Ärzte Zeitung online, 17.04.2018

Lesetipp

Krank durch Brot?

Krank durch Brot?

© SpringerMedizin

Im neu erschienenen und beim Internistenkongress vorgestellten "Springer"-Buch "Tägliches Brot: Krank durch Weizen, Gluten und ATI" räumt der Wissenschaftler und Arzt Professor Detlef Schuppan mit Pseudobehauptungen rund um Weizenunverträglichkeiten auf.

Ausführlich erklären der Autor und seine Koautorin Dr. Kristin Gisbert-Schuppan, welche Folgen der Konsum von Getreideprodukten für Betroffene hat.

Von Grundlagenforschung auf molekularer und zellulärer Ebene bis zum klinischen Erscheinungsbild werden weizenbedingte Erkrankungen erklärt und anhand konkreter Patientenbeispiele verdeutlicht. Neben einer ausführlichen Darstellung von Zöliakie und klassischer Weizenallergie stellen die Autoren zwei neue Krankheitsbilder vor: die ATI-Sensitivität und die atypische Weizenallergie.

Wer Weizen aus unterschiedlichen Gründen nicht verträgt, hat oft eine lange Odyssee an Arztbesuchen hinter sich. Denn sobald sich keine Zöliakie oder eine klassische Weizenallergie hinter den Symptomen verstecken, werden Betroffene häufig als eingebildete Kranke abgetan.

Wissenschaftlich fundiertes Fachbuch

Auf der Grundlage eigener Forschungsarbeiten und klinischer Erfahrung mit Patienten schaffen der Arzt und Wissenschaftler und seine Koautorin einen Überblick über getreidebedingte Erkrankungen und ihre Ursachen. Einen Schwerpunkt bilden die Wechselwirkungen zwischen dem Darm-Immunsystem und einzelnen Bestandteilen des Weizens, die zu den beschriebenen Krankheitsbildern führen.

Im Mittelpunkt steht dabei die durch den Autor entdeckte ATI-Sensitivität, die nachgewiesenermaßen Autoimmunkrankheiten wie Rheuma und MS oder Stoffwechselstörungen und Typ 2 Diabetes verstärkt sowie generelle Symptome im Zusammenhang mit Weizen hervorrufen kann, wie chronische Erschöpfung, Muskel- und Gelenkbeschwerden.

Die atypische Weizenallergie kann dagegen in vielen Fällen eine Reizdarmsymptomatik erklären und damit auch wirkungsvoll zu behandeln helfen.

In der bisherigen Kontroverse über Brot, Weizen und Gluten versachlicht das Buch die Diskussion. Jenseits von Hysterie und Modewellen zeigt es auf, wie sich das tägliche Brot medizinisch auswirken kann und welche Maßnahmen eine Vielzahl zuvor unerklärter Symptomen und Krankheiten verbessern können.

Das Buch ist das erste wissenschaftlich fundierte Fachbuch zu diesem Themenkreis und wendet sich ausdrücklich an Ärzte und medizinisches Fachpersonal ebenso wie an Laien und interessierte Betroffene.

Professor Dr. med. Dr. rer. nat. Detlef Schuppan ist Biochemiker, Immunologe und Facharzt für Gastroenterologie und Hepatologe, Professor in Harvard und derzeit an der Universitätsmedizin Mainz. Er gilt mit seiner Forschung über weizen- und ernährungsbedingte Erkrankungen international als führend.

Dr. Kristin Gisbert-Schuppan ist Diplom-Psychologin und Autorin und hat das Buch mit ihrem Mann gemeinsam konzipiert und geschrieben.(eb)

Detlef Schuppan, Kristin Gisbert- Schuppan: Tägliches Brot: Krank durch Weizen, Gluten und ATI, 2018, 145 S., 32 Abb. Softcover € 29,99 (D) | € 30,83 (A) | sFr 31,00 (CH)

ISBN 978-3-662-56043-3, auch als eBook verfügbar

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Beginnt die MS im Dünndarm?

Im Dünndarm werden wohl "Schläfer-T-Zellen" aktiviert, die eine MS triggern. Jetzt sind Forscher auf der Suche nach dem Auslöser – und haben Keime im Verdacht. mehr »

Wie die Neurologie von der Flüchtlingskrise profitiert

Migranten sind für Europa eine Herausforderung, doch sie bringen auch neue Erkenntnisse: Mediziner können durch Zuwanderer erforschen, wie Gene und Umwelt mit neurologischen Krankheiten zusammenhängen. mehr »

Hausbesuche bringen wohl mehr Honorar

Beim GKV-Spitzenverband gilt als ausgemacht, dass die Ärzte für eine Ausweitung der Mindestsprechzeiten nur sparsam honoriert werden sollen. Das Honorarsystem soll keine Gelddruckmaschine für Ärzte sein. Eine Ausnahme könnte es geben: Hausbesuche. mehr »