität Halle-Wittenberg zitiert.

Kohte wörtlich: Der Arbeitsschutz in Deutschland sei "bereits seit Jahren auf das Niveau von Ländern wie Bulgarien und Ungarn gesunken".

Schulung für 400.000 Berufstätige jährlich

DGUV-Hauptgeschäftsführer Dr. Walter Eichendorf hält die Schlusslicht-Metapher allerdings für, so wörtlich, "unseriös".

Laut einer weltweiten Recherche des Arbeitsministeriums von Singapur, so Eichendorf, sei Deutschland eines von weltweit nur vier Ländern, in denen sich über mehrere Berichtsjahre hinweg weniger als ein tödlicher Arbeitsunfall pro 100.000 Beschäftigte im Jahr ereignet habe.

Eichendorf verweist zudem auf die Anstrengungen, die Berufsgenossenschaften und Unfallkassen unternähmen, um die Anzahl tödlicher Arbeitsunfälle zu verringern. Täglich gingen "über 2500 Präventionsfachleute in die Betriebe". Jedes Jahr würden fast 400.000 Berufstätige in Sicherheitsfragen geschult.

Bereits seit geraumer Zeit propagiert die DGVU das Ziel, schwere und tödliche Arbeitsunfälle zu vermeiden ("Vision Zero"). 2017 wurden bundesweit 451 tödliche Arbeitsunfälle gezählt (27 mehr als 2016).

Für das erste Halbjahr dieses Jahres berichtete die Unfallversicherung erst vor wenigen Tagen einen Rückgang um 17 Fälle (auf insgesamt 206) gegenüber dem Vergleichszeitraum 2017.

Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit sollten Vorrang haben

"Plusminus" war auch auf den Rückgang staatlicher Kontrollen des betrieblichen Arbeitsschutzes eingegangen. Infolge Stellenabbaus bei den zuständigen Landesbehörden seien die jährlichen Betriebskontrollen von 630.000 (1996) auf 189.000 (2017) gesunken.

Ein Betrieb müsse inzwischen statistisch gesehen maximal nur alle 30 Jahre mit einer Überprüfung rechnen, sagte dem ARD-Magazin der Bundesvorsitzende der Gewerkschaft Technik und Naturwissenschaft im Deutschen Beamtenbund, Jan-Georg Seidel.

Dem will DGUV-Geschäftsführer Eichendorf nicht widersprechen und mahnt "ausreichende Ressourcen für Überwachung und Beratung" an, sowie den politischen Willen, "Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit Vorrang einzuräumen". (cw)

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