Ärzte Zeitung online, 20.12.2018

Kommentar

Süße Industrie-Bescherung

Von Wolfgang  van den Bergh

vdb

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Bundesernährungsministerin Julia Klöckner bleibt ihrer Linie treu: sich nur nicht mit der Lebensmittelindustrie anlegen. Bereits vor mehreren Wochen hatte die Ministerin mit Vertretern der Industrie eine Grundsatzvereinbarung für Fertigprodukte unterzeichnet, am Mittwoch hat ihre „Nationale Reduktionsstrategie“ vom Bundeskabinett grünes Licht bekommen.

Hauptziel: die Reduktion von Zucker, Fetten und Salz in Fertigprodukten. So soll der Zuckergehalt etwa für Softdrinks bis 2025 um 15, in Kinder-Frühstücksriegeln sogar um 20 Prozent reduziert werden. Und zieht die Industrie nun mit? Einerseits will sie sich bei den angestrebten Zielen überprüfen lassen, andererseits beharrt sie auf die Freiwilligkeit. Was heißt das konkret?

Die Ministerin bleibt hier unklar, spricht von einem Begleitgremium, das die Schritte überprüfen soll. Die erste Erfolgsüberprüfung ist auf den Herbst 2019 terminiert. Umweltverbände trauen dem Braten nicht und prognostizieren, dass die Strategie floppen werde. Damit könnten sie recht behalten, wenn man sich die unendliche Geschichte um eine Zuckersteuer in Erinnerung ruft.

Sollte sich hier nicht auch das Gesundheitsressort langsam zu Wort melden – mit dem dezenten Hinweis auf eine nationale Strategie zur Bekämpfung des Diabetes?

Lesen Sie dazu auch:
Zucker-Debatte: Lebensmittelindustrie – Partner oder Buhmann?

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[20.12.2018, 21:42:30]
Dr. Horst Grünwoldt 
Süßes
Die Verteufelung des Rüben- und Rohrzuckers sollte nicht Gegenstand einer Gesundheitspolitik sein.
Vielmehr kommt es beim Konsum der Disaccharide darauf an, wann und bei welcher Gelegenheit sie im Tagesablauf konsumiert werden.
Weil am Vormittag die meisten Menschen, insbesondere unsere kleinen Schulgänger, einen erheblichen Energiebedarf -vor allem das Gehirn- hat, sollte bei Bedarf (körperlicher oder geistiger Betätigung) auch zum Süßen gegriffen werden können.
Da der menschliche Organismus kein bloßes Kraftwerk ist, sondern einen katabolen Stoffwechsel in allen aktiven Organsystemen hat, muß das Wachstum resp. die Restitution der Zellen und Gewebe durch ausgewogene Mahlzeiten gesichert werden.
Und dass sollte wohl wenigstens das Pausenbrot oder Lunchpaket, und ein warmes Gericht in der substanziellen Zusammensetzung von etwa 1/3 Kohlenhydrate (Brot, Pasta, Reis o. Kartoffeln), ca. 1/3 tierisches Eiweiß (Fisch o. Fleisch) und mindestensd 1/3 Obst o. Gemüse für den Omnivoren oder Gemischtkostesser homo sapiens im anabolen oder regenerativen Zustand sein. Wegen der unterschiedlichen Sättigung und Verdaulichkeit der einzelnen Bestandteile wird im übrigen garantiert. dass der Gemischtkostesser nicht in einen glykämischen Schockzustand gelangt und den sensiblen Pankreas überstrapaziert.
Wer einen Fernsehabend lang immer noch die Salzfracht über Cräckers aller Art zu sich nimmt, dem ist eigentlich gar nicht mit Ernährungsberatung zu helfen. Nicht nur wegen Kariesgefahr verbietet sich der süße "Betthupferl" sowieso.
Nun, wenn alles so einfach ist, wer braucht jetzt noch einen Ökotrophologen zur gesunden Ernährung? Vielleicht genügt manchmal auch nur ein Blick auf unsere Nachbarn und in deren Einkaufskorb.
Dr. med. vet. Horst Grünwoldt, Rostock
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