Direkt zum Inhaltsbereich

Röntgenbefunde

Radiologen stechen Künstliche Intelligenz aus

Wer kann Röntgenbilder des Brustkorbs besser befunden: Radiologen oder ein Computerprogramm? Ein US-Studie zeigt auf: Die Erfahrungen von Ärzte lassen sich durch Künstliche Intelligenz nicht ersetzen.

Peter LeinerVon Peter Leiner Veröffentlicht:
Bei der Interpretation eines Röntgenbildes ist der Radiologe dem Computerprogramm immer noch überlegen.

Bei der Interpretation eines Röntgenbildes ist der Radiologe dem Computerprogramm immer noch überlegen.

© Minerva Studio / Fotolia

BOSTON. Das Potenzial der Künstlichen Intelligenz bei der Befundinterpretation haben US-Radiologen in Zusammenarbeit mit indischen und thailändischen Kollegen ausgelotet.

Dabei griffen sie auf Röntgenaufnahmen des Thorax zurück, die im vergangenen Jahr durch die US-Nationalen Gesundheitsinstitute für die Forschung freigegeben worden waren.

In ihrer Studie haben die Forscher um Dr. Ramandeep Singh vom Massachusetts General Hospital in Boston die Leistungsfähigkeit eines Computerprogramms des 2016 gegründeten indischen Unternehmens Qure.ai aus Mumbai getestet.

Grundlage für ihre Studie waren insgesamt 874 Aufnahmen des Thorax von 724 Patienten. Zur Entwicklung des Algorithmus wurden mehr als 1,1 Millionen Röntgenaufnahmen genutzt (PLoS ONE 13: e0204155).

In der Studie konzentrierten sich die Wissenschaftler ausschließlich auf den Nachweis von pulmonalen Verschattungen, Pleuraergüssen, vergrößerten Herzschatten sowie eines prominenten Lungenhilus. Die Beurteilungen von zwei erfahrenen Radiologen wurden als Referenzstandard festgelegt.

Zugleich standen vier Ärzte als Test-Radiologen zur Verfügung, denen die Ergebnisse des Computerprogramms nicht bekannt waren. Wie die Wissenschaftler berichten, war das Computerprogramm insgesamt betrachtet besser oder ähnlich gut im Beurteilen von Röntgenbefunden wie die Testradiologen – je nach Erfahrung der Ärzte.

Die Genauigkeit beim Erkennen von vergrößerten Herzschatten, Pleuraerguss und pulmonalen Verschattungen war ähnlich der der Radiologen.

Computerprogramm offenbar Schwächen

Am besten erkannten sowohl Computerprogramm als auch Radiologen eine vergrößerte Herzsilhouette als Zeichen für eine Kardiomegalie. Dagegen war das Computerprogramm bei der Erkennung eines prominenten Hilus besser.

Das Computerprogramm hatte aber auch seine Probleme. So konnten implantierte Portkatheter und Generatoren für Schrittmacher oder Defibrillatoren in einigen Fällen nicht richtig zugeordnet werden.

Ein solches Programm ließe sich zumindest nutzen, um die Genauigkeit eines Befunds durch einen Radiologen zu verbessern.

Dr. Ramandeep Singh und Kollegen, Massachusetts General Hospital Boston

Sie wurden vom Programm falsch positiv in 15 Prozent der Röntgenaufnahmen (17/113) als pulmonale Verschattungen interpretiert.

Ähnliches traf auf Thoraxdrainagen und EKG-Elektroden zu. Zwar schnitt das Computerprogramm deutlich besser als die vier Testradiologen ab, als es darum ging, bei 150 Thoraxaufnahmen Veränderungen in jeweils einer zweiten Aufnahme zu erkennen. Allerdings war die Genauigkeit des Programms im Vergleich zum Referenzstandard am geringsten.

Aufgrund dieser Differenz sei es möglicherweise sinnvoller, statt des in der Studie definierten Referenzstandards CT-Thoraxaufnahmen als Maßstab zu verwenden, berichten Singh und seine Kollegen.

