Klinik-Management

Wirtschaftskrise setzt öffentlichen Kliniken zu

BERLIN (hom). Die Wirtschaftskrise wird mittelfristig auch am deutschen Krankenhausmarkt deutliche Spuren hinterlassen. Insbesondere die öffentlichen Kliniken werden ins Schleudern kommen, da Ländern und Kommunen wichtige Steuereinnahmen wegbrechen. Gewinner der Krise sind private Klinikbetreiber, die aufgrund ihrer Finanzkraft weiter zulegen können.

Veröffentlicht: 19.05.2010, 05:00 Uhr
Wirtschaftskrise setzt öffentlichen Kliniken zu

"Das Kliniksterben in Deutschland geht todsicher weiter", sagt Klinikexperte Stefan Viering. © Lorelyn Medina / fotolia.com

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Zu dieser Prognose gelangt die Wirtschaftsberatungsgesellschaft Ernst & Young in einer aktuellen Studie, die am Dienstag in Berlin vorgestellt wurde. Dabei wurden insgesamt 150 Manager öffentlicher, freigemeinnütziger und privater Kliniken nach der wirtschaftlichen Zukunft ihrer Häuser befragt. Das Gros erwartet demnach in den kommenden zwei Jahren steigende Personal- und Sachkosten. "Wegen der älter werdenden Bevölkerung und aufgrund neuer diagnostischer und therapeutischer Verfahren sind steigende Kosten im Krankenhaussektor programmiert - trotz aller Bemühungen um Kosteneinsparungen", sagte Gesundheitsexperte Nils Söhnle.

Die Wirtschaftskrise verschärfe die Lage der Krankenhäuser - vor allem der kommunalen - noch einmal ganz erheblich. Zum einen sei aufgrund der Ausfälle an Krankenkassenbeiträgen durch steigende Arbeitslosigkeit und die hohe Inanspruchnahme von Kurzarbeit "weniger Geld im System", sagte Klinikexperte Stefan Viering. Zum anderen müssten sowohl Länder wie auch Kommunen deutlich sinkende Steuereinnahmen hinnehmen. In der Konsequenz bedeute dies, dass die öffentliche Hand Defizite ihrer Kliniken nicht mehr ausgleichen könne und obendrein kräftig auf die Investitionsbremse steige. Bereits in diesem Jahr fehlten den Kommunen und Ländern 31 Milliarden Euro. Da im schärfer werdenden Wettbewerb der Kliniken aber langfristig nur die Häuser überleben könnten, die ausreichend in moderne Ausstattung und gut qualifiziertes Personal investieren, stünden die kommunalen Kliniken vor gravierenden Problemen, da ihnen das Geld für die nötigen Investitionen fehle, so Viering. Dasselbe gelte für freigemeinnützige Kliniken: Geringere Kirchensteuereinnahmen sowie ein vermindertes Spendenaufkommen würden die finanzielle Leistungsfähigkeit auch dieser Häuser stark beeinträchtigen, warnte Viering.

Gewinner der Wirtschaftskrise seien private Klinikkonzerne. Das Geschäft von Asklepios, Helios, Sana und anderen privaten Anbietern sei wegen deren Fähigkeit, "sich am Kapitalmarkt schnell und ausreichend frisches Geld besorgen zu können", vom konjunkturellen Geschehen weit weniger abhängig, als dies bei kommunalen oder freigemeinnützigen Häusern der Fall sei. Private Klinikketten seien "geschätzte Kreditnehmer und erfreuen sich auch am Kapitalmarkt beachtlicher Beliebtheit - selbst in der Krise", betonte Viering. Die "finanzielle Enge" der anderen Träger eröffne den Privaten daher neue Möglichkeiten der Expansion: "Die Geldnot lässt manchen Bürgermeister und Landrat wieder ernsthaft über einen Verkauf seiner Kliniken an andere Träger nachdenken." Denkbar seien Komplett- oder Teilprivatisierungen. Derzeit wird knapp ein Drittel der bundesweit rund 2100 Krankenhäuser von privaten Ketten betrieben, der Rest befindet sich in öffentlicher beziehungsweise freigemeinnütziger Trägerschaft.

Langfristig werde sich das Verhältnis aber klar zugunsten der Privaten entwickeln, prophezeite Viering. Außerdem werde sich die Gesamtzahl der Kliniken in Deutschland weiter verringern. Das Phänomen des Kliniksterbens, das bereits Anfang der 90er Jahre eingesetzt habe, werde in den kommenden Jahren "todsicher weitergehen", betonte der Experte.

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