Ernährung, 16.04.2009

Training gegen Kachexie

Patienten mit einer Krebserkrankung profitieren nicht nur von einer individuellen Ernährungstherapie, sondern auch von einem gezielten Ausdauer- und Krafttraining.

Von Ingeborg Bördlein

Training gegen Kachexie

Eine Krebspatientin trainiert die Bauchmuskulatur.

Foto: DKFZi

Die Zeiten, als Krebspatienten Schonung und Ruhe verordnet wurden, sind vorbei. Sport und Bewegung erhöhen die körperliche Leistungsfähigkeit und Lebensqualität der Erkrankten. Neuere Untersuchungen weisen außerdem darauf hin, dass neben dem Ausdauer- auch ein gezieltes Krafttraining zusätzliche positive Effekte hat. Es wirkt dem Muskelabbau, der Tumorkachexie und der Fatigue entgegen.

Sport hat in der Rehabilitation bei Krebserkrankungen bereits einen hohen Stellenwert. Inzwischen mehren sich die wissenschaftlichen Belege, dass angepasster Sport schon in der Behandlungsphase, also während der Chemo sinnvoll sein kann. Selbst unter aggressivsten medikamentösen Therapien und Bestrahlung mit anschließender Stammzelltransplantation bei Leukämiepatienten konnte ein Bewegungstraining mit Erfolg durchgeführt werden, wie der Berliner Sportmediziner Fernando Dimeo von der Charité gezeigt hat.

Die Patienten haben liegend ein Fahrradergometertraining im Klinikbett absolviert. Sie konnten trotz einschneidender Therapie ihre Muskelkraft erhalten und ihre Lebensqualität steigern. Das Training führte nicht nur zu besserer körperlicher Fitness und weniger psychischem Stress, sagt Dimeo, sondern es reduzierten sich auch behandlungsbedingte Beschwerden während einer Chemo- und Strahlentherapie wie Übelkeit, Erschöpfung, Schlafstörungen und Schmerz.

Krafttraining gegen Muskelschwund

Wie wirkt sich ein Krafttraining auf Brustkrebspatientinnen aus? Dieser Frage sind Wissenschaftler am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg und der Deutschen Sporthochschule in Köln in Zusammenarbeit mit der Uni-Frauenklinik in einer Pilotstudie nachgegangen. Nach eingehender sportmedizinischer Untersuchung hatten sie begleitend zur Chemotherapie über drei Monate zweimal wöchentlich je eine Stunde ein gerätegestütztes Ganzkörpertraining absolviert. Dies bewirkte, dass sie ihr Kraftniveau auch im Arm an der operierten Seite halten konnten.

Die Wirkung eines gezielten Krafttrainings bei Krebspatienten mit einer Tumorkachexie untersuchten die Wissenschaftler des DKFZ gemeinsam mit Kollegen der Chirurgischen Universitätsklinik Heidelberg. Bei etwa der Hälfte der Patienten mit Pankreaskrebs führe letztlich die Tumorkachexie zum Tode, sagt Studienleiter Dr. Holger Krakowski-Roosen vom DKFZ der "ernährung". Charakteristisch für den Prozess der Auszehrung sei ein Muskelschwund aufgrund einer "Nettoproteolyse", der durch eine Ernährungssubstitution nicht hinreichend aufgefangen werden könne. In die Pilotstudie wurden kachektische Krebspatienten mit unterschiedlichen Tumorarten aufgenommen. Über acht Wochen wurde vor allem die Oberschenkelmuskulatur mit einer Kombination aus isometrischen und isokinetischen Muskelkontraktionen trainiert. Die Teilnehmer hatten nicht nur signifikant - um vier Prozent - an Gewicht zugelegt, sondern die Muskelkraft der kachektischen Patienten konnte um bis zu einem Fünftel gesteigert werden, so der Sportwissenschaftler.

STICHWORT

Sporttherapie bei Krebs

Kraft- und Ausdauertraining ergänzen sich bei der Sporttherapie für Krebspatienten. Während das Ausdauertraining den Stoffwechsel, die Gefäßneubildung und den Sauerstofftransport im Muskel verbessert, regt Krafttraining gezielt den Aufbau von Muskelmasse an und wirkt damit dem Abbauprozess und Gewichtsverlust entgegen. Eine eingehende sportmedizinische Eingangsuntersuchung ist ebenso geboten wie eine individuelle und engmaschige Überwachung in Abhängigkeit vom Krankheitsstadium während der Trainingsphase. (bd)

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