Ärzte Zeitung, 28.10.2005

Anonyme Lebendspenden haben sich bewährt

Niederländisches Programm zur anonymen Lebendorganspende könnte Vorbild für andere Länder werden

GENF (nsi). In den Niederlanden ist 2004 ein Programm zur anonymen Lebendorganspende aufgelegt worden, das sich nach Ansicht der Beteiligten bewährt hat. Es könnte daher Vorbildcharakter für andere Länder bekommen. Eine erste Analyse der Ergebnisse dieses Programms ist vor kurzem beim Jahreskongreß der European Society for Organ Transplantation in Genf vorgestellt worden.

Nierentransplantation in der Klinik für Urologie der Universität in Jena: In Deutschland hoffen mehr als 9000 Menschen auf eine neue Niere. Foto: dpa

Das niederländische Modell richtet sich an Patienten mit terminaler Niereninsuffizienz, die zwar einen potentiellen Lebendspender haben, jedoch aufgrund einer positiven Kreuzprobe - sie haben also bereits Antikörper im Blut - oder Blutgruppenunverträglichkeit das Organ der spendebereiten Person nicht erhalten können.

In diesem Fall sucht die niederländische Transplantations-Stiftung (NTS) unter Patienten, die sich in derselben Lage befinden, nach einem zumindest blutgruppenverträglichen, möglichst aber blutgruppenidentischen, passenden Empfänger, berichtete Dr. Karin M. Keizer von der NTS in Leiden.

Von 74 Spender-Empfängerpaaren, deren Daten innerhalb von eineinviertel Jahren ausgewertet worden sind, haben 33 Paare untereinander Nieren ausgetauscht. "Der potentielle Empfänger, der die geringste Chance hat, ein Organ zu finden, hat oberste Priorität für die Vermittlung", sagte Keizer.

Das Prinzip beim Management der Transplantationen: Der Spender reist, der Empfänger wird in dem ihn betreuenden Zentrum operiert. Gibt es unerwartete Komplikationen, so daß eine Niere nicht verpflanzt werden kann, kommt der Nierenkranke mit hoher Dringlichkeit auf die Warteliste für ein Organ eines toten Spenders.

Spender und Empfänger kennen sich im allgemeinen nicht. "Das niederländische Gesetz verlangt keine persönliche Beziehung", sagte Professor Rutger Ploeg von der Universitätsklinik Groningen im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung". "Wir versuchen aber auch nicht, einen Kontakt zwischen den Spender-Empfängerpaaren zu verhindern."

In kurzer Zeit habe sich das Programm zu einer wertvollen Ergänzung der Organlebendspende in den Niederlanden entwickelt, hieß es bei dem Kongreß in Genf. Bislang sei es ein nationales Programm, Kooperationen mit Nachbarländern, deren Gesetzgebung eine anonyme Überkreuz- oder Cross-over-Spende zuließen, seien denkbar und erwünscht, sagte Ploeg.

Deutschland dürfte dafür allerdings vorerst nicht in Frage kommen. Für die Lebendorganspende verbietet das deutsche Transplantationsgesetz den Organtausch zwischen Personen, die sich zum Zeitpunkt der Operation nicht persönlich nahestehen. In Deutschland haben aber vor kurzem, wie berichtet, die ersten Cross-over-Transplantationen zwischen Paaren stattgefunden, die sich zum Zweck des Organtauschs kennengelernt haben.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

"Telemedizin ist für uns Landärzte die Zukunft"

Geringes Honorar, hoher Aufwand und auf bestimmte Diagnosen begrenzt – trotzdem setzen einige Ärzte auf die Videosprechstunde. Und das aus vielerlei Gründen. mehr »

Kein Darmkrebs-Screening ab 45 Jahren

Der GBA lehnt die Senkung der Altersgrenzen beim Darmkrebs-Screening ab. Dagegen soll das organisierte Einladungsverfahren zur Früherkennung ab Juli 2019 starten. mehr »

Was 100-Jährige von anderen unterscheidet

100-Jährige sind oft weniger krank als die Jüngeren. Worauf es ankommt, haben Forscher anhand von Daten von AOK-Versicherten herausgefunden. mehr »