MRT macht viele fetale Strukturen erst sichtbar

Lange Zeit war die Sonographie die optimale Methode, um die fetale Entwicklung zu beobachten und mögliche Fehlentwicklungen zu erkennen. Besonders wenn im Ultraschall eine Mißbildung vermutet wird, kann die Magnetresonanz-Tomographie (MRT) eine enorme Bereicherung der Diagnostik darstellen. Bei vielen Fragen ist sie der Sonographie sogar überlegen.

Von Alexander Lindemeier Veröffentlicht:

Zunächst kam die MRT meist dann zum Einsatz, wenn die Ultraschalldiagnostik beeinträchtigt war, etwa weil es zu wenig Fruchtwasser gab, Feten ungünstig lagen, oder wegen Fettleibigkeit der Schwangeren.

An der Universitätsklinik Wien werden etwa 50 Prozent aller MRT bei Schwangeren für eine genauere Prognose von Fehlentwicklungen des Zentralnervensystems wie Spina bifida oder Liquorabfluß-Störungen gemacht. Technisch ist heute sehr viel mehr möglich.

Hochgeschwindigkeits-Sequenzen ermöglichen eine störungsfreie Bildgebung nahezu aller Organe von Feten: Gesicht, Hals, Thorax, Abdominalorgane. Aber auch Gewebe wie die Plazenta können zuverlässig dargestellt werden. Voraussetzung sind fundiertes Wissen und Erfahrung.

Das betont Professor Daniela Prayer von der Universitäts-Klinik für Radiodiagnostik am AKH Wien, wo MRT-Untersuchungen in enger Zusammenarbeit mit der Abteilung für pränatale Diagnostik seit 1998 gemacht werden.

Richtig angewandt, können die diagnostischen Möglichkeiten der MRT durch computerunterstützte Nachbearbeitung, etwa als 3D-Rekonstruktion, weiter gesteigert werden. So kann zum Beispiel ein Mekonium-Ileus intrauterin erkannt und die Lokalisation der Stenose dreidimensional dargestellt werden.

Der im Vergleich zu älteren Systemen heute oft extrem rasche Aufbau der Schnittbilder erlaubt auch die Darstellung von bewegten Abläufen. Wenn ein Fetus mit einer Stenose im Ösophagus Probleme beim Schlucken von Fruchtwasser hat, kann das erkannt werden. Ebenso kann der Ablauf der Darmperistaltik untersucht werden. Für operative Eingriffe nach der Geburt können so rechtzeitig Vorbereitungen getroffen werden.

Manche fetalen Strukturen können derzeit überhaupt nur im MRT dargestellt werden: Defekte der Sehnervenkreuzung oder der Bulbi olfactorii würden ohne MRT unerkannt bleiben. Auch Nierengewebe hat ganz spezifische Signaleigenschaften und kann hervorragend dargestellt werden. So ist auch die Erkennung ektoper oder überzähliger Nieren schon beim Fetus möglich.

"Auch wenn bei der MRT keine Strahlung im Spiel ist, sollten zwei mögliche Risiken nicht außer acht gelassen werden: Erstens kann es im Tomographen zu einer Erwärmung von Mutter und Fetus kommen. Zum zweiten bedeutet die Untersuchung eventuell Streß für die Mutter und das ungeborene Kind.

Es ist nicht auszuschließen, daß der Fetus Vibrationen oder Lärm ausgesetzt wird." Darauf weist Dr. Penny Gowland von der Uni Nottingham in Großbritannien hin. Deshalb sollte man sorgfältig abwägen, bevor eine Schwangere zum MRT zugewiesen wird. Allerdings waren nach Angaben von Gowland bei Feldstärken bis 5 Tesla (im klinischen Bereich werden derzeit nur bis 3 Tesla angewendet) weder im Tierversuch noch bei Versuchen mit unreifen menschlichen Geweben Schädigungen nachweisbar.

Der ungekürzte Artikel erschien zuerst in der österreichischen Zeitung "Ärzte Woche" am 5. Mai 2005 auf Seite 36.

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