Ärzte Zeitung, 04.05.2005

Mit Polyvinyl-Kügelchen werden Uterusmyome ausgehungert

Deutscher Röntgenkongreß beginnt heute in Berlin / Bildgebende Verfahren gewinnen für die Früherkennung von Krankheiten an Bedeutung

BERLIN (dpa). Gutartige Tumore der Gebärmutter können mit gutem Erfolg durch einen schonenden Eingriff ausgehungert werden. Ergebnisse mehrerer Langzeitstudien dazu stellen Radiologen auf dem 86. Deutschen Röntgenkongreß in Berlin vor, der heute beginnt.

Damit stehe vielen Frauen eine schonende und sichere Alternative zur Hormonbehandlung oder Operation zur Verfügung, betonten die Experten. 20 bis 40 Prozent aller Frauen über 30 haben Uterus-Myome, die zum Teil zu starken Schmerzen und Blutungen führen.

Bei Frauen, deren Geschwülste intramural im Uterus-Korpus sitzen, könne die Myom-Embolisation am besten angewandt werden, hieß es. "Die Embolisation ist bei 10 bis 15 Prozent der Myom-Patientinnen eine sinnvolle therapeutische Option", sagte Professor Götz Richter vom Universitätsklinikum Heidelberg.

Bei dem Verfahren werden Katheter durch die Leistenarterien eingeführt und unter Röntgenkontrolle Polyvinyl-Kügelchen in die Blutversorgung des Uterus gespritzt: Dadurch wird die Sauerstoff- und Nährstoffversorgung der Tumore gedrosselt, sie schrumpfen.

Auch beim Verschluß von veränderten oder fehlgebildeten Blutgefäßen im Gehirn, bei denen Hirnblutungen drohen, setzen sich minimal-invasive Therapiekonzepte der Radiologen durch. Ein bekanntes Beispiel ist der Fall des PDS-Politikers Gregor Gysi, der Anfang 2005 mit einem Aneurysma in der Charité in Berlin behandelt wurde.

Dort werden diese Aneurysmen durch einen von der Leiste aus eingeschobenen Mikro-Katheter mit winzigen Coils (Platinspiralen) verschlossen. "Wir behandeln mit diesen Verfahren etwa 100 Patienten im Jahr, operiert wird nur noch in Ausnahmefällen", sagte Andreas Schilling, Oberarzt der Neuroradiologie am Campus Benjamin Franklin.

Außer diesen Therapie-Verfahren sind Früherkennung und Vorsorge wichtige Gebiete, wo bildgebende Techniken in Zukunft zunehmend wichtig werden.

"Demnächst wird die Bildgebung zunehmend dafür eingesetzt werden, um zu untersuchen, ob Patienten möglicherweise eine noch verborgene Krankheit haben", sagte Professor Bernd Hamm, der Präsident der Deutschen Röntgengesellschaft. Beispiele dafür seien die Thorax-Durchleuchtung bei Reihenuntersuchungen sowie die virtuelle Endoskopie des Dickdarms. Mit dieser Methode suchen Radiologen ja nach Polypen, aus denen sich ein Karzinom entwickeln kann.

Informationen zum 86. Deutschen Röntgenkongreß gibt es im Web unter: www.roentgenkongress.de

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