Rehydrieren und weiter stillen: das hilft, wenn Babys Durchfall haben

FRANKFURT/MAIN (hsr). Säuglinge mit akuter Diarrhoe, noch ohne Erbrechen und mit nur leichter bis mäßiger Dehydratation und Darmperistaltik, sollten zusätzlich zur oralen Rehydratation weiterhin gestillt und schnell wieder normal ernährt werden. Schwer dehydrierte Babys mit rezidivierender Emesis erhalten Glukose/Elektrolytlösungen zunächst intravenös.

Veröffentlicht:

Das empfiehlt Dr. Hans Günter Berzel gemäß den Richtlinien der Europäischen Gesellschaft für Pädiatrische Gastroenterologie und Ernährung. Der Mannheimer Kinderarzt und Allergologe hat auf einer Veranstaltung in Frankfurt am Main zur Einführung des Antidiarrhoikums Racecadotril Tips gegeben, wie sich bei Babys mit Diarrhoe der Dehydratationsgrad abschätzen läßt.

Die neue Substanz, die das Unternehmen Trommsdorff als Tiorfan® anbietet, ist als ergänzende symptomatische Behandlung für über drei Monate alte Säuglinge und Kinder mit akuter Diarrhoe zugelassen (wir berichteten).

Nach Berzels Angaben sind Säuglinge mit akuter Gastroenteritis

  • um fünf Prozent dehydriert, also nur leicht betroffen, wenn sie sich unruhig verhalten, durstig sind und schreien, wenn Tränen fließen, die Fontanelle auf Niveau ist, die Augen wenig umrändert sind, Schleimhäute und Lippen feucht sind und die Urinproduktion normal bis gering ist;
  • um zehn Prozent dehydriert, also mäßig betroffen, wenn sie im Verhalten verlangsamt sind, kaum weinen, die Fontanelle eingesunken ist, die Augen umrändert, die Schleimhäute trocken sind und bereits eine Oligurie vorliegt;
  • um 15 Prozent dehydriert, also schwer betroffen, bei Somnolenz, Apathie bis Bewußtlosigkeit, seltenem Lidschlag, stark eingesunkener Fontanelle, stehenden Hautfalten, aufgesprungenen Schleimhäuten sowie Oligurie bis Anurie.

Je nach Dehydratationsgrad gilt es nach Aussage des Pädiaters, den Flüssigkeitsverlust innerhalb von drei bis vier Stunden auszugleichen.

Zur oralen Rehydratation bieten sich nach Angaben von Berzel vor allem fertige hypo-osmolare Lösungen mit 60 mmol/l Natrium und 74 bis 111 mmol/l Glukose an, die dem Säugling erstmal löffelweise gegeben werden. Selbsthergestellte Lösungen hält der Kinderarzt hingegen nicht für geeignet.

Wichtig ist Berzel schließlich, daß Säuglinge mit Diarrhoe weiterhin gestillt und ihnen nach vier Stunden Rehydratation eine normale Diät ohne Laktoserestriktion zugefüttert wird. Die "Teepause", die Tee mit Traubenzucker anstelle von Nahrung vorsieht, sollte nach Berzels Angaben nicht länger als sechs bis acht Stunden dauern.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Beratung in der Arztpraxis

Sicher mit Kindern verreisen: So geht‘s

Sie fragen – Experten antworten

Mutter mit MS: Kind gegen MMR impfen?

Das könnte Sie auch interessieren
DMykG 2025: So dringt Bifonazol effektiv in die Nagelplatte ein

© Matt LaVigne | iStock

Neue in-vitro-Daten

DMykG 2025: So dringt Bifonazol effektiv in die Nagelplatte ein

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Bifonazol: Antimykotikum mit antientzündlicher Wirkung

© Irina Esau | Getty Images/iStockphoto

Fokus: Integrität der Haut

Bifonazol: Antimykotikum mit antientzündlicher Wirkung

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Die Bedeutung von Bifonazol in der Therapie der Tinea capitis

© Prof. Dr. med. Hans-Jürgen Tietz

Pilzinfektion Kopfhaut

Die Bedeutung von Bifonazol in der Therapie der Tinea capitis

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Für Menschen ab 60 Jahren sind die Impfungen gegen Influenza, Corona, Pneumokokken und Herpes zoster (beide nicht im Bild) Standard-Impfungen. Für Menschen ab 75 Jahren kommt die RSV-Impfung hinzu.

© angellodeco / stock.adobe.com

Respiratorisches Synzytial Virus

STIKO: Alle Menschen ab 75 gegen RSV impfen!

Blickdiagnose: klinisches Bild mit typischen Effloreszenzen bei Herpes zoster.

© Mumemories / Getty Images / iStock

Zoster-Impfung

Schutz vor Herpes zoster und Rezidiven

Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Potenzielle Schäden durch eine Influenza-Infektion an verschiedenen Organsystemen

© Springer Medizin Verlag

Impfen und Herzgesundheit

Mehr als nur Grippeschutz: Warum die Influenza-Impfung bei Menschen mit kardiovaskulären Erkrankungen so wichtig ist

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Sanofi-Aventis Deutschland GmbH, Frankfurt a. M.
Abb. 1: Rückgang der generalisierten tonisch-klonischen Anfälle unter Cannabidiol + Clobazam

© Springer Medizin Verlag , modifiziert nach [1]

Real-World-Daten aus Deutschland zum Lennox-Gastaut- und Dravet-Syndrom

Cannabidiol in der klinischen Praxis: vergleichbare Wirksamkeit bei Kindern und Erwachsenen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Jazz Pharmaceuticals Germany GmbH, München
Abb. 1: Daten zur lipidologischen Versorgung von Patientinnen und Patienten mit hohem kardiovaskulärem Risiko aus der VESALIUS-REAL-Studie

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [7]

Kardiovaskuläre Prävention

Frühe Risikoidentifikation und konsequentes Lipidmanagement

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Amgen GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Off-Label-Use möglich

Long-COVID-Therapie: So schätzt Hausarzt Maibaum den G-BA-Beschluss ein

Beratung in der Arztpraxis

Sicher mit Kindern verreisen: So geht‘s

Lesetipps
Ei Spiegelei in einer Pfanne

© Kevsan / stock.adobe.com

Gastbeitrag

Sind Eier wirklich so gefährlich für Herz und Gefäße?