Ärzte Zeitung, 08.11.2004

Rehydrieren und weiter stillen: das hilft, wenn Babys Durchfall haben

Flüssigkeitsverlust sollte innerhalb von drei bis vier Stunden ausgeglichen werden

FRANKFURT/MAIN (hsr). Säuglinge mit akuter Diarrhoe, noch ohne Erbrechen und mit nur leichter bis mäßiger Dehydratation und Darmperistaltik, sollten zusätzlich zur oralen Rehydratation weiterhin gestillt und schnell wieder normal ernährt werden. Schwer dehydrierte Babys mit rezidivierender Emesis erhalten Glukose/Elektrolytlösungen zunächst intravenös.

Das empfiehlt Dr. Hans Günter Berzel gemäß den Richtlinien der Europäischen Gesellschaft für Pädiatrische Gastroenterologie und Ernährung. Der Mannheimer Kinderarzt und Allergologe hat auf einer Veranstaltung in Frankfurt am Main zur Einführung des Antidiarrhoikums Racecadotril Tips gegeben, wie sich bei Babys mit Diarrhoe der Dehydratationsgrad abschätzen läßt.

Die neue Substanz, die das Unternehmen Trommsdorff als Tiorfan® anbietet, ist als ergänzende symptomatische Behandlung für über drei Monate alte Säuglinge und Kinder mit akuter Diarrhoe zugelassen (wir berichteten).

Nach Berzels Angaben sind Säuglinge mit akuter Gastroenteritis

  • um fünf Prozent dehydriert, also nur leicht betroffen, wenn sie sich unruhig verhalten, durstig sind und schreien, wenn Tränen fließen, die Fontanelle auf Niveau ist, die Augen wenig umrändert sind, Schleimhäute und Lippen feucht sind und die Urinproduktion normal bis gering ist;
  • um zehn Prozent dehydriert, also mäßig betroffen, wenn sie im Verhalten verlangsamt sind, kaum weinen, die Fontanelle eingesunken ist, die Augen umrändert, die Schleimhäute trocken sind und bereits eine Oligurie vorliegt;
  • um 15 Prozent dehydriert, also schwer betroffen, bei Somnolenz, Apathie bis Bewußtlosigkeit, seltenem Lidschlag, stark eingesunkener Fontanelle, stehenden Hautfalten, aufgesprungenen Schleimhäuten sowie Oligurie bis Anurie.

Je nach Dehydratationsgrad gilt es nach Aussage des Pädiaters, den Flüssigkeitsverlust innerhalb von drei bis vier Stunden auszugleichen.

Zur oralen Rehydratation bieten sich nach Angaben von Berzel vor allem fertige hypo-osmolare Lösungen mit 60 mmol/l Natrium und 74 bis 111 mmol/l Glukose an, die dem Säugling erstmal löffelweise gegeben werden. Selbsthergestellte Lösungen hält der Kinderarzt hingegen nicht für geeignet.

Wichtig ist Berzel schließlich, daß Säuglinge mit Diarrhoe weiterhin gestillt und ihnen nach vier Stunden Rehydratation eine normale Diät ohne Laktoserestriktion zugefüttert wird. Die "Teepause", die Tee mit Traubenzucker anstelle von Nahrung vorsieht, sollte nach Berzels Angaben nicht länger als sechs bis acht Stunden dauern.

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