Ärzte Zeitung online, 22.05.2019

Digitalisierung

Auf Innovationssuche im Reich der Mitte

Beim 12. China-Symposium diskutieren Experten über digitale Medizin in Deutschland und China.

Von Christoph Barkewitz

BERLIN. Der Gesandte der Volksrepublik kokettiert mit einer Mischung aus Bescheidenheit und Selbstbewusstsein: Er habe kürzlich von Bundeskanzlerin Angela Merkel gehört, sie suche Innovationsimpulse in China, berichtet Botschaftsrat Yin Jun auf dem 12. China-Symposium der Deutsch-Chinesischen Gesellschaft für Medizin (DCGM) beim Hauptstadtkongress 2019 in Berlin.

„Sind wir wirklich schon so stark?“, fragt er freundlich lächelnd – um direkt nachzuschieben: „Offenbar schon!“

Ein Eindruck, den Bundesärztekammer-Präsident Professor Frank-Ulrich Montgomery, seit Kurzem auch Vorsitzender des Weltärztebundes, unterstreicht. Die DCGM sei 1984 geschaffen worden, um deutsche Medizin und Technik nach China zu bringen, „heute stellen wir mit Erstaunen fest, dass die Technik zu uns zurückkommt – und zwar mit atemberaubender Geschwindigkeit“.

Dies betrifft vor allem die „Digitalisierung der Medizin“, wie auch das Motto des Symposiums lautete. „Die Internetmedizin ist keine Zukunftsvision mehr, sondern Realität“, stellte Professor Xu Jongjian vom Tongji Hospital in der Stadt Wuhan fest. Die Denke reicht schon weiter: Wie lässt sich die Digitalisierung in Künstliche Intelligenz (KI) umwandeln?

KI bietet immer mehr Unterstützung

Die KI werde zwar ärztliche Intuition nie ersetzen, biete aber immer mehr Unterstützung, glaubt Xu Jongjian und nennt Thorax-Bildgebung als Beispiel. Hier brauche der Mensch im Vergleich zu einem Algorithmus viel länger, um alle Aufnahmen zu sichten. Professor Friedrich Köhler, Leiter des Zentrums für kardiovaskuläre Telemedizin an der Berliner Charité, berichtete über das Modell der telematischen Betreuung von Herzkreislauf-Patienten.

Neben dem mitfühlenden Arzt und dem wissenden Patienten käme mit dem Telemonitoring eine dritte Komponente ins Spiel. Die Lücke zwischen „gesund fühlen“ und „gesund sein“ zu finden, sei Aufgabe der Telemedizin.

Dass die neue Datenschutz-Grundverordnung die Arbeit nicht erleichtert, ließ Köhler dabei auch anklingen. Ein Thema, dass Montgomery bei seinem Blick auf das von den Chinesen vorgelegte Tempo auch schon mit süffisantem Unterton erwähnte: „Ob die eine Datenschutz-Grundverordnung haben?“

Im internationalen Vergleich habe Deutschland bezüglich der Potenziale der Digitalisierung im Gesundheitswesen erheblichen Nachholbedarf, sagt auch Professor Joachim Breuer, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung.

Die Vorteile in seinen Augen: besserer Service, bessere Diagnostik, Therapie und Versorgung. Für seine BG-Kliniken gibt er in Sachen Digitalisierung eine klare Vorgabe: „Wir wollen die Nummer 1 in Deutschland sein – und müssen sie sein.“

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Doping nicht nur im Spitzensport

Bei Doping denken viele an gefallene Stars. Aber der Sport ist ein Abbild der Gesellschaft. Auch viele Breitensportler greifen zu unerlaubten Mitteln. mehr »

Warten auf den Arzt

Wie lange die Wartezeit in einer Arztpraxis beträgt, hängt nicht nur mit dem Fachgebiet des Arztes zusammen, sondern auch mit der Versicherung und dem Standort, so eine Patientenbefragung. Wer wartet wo wie lange? mehr »

Vorstufe für Bundespflegekammer

Die Pflegekräfte wollen mehr Einfluss – nun haben sie die Vorstufe für eine Bundespflegekammer gegründet. Sie wollen damit ihre Position gegenüber Ärzten stärken. mehr »