Ärzte Zeitung, 25.03.2008
 

Berlin führt Allgemeinmedizin als eigenen Weiterbildungsgang ein

Senat genehmigt neue Weiterbildungsordnung / "Klare Perspektiven für Hausärzte"

BERLIN (ami). Die Weiterbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin ist in Berlin wieder ein komplett eigener Weiterbildungsgang. Diesen vom Ärztetagsbeschluss abweichenden Weg geht derzeit nur die Hauptstadt.

Die Senatsgesundheitsverwaltung hat die neue Weiterbildungsordnung nun doch genehmigt. Das teilte die Berliner Kammer mit. Zunächst hatte die Aufsichtsbehörde Bedenken geäußert, den Beschluss der Kammerdelegierten zur Wiedereinführung der Allgemeinmedizin als eigene Säule in der Weiterbildungsordnung zu genehmigen (wir berichteten). Nach Angaben der Berliner Kammer hatte die Bundesärztekammer die Berliner Behörde auf negative Folgen für die Anerkennung auf europäischer Ebene hingewiesen.

Der Berliner Kammerpräsident Dr. Günther Jonitz begrüßte die nun erfolgte Genehmigung der Senatsverwaltung. "Wir schaffen damit klare Perspektiven für angehende Hausärzte", so Jonitz. Er verwahrte sich dagegen, dass Grabenkämpfe zwischen Hausärzten und Internisten in der Weiterbildungsordnung ausgetragen würden. "Verteilungskämpfe lassen sich nicht mit Hilfe der Weiterbildungsordnung lösen", so Jonitz.

Kammergeschäftsführer Dr. Gerhard Andersen wies darauf hin, dass die Berliner Lösung europarechtlich konform sei, da der Facharzt für Allgemeinmedizin bereits in Brüssel notifiziert ist. Der Ärztetag hat jedoch zuletzt beschlossen, dass für die einheitliche Notifizierung in Brüssel der "Facharzt für Innere und Allgemeinmedizin" vorgesehen wird. Diese Pläne hat Berlin mit seinem Beschluss nun vorerst durchkreuzt. Andersen kritisiert auch, dass die europarechtskonforme Umsetzung beim Beschluss des Ärztetags 2002 in Rostock nicht ausreichend berücksichtigt worden sei.

Der letzte Beschluss des Ärztetags zur Musterweiterbildungsordnung und zur gemeinsamen "Grundausbildung" von Fachärzten für Innere und Allgemeinmedizin ist mittlerweile in elf Kammern einheitlich umgesetzt. Außer Berlin weicht bislang auch Baden-Württemberg von der Beschlussfassung ab. In einigen Kammern stehen die Beschlüsse noch aus.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Ebola-Überlebende auch 40 Jahre später noch immun

Eine Forscherin machte sich auf die Suche nach den Überlebenden des ersten Ebola-Ausbruchs – und verspricht sich davon wichtige Erkenntnisse. mehr »

Inhalatives Steroid bei Kindern – Keine falsche Zurückhaltung!

Die Angst vor Frakturen sollte bei asthmakranken Kindern kein Grund gegen die Kortisoninhalation sein. Zurückhaltung könnte sogar den gegenteiligen Effekt haben. mehr »

Ibuprofen plus Paracetamol so effektiv wie Opioide

Es müssen keine Opioide sein: OTC-Analgetika wirken bei Schmerzen in den Gliedmaßen ähnlich gut wie Opioide, so eine US-Studie. mehr »