Ärzte Zeitung online, 07.01.2019

Integrative Medizin

Homöopathie-Wende in Deutschland?

Patienten öffnen sich immer mehr für die Integration der Homöopathie in die Versorgung im Sinne einer integrativen Medizin, so der Deutsche Zentralverein homöopathischer Ärzte.

Von Matthias Wallenfels

002a1201_8116216-A.jpg

Mehr als jeder zweite Patient in Deutschland hat offenbar bereits Erfahrungen mit Globuli zur Krankheitsbehandlung gemacht.

© micha / stock.adobe.com

BERLIN. Homöopathisch tätige Ärzte sind davon überzeugt, dass die Homöopathie eine nützliche und hilfreiche Ressource im gegenwärtigen deutschen Gesundheitssystem darstellt.

„In Zeiten, in denen Ökonomisierung, Zeitverdichtung, Polymedikation und zunehmende Antibiotikaresistenz zu großen Herausforderungen werden, ist die Homöopathie insbesondere für viele chronisch kranke Patienten eine Hilfe“, postuliert Cornelia Bajic, 1. Vorsitzende des Deutschen Zentralvereins homöopathischer Ärzte (DZVhÄ), im Gespräch mit der „Ärzte Zeitung“.

Mit Blick auf eine noch unveröffentlichte, repräsentative Forsa-Umfrage, die dem DZVhÄ vorliege, prognostiziert sie seitens der Patienten eine stärkere Nachfrage nach der Einbindung der Homöopathie in den medizinischen Behandlungsalltag. Die Patienten seien somit offen für eine Medizinwende – und damit für den Ansatz der integrativen Medizin.

„51 Prozent der Deutschen stimmen laut Umfrage der Meinung zu, dass die steigende Nachfrage nach Homöopathie eine Wende in der Medizin einleitet hin zu einer integrativen Medizin, also dem Miteinander von Schul- und Naturmedizin“, sagt Bajic. Nur 28 Prozent stimmten dieser Auffassung nicht zu, 21 Prozent trauten sich keine Einschätzung zu („weiß nicht“).

Wie die Befragung weiter ergebe, hätten im Jahr 2010 erst 43 Prozent der Deutschen Erfahrungen mit der Homöopathie gemacht – heute seien es bereits 53 Prozent.

Dieses Ergebnis ist nahezu deckungsgleich mit dem einer im Sommer veröffentlichten, repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Kantar TNS zum Thema Homöopathie und komplementäre Medizin im Auftrag des Homöopathika-Herstellers DHU.

"Bürger wollen Medizinwende"

Wie die Umfrage ergab, haben bereits 56 Prozent der Deutschen Erfahrung mit Homöopathie sowie homöopathischen Arzneimitteln und nutzen sie vor allem bei Alltagsbeschwerden für sich oder andere. „Die Bürger wollen neben einer Energie- und Agrar- auch eine Medizinwende in Deutschland“, so Bajic.

Die Homöopathie sei, wie Bajic betont, narrativ basiert, Empathie spiele eine wichtige Rolle, und die medikamentöse Therapie sei unter Zuhilfenahme sorgsam ausgewählter homöopathischer Arzneimittel auf das notwendigste Minimum reduziert.

Die Patienten in Deutschland scheinen mit ihrer Einstellung zu homöopathischen Mitteln weitgehend unbeeindruckt von der großen Homöopathie-Debatte zu sein, die der Münsteraner Kreis in seinem im Februar 2018 veröffentlichten „Münsteraner Memorandum Homöopathie“ losgetreten hatte.

Darin wollten die Gegner einer zunehmenden Globulisierung der Medizin um die Münsteraner Medizinethikerin Professor Bettina Schöne-Seifert die Bundesärztekammer und die Vertreter der Landesärztekammern argumentativ munitionieren für den 121. Deutschen Ärztetag im Mai in Erfurt, um die Zusatzbezeichnung Homöopathie abzuschaffen. Im Mittelpunkt stand die Streitfrage um die Evidenz homöopathischer Mittel.

Das Ärztetagsvotum fiel nicht im Sinne des Münsteraner Kreises aus, die Zusatzbezeichnung, die rund 7000 Ärzte in Deutschland tragen, hat Bestand. Bajic begrüßt das Votum ausdrücklich und weist auf die Evidenzlage aus Sicht des DZVhÄ hin.

"Klinische Forschung im Bereich Homöopathie unterfinanziert"

„Die evidenzbasierte Medizin basiert auf drei Säulen: auf der klinischen Erfahrung der Ärzte, auf den Werten und Wünschen des Patienten und auf dem aktuellen Stand der klinischen Forschung. Zu jeder dieser Säulen hat die ärztliche Homöopathie Studiendaten und Evidenz zum therapeutischen Nutzen vorzuweisen“, sagt Bajic.

Wie sie ergänzt, verstünden homöopathisch tätige Ärzte auch die Kritik zur spezifischen Wirksamkeit (efficacy) homöopathischer Hochpotenzen. Allerdings lägen auch hierzu zahlreiche positive Daten vor, die nicht außer Acht gelassen werden sollten.

Einziges Manko: „Da die klinische Forschung im Bereich Homöopathie ein unterfinanziertes Feld ist und keine öffentlichen Fördermittel für neue Studien zur Verfügung stehen, wurden bislang nur wenige hochwertige Studien durchgeführt oder wiederholt – das bedeutet, dass das Risiko für Bias in den meisten randomisierten Studien hoch ist“, weist Bajic auf eine essenzielle Problemlage hin.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
Chance für integrative Medizin

Vorteile des kostenlosen LogIns

Auf unserer Webseite finden Sie tagesaktuelle Informationen aus den Themenbereichen Gesundheitspolitik, Medizin und Wirtschaft.

Über ein kostenloses LogIn erhalten Ärzte, Medizinstudenten, MFA und weitere Personengruppen viele Vorteile:

  • Mehr Analysen, Hintergründe und Infografiken
  • Exklusive Interviews
  • Praxis-Tipps zur Abrechnung und Organisation
  • Alle medizinischen Berichte lesen
  • Kommentare lesen und schreiben

Die Anmeldung ist mit wenigen Klicks erledigt. Weitere Infos und zum Login.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich
[17.01.2019, 14:03:58]
Rudolf Hege 
Arroganz der Wissenschaft?
Noch jede Wissenschaftlergeneration ging davon aus, dass ihr aktuelles Weltmodell der wahren Welt entspräche. Immerhin hat man Max Planck vom Studium der Physik abgeraten, da "hier nichts Neues mehr zu erwarten sei"...

Schwamm drüber, der Mensch hat eben gerne Recht.

Nur, keine Wissenschaft beschreibt die Realität als solche, sondern immer nur ein Modell und die Rahmenbedingungen, unter denen das Modell Gültigkeit hat bzw. haben soll.

Das "Hahnemann'sche Modell" ist natürlich auch kein ewig gültiges, sondern entsprach den Vorstellungen seiner Zeit. Nur bedeutet das nicht zwangsläufig, dass alles in Sachen Homöopathie damit ebenfalls "erledigt" sei.

Die Grundeinstellung: Wir können uns die Wirkung mit unserem heutigen Weltmodell nicht erklären - und daher kann es auch keine Wirkung geben - ist jedenfalls keine wissenschaftliche, sondern hat eher etwas von einem dogmatischen Glauben. (Das haben die Skeptiker mit manchem dogmatischen Homöopathen gemeinsam..) zum Beitrag »
[16.01.2019, 22:07:09]
Jan Oude-Aost 
Auf den Schultern von Riesen
Liebe Frau Kollegin Paling,
Sie hatten zwar das Gespräch bereits beendet, doch da ich offenbar nicht in der Lage war, mich verständlich auszudrücken würde ich gerne nochmal versuchen, meinen Standpunkt deutlich zu machen.
Meine Intention war es, den von Ihnen vorgetragenen Wunsch einer Vorurteilfreien Wissenschaft/ eines vorteilsfreien Arztes/Ärztin ernst zu nehmen und konsequent zuende zu denken. Den Begriff „Vorurteil“ habe ich dabei sehr frei ausgelegt, war mir jedoch sicher, mein Anliegen sei trotzdem klar.
Wissenschaft kann nicht (mehr) ohne Vorurteil sein, weil wir bereits Dinge wissen und diese Dinge in unsere Fragen und die möglichen Antworten mit einbeziehen müssen. Wir können nicht einfach große Teile der Chemie, Physik und Biologie ignorieren, um die angeblich spezifische Wirkung von Globuli zu erklären. Das bedeutet nicht, die Erfahrung der Patienten zu negieren, das wäre anmaßend. Das bedeutet jedoch, des kausalen Zusammenhang zwischen der „geistartigen Wirkung“ der Globuli und der Erfahrung von Patienten zu negieren.
Mir lag zum anderen daran, auszusagen, dass sie selbst nicht vorurteilsfrei sind, gehen sie doch von der spezifischen Wirkung von Globuli aus. Das bedeutet, jede Änderung, die sie an einem Patienten wahrnehmen sprechen sie der geistartigen Wirkung der Homöopathie zu.
Mir schien die Forderung nach einer vorteilsfreien Wissenschaft/Medizin einfach nicht zuende gedacht und mir lag daran, diese Idee einer kritischen Prüfung zu unterziehen. Mir lag nicht daran, Ihnen etwas zu unterstellen oder sie zu diskreditieren. zum Beitrag »
[14.01.2019, 19:46:27]
Dr. Petra Paling 
Ernsthaft ?
Sehr geehrter Herr Kollege Oude-Aost,

Ihre Überschrift lädt zum Widerspruch ein: In der Geschichte Deutschlands haben Vorurteile vielen Menschen das Leben gekostet !

Und : Ja, dieses Ideal Hahnemanns sollten wir Ärzte schon haben.

Sicher können wir hier einen Diskurs über die Definition von „Vorurteil“ eröffnen.
Ist bei Ihnen ernsthaft ein „Vorurteil“ nur beschränkt auf das Urteil unserer medizinischen Vorgänger in Forschung und Lehre ?
Ich hätte gedacht, es gäbe einen Unterschied zwischen Urteil und Vorurteil. Hahnemann jedenfalls besaß genug Menschenkenntnis, um das Wort „Vorurteil“ im weiteren Sinne auszulegen und davor zu warnen.

Wir alle beurteilen Phänomene und fällen ein Urteil. Davon lebt die Medizin und auch Ihre, meine Therapie. Ein Urteil darf und muß sogar revidiert werden, wenn später gegenteilige Erfahrungen oder Beurteilungen gemacht werden. Leider beraubt sich die Skeptikerbewegung dieser Erfahrung, sei sie von homöopathischen Ärzten oder Patienten geäußert.
Genügend vorurteilsbehaftete ungläubige Patienten der Homöopathie erfahren an sich eine Besserung ihrer langjährigen Leiden und besitzen die Freiheit zur Änderung ihres (Vor-)Urteils über Homöopathie.

Gehe ich Ihre Zuschrift durch, fallen mir Worte wie „angeblich“, „unkritisch“, „blind“ auf. Die Worte finde ich subtil diskreditierend und tendenziös.
Diese Art von unterschwelliger bis offener Unterstellung sowie eine schlängelnde schrift-verbale Ausweichtaktik charakterisiert die Argumentation der Skeptikerbewegung häufig. Ebenso das Nicht-Eingehen auf doch nachvollziehbare Skepsis bezüglich manchen Bereichen des schulmedizinischen Betriebs.

Unterm Strich: Ich weiß, daß Sie als Vertreter der Skeptikerbewegung sich keinen Deut auf die Homöopathie einlassen können, sowie auch wir Ihre Sichtweisen nicht teilen. So lassen Sie uns hier das „Gespräch“ beenden.

 zum Beitrag »
[13.01.2019, 09:36:58]
Jan Oude-Aost 
Vorurteile retten Leben
Sehr geehrte Frau Paling,

sie wünschen sich einen „vorurteilsfreien Beobachter“ und zeichnen diesen als Ideal in der Medizin. Bilden die Grundlage der homöopathischen „Behandlung“ nicht tausende sogenannter „Arzneitmittelprüfungen“, in denen die angeblich spezifische Wirkung einzelner Globuli bestimmter Verdünnungsstufen beurteilt werden? Sind Sie nicht, so wie wir alle, auf Vorurteile angewiesen? Sind Ihre im Kommentar geäußerten Ansichten nicht auch Vorurteile auf Grundlage der Ansichten Hahnemanns?

Davon abgesehen klingt „vorurteilsfreier Beobachter“ im ersten Moment für unkritische ZeitgenossInnen vielleicht sehr fortschrittlich, hat bei näherer Betrachtung jedoch große Schwächen. Sind für ÄrztInnen, Vorurteile über Anatomie, Physiologie und Biochemie nicht von zentraler Bedeutung, um Symptome professionell beurteilen zu können. Sind wir ohne Vorurteile über Pathophysiologie, Pharmakologie, Epidemiologie u. v. m. nicht blind? Wenn all diese Vorurteile unnötig sind, können wir uns die humanmedizinische Ausbildung sparen. zum Beitrag »
[11.01.2019, 18:29:39]
Dr. Petra Paling 
Wünschenswert: Vorurteilsfreie Wissenschaft
Sobald ein homöopathie-freundlicher Artikel in einem Medium erscheint, sind erstaunlicherweise wie abgesprochen sofort homöopathie-kritische Skeptiker des sogenannten Informationnetzwerk Homöopathie (INH) auf dem Plan, um ihre abgenutzen Argumente wiederkehrend zu verbreiten.

Als ob diese Form der Argumentation überhaupt wissenschaftlich ist…..

Hahnemann postuliert für den Arzt, die Ärztin die Haltung eines vorurteilslosen Beobachters.
Diese Haltung vermisse ich im wesentlichen in der Skeptikerbewegung.
Die Unmöglichkeit der Wirksamkeit von (hoch-)potenzierten Arzneien wird als primäres Dogma erhoben und von dort aus argumentiert.

Anders die homöopathischen Ärzte, die nach einem konventionellen Medizinstudium im Arztberuf neben unbestreitbaren Erfolgen auch die Beschränktheit der schulmedizinischen Therapie erkennen und sich auf die Suche nach zusätzlichen Hilfen auf den Weg machen.

Mit welch auch immer gearteten dogmatischen Wiederholungen von Homöopathiekritik können die Skeptiker nicht die positiven Erfahrungen von homöopathischen Ärzten UND Patienten hinwegwischen.

Im Übrigen verweise ich zum angeblichen Risiko der homöopathischen Behandlung nur auf die letzten Rote-Hand-Briefe:

HCT: Risiko von nicht melanozytärem Hautkrebs
Ciprofloxacin und andere Fluorchinolone : Risiko von Aorten Aneurysma
Esmya (Ulipristat) Risiko von schweren Leberschäden

Oder wie stehen die Skeptiker zu den Kosten von Immuntherapien ?

Nachzulesen im Deutschen Ärzteblatt (Heft 40 von 5.10.2018 S. 1736 ff)
Lahme Abwehr scharf machen
Nobelpreis für Medizin - Immunkrebstherapien
(Zitat)
„Während die Nebenwirkungen in der Regel beherrschbar sind, sind es vor allem zwei Umstände, die den Enthusiasmus bremsen. Erstens sprechen nur rund 20 bis 50 Prozent der Patienten auf die Immuntherapie an. Zweitens sind sie extrem teuer. Pro Jahr und Patient belaufen sich die Kosten mitunter auf mehr als 100.000 Euro.
Kombinationen potenzieren dies.
Bedenkt man die demografische Entwicklung, aber vor allem die Zahl der Checkpoint-Inhibitoren in der Pipeline der Hersteller, dann wird dies mit dem herkömmlichen Finanzierungsmodell nicht mehr zu stemmen sein. „

Sehr geehrte Skeptiker: es gibt auch woanders in der Medizin für Sie noch viel zu tun !



 zum Beitrag »
[10.01.2019, 21:54:37]
Jan Oude-Aost 
Nichts hilft nicht.
Monika Königstein [10.01.2019, 01:23:16]

Liebe Frau Königstein,
gerne verlinke ich Beitrag, in dem eine Studie von Frau Prof. Witt besprochen wird, die belegt, dass eine homöopathische Behandlung mit höheren Kosten korreliert (https://www.netzwerk-homoeopathie.eu/standpunkte/249-zur-neuen-homoeopathie-kostenstudie-nichts-ist-immer-zu-teuer).
Als zweiten Punkt möchte ich anmerken, dass ein Medikament, welches durch ein homöopathischen "Arzneimittel" ersetzt