Daher sei das Studienergebnis mit Vorsicht zu interpretieren. Dennoch ließe sich ein solches Programm zumindest dazu nutzen, die Genauigkeit eines Befunds durch einen Radiologen zu verbessern.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Alexa der Radiologen

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Komplexe Gemengelage

COVID-Prophylaxe 2.0: Das gilt bei der Abrechnung

Das könnte Sie auch interessieren
Welche Rolle spielt Zink?

© Tondone | AdobeStock

Immunsystem unterstützen:

Welche Rolle spielt Zink?

Anzeige | Wörwag Pharma GmbH & Co. KG
Impf- und Zinkstatus im Blick

© Wörwag Pharma | KI-generiert

Bei Risikogruppen:

Impf- und Zinkstatus im Blick

Anzeige | Wörwag Pharma GmbH & Co. KG
Wann die Zinkversorgung knapp werden könnte

© artemidovna | AdobeStock

Ernährungsfallen:

Wann die Zinkversorgung knapp werden könnte

Anzeige | Wörwag Pharma GmbH & Co. KG
Der Gesundheitsdialog

© Janssen-Cilag GmbH

J&J Open House

Der Gesundheitsdialog

Kooperation | In Kooperation mit: Johnson & Johnson Innovative Medicine (Janssen-Cilag GmbH)
Impulse für den medizinischen Fortschritt: Welches Mindset braucht Deutschland?

© Springer Medizin

Johnson & Johnson Open House-Veranstaltung am 26. Juni 2025 beim Hauptstadtkongress

Impulse für den medizinischen Fortschritt: Welches Mindset braucht Deutschland?

Kooperation | In Kooperation mit: Johnson & Johnson Innovative Medicine (Janssen-Cilag GmbH)
J&J Open House beim Hauptstadtkongress

© [M] Springer Medizin Verlag

Video zur Veranstaltung

J&J Open House beim Hauptstadtkongress

Kooperation | In Kooperation mit: Johnson & Johnson Innovative Medicine (Janssen-Cilag GmbH)
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
ATTR-CM-Therapien im Wandel: Die Rolle von Acoramidis

© CLIPAREA.com / stock.adobe.com

Transthyretin-Amyloidose mit Kardiomyopathie

ATTR-CM-Therapien im Wandel: Die Rolle von Acoramidis

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Bayer Vital GmbH, Leverkusen
Abb. 1: Die kardiorenalmetabolische Organachse: ganzheitliche Versorgung durch interdisziplinäre Zusammenarbeit (Quelle: Michalopoulou E et al., J Clin Med 2025, 14:428)

© Springer Medizin Verlag

Biomarker gegen Diabetes-Folgen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Roche Diagnostics Deutschland GmbH, Mannheim
Rheumatoide Arthritis – auch auf die Lunge achten

© Springer Medizin Verlag

Rheumatoide Arthritis – auch auf die Lunge achten

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: medac GmbH, Wedel
Vorteile des Logins

Mit unserem kostenloses Login erhalten Ärztinnen und Ärzte, Medizinstudierende sowie Fachkräfte im Gesundheitswesen vollen Zugriff auf unsere medizinischen und praxisrelevanten Inhalte.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Prognose meist günstig

Schulterschmerzen in der Hausarztpraxis: Aufklären statt röntgen!

„ÄrzteTag“-Podcast

Die Impfsaison startet: Wie gehen Sie vor, Dr. Fleischhauer?

Lesetipps
Dreidimensionale medizinische Illustration des Varicella-Zoster-Virus, einem Virus das Windpocken, Hautblasen, Nesselsucht, Wunden und Gürtelrose verursacht.

© Corona Borealis / stock.adobe.com

Atypische Symptome

Kasuistik: Periphere Fazialisparese mit erstaunlicher Ursache

 Nebenniereninsuffizienz

© Sebastian Kaulitzki / stock.adobe.com

Therapie mit Glukokortikoiden

Was beim Absetzen von Steroiden zu beachten ist