Ärzte Zeitung, 21.01.2008

KOMMENTAR

Die Menschheit braucht keine Klone

Von Peter Leiner

Angeblich haben US-Forscher es geschafft, aus Hautzellen durch Klonen menschliche Embryonen zu erzeugen. Bevor die Embryonen für genetische Analysen im Alter von knapp einer Woche zerstört worden sind, hatten sie jenes Stadium erreicht, in dem bereits Zellen angelegt waren, aus denen sich ein Mensch entwickelt, und jene Zellen, die der Ernährung des Embryos dienen. Solch ein Gebilde, eine Blastozyste, bezeichnen manche als Zellhaufen, an dem bedenkenlos geforscht werden könne. Für andere steckt in ihm mindestens das Potenzial, ein Mensch zu werden, was Grund genug sei, ihn nicht zu Forschungszwecken herzustellen.

So lange geklonte Embryonen nicht ausgetragen werden, wird es nie einen Beweis dafür geben, ob sie sich zu Menschen entwickeln. Allein diese Unsicherheit sollte Grund genug sein, vom Klonen menschlicher Embryonen zu Forschungszwecken - schon gar vom Klonen zu Reproduktionszwecken - Abstand zu nehmen.

Zumal es durchaus Alternativen geben wird, an denen schon jetzt geforscht werden kann, seien es adulte Stammzellen, sei es die Möglichkeit, bereits mit wenigen Signalmolekülen die Entwicklungsuhr differenzierter Zellen, etwa aus der Haut, fast auf Null zurückzudrehen. Vor kurzem konnten daraus schon jetzt Zellen entwickelt werden, die humanen embryonalen Stammzellen sehr ähnlich sind. Die Menschheit braucht keine Klone - nicht für die Forschung und schon gar nicht für die Reproduktion.

Lesen Sie dazu auch den Hintergrund:
Eizellen gesunder Frauen und eine neue Technik brachten möglicherweise Klonerfolg

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Rätselhafter Demenz-Rückgang

Eine US-Studie deutet erneut auf eine fallende Demenz-Inzidenz, und zwar besonders in Geburtsjahrgängen ab 1925. Wisssenschaftliche Erklärungen für die Beobachtung fallen schwer. mehr »

Immuntherapie gewinnt an Stellenwert in der MS-Therapie

Die Therapieoptionen bei Multipler Sklerose (MS) haben sich erweitert. Neue Substanzen werden daher auch in die aktualisierten Leitlinien Einzug halten. mehr »

Polarisierung – Chance für das Parlament

Gesundheitspolitik in Zeiten der großen Koalition – das stand für die fehlende Konkurrenz der Ideen. Der Souverän hat die Polarisierung gewollt. Das ist eine Chance für die Demokratie. mehr »