Ärzte Zeitung, 24.01.2017
 

Bakterien

RKI warnt vor dem Verzehr nicht-erhitzter Rohmilch

RKI warnt vor dem Verzehr nicht-erhitzter Rohmilch

Rohmilch sollte vor dem Verzehr unbedingt abgekocht werden.

© picture-alliance / dpa

 

BERLIN. Im Jahr 2015 waren 384 lebensmittelbedingte Krankheitsausbrüche in Deutschland gemeldet worden, berichten das Robert Koch-Institut und das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) in einer gemeinsamen Mitteilung (Epi Bull 2017; 3: 29). Bei den gemeldeten Ausbrüchen gab es mindestens 2072 Erkrankungen und 224 Hospitalisierungen.

Todesfälle sind allerdings nicht aufgetreten. Bei 28 Krankheitsausbrüchen wurde mit hoher Evidenz ein ursächliches Lebensmittel gefunden. Bei zwölf Ausbrüchen davon wurde der Erreger Campylobacter isoliert und nicht abgekochte Rohmilch als Ursache ausgemacht. So hatten bei drei Ausbrüchen Schulklassen oder andere Gruppen Rohmilch vom Bauernhof getrunken.

Bei vier Ausbrüchen hatten die Betroffenen Rohmilch von sogenannten Milchtankstellen getrunken. Die Patienten hatten den Hinweis, dass die Rohmilch vor dem Verzehr erhitzt werden sollte, nicht beachtet. Das BVL weist hier noch einmal deutlich auf das gesundheitliche Risiko durch den Verzehr von nicht-erhitzter Rohmilch hin.

Weitere Erreger und Agenzien, die Ausbrüche mit hoher Evidenz erursacht hatten waren Histamin (etwa aus Thunfisch (18 Prozent), Salmonellen (11 Prozent), Bacillus cereus (7 Prozent) sowie Staph. aureus, Noroviren, Listeria monocytogenes, Trichinella, Clostridium perfringens und Ciguatoxin (jeweils ein Ausbruch).

Die meisten Patienten gab es bei einem Ausbruch durch Listeria monocytogenes (10 Erwachsene, 149 Kinder). Die Betroffenen dieses Gastroenteritis-Ausbruchs hatten in Einrichtungen zur Kindertagesbetreuung von einem Caterer gelieferten Milchreis gegessen, in dem der Erreger in sehr hoher Konzentration nachgewiesen worden war.

Die 2015 gemeldeten 384 lebensmittelbedingten Krankheitsausbrüche sind bei dem Problem offenbar nur die Spitze des Eisbergs; die Dunkelziffer sei wahrscheinlich um ein Vielfaches höher, betonen RKI und BVL. Sie betonen die Bedeutung von interdisziplinären Ausbruchsuntersuchungen, um die Ursachen zu erkennen und Gegenmaßnahmen ergreifen zu können. (eis)

[24.01.2017, 14:20:53]
Karlheinz Bayer 
RKI, BfR und Rohmilch, was ist gesünder?

Was Rohmilch anbetrifft, ist es eine Delikatesse.
Meine Großmutter aß auch rohe Leber, die mir persönlich roh nie geschmeckt hat. Rindertatar, nur mit einer Prise gehobelter Muskatnuß und einem rohen Eigelb angemacht, wer es mag schwört darauf, manche sogar auf den Genuß von rohen Eiern alleine, direkt aus dem Ei ausgesaugt. Und wer hat nicht schon alles rohe Austern gegessen?

Austern, Hackfleisch, Eier, Leber oder Milch würde ich sicher nur von vertrauenswürdigen Menschen annehmen, und auch dann wäre es ein gewisses Risiko, aber ein Risiko, das "zu den Delikatessen zählt".
Manche Dinge muß man eben entweder ungeschützt machen, oder lassen.

Und ist dieses Risiko nicht tragbarer als das Risiko, einen gesundheitlichen Schaden von einem zugelassenen Konservierungsstoff zu bekommen?

Lezithin, Tocopherol, Zitronensäure, Guerkern und Johannisbrot, Ascorbinsäure, Benzoesäure, Sulfite, Nitrite, Alkohol und Essig - ist dieses ganze Samelsurium unbedenklicher als rohe Milch? Kein RKI regt sich jemals darüber auf, daß dieses Chgemielabor zum Verzehr freigegeben ist.

Dem Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR)mißtraue ich seit dessen unqualifizierten Äußerungen über die Unschädlichkeit von Glyphosat sowieso. Die sollen ihre Gedichte besser nur noch exklusiv für Bayer und BASF schreiben.

 zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Progesteron-Gel kann Frühgeburt vermeiden

Sinkt der Progesteronspiegel in der Schwangerschaft zu früh, verursacht das wohl eine vorzeitige Wehentätigkeit und Geburt.Einige Frauen schützt eine vaginale Hormonapplikation davor. mehr »

Statine mit antibakterieller Wirkung

Die kardiovaskuläre Prävention mit einem Statin schützt möglicherweise auch vor Staphylococcus-aureus-Bakteriämien. Das hat eine dänische Studie ergeben. mehr »

Das steht in der neuen Hausarzt-Leitlinie Multimorbidität

Die brandneue S3-Leitlinie Multimorbidität stellt den Patienten als "großes Ganzes" in den Mittelpunkt – und gibt Ärzten eine Gesprächsanleitung an die Hand. mehr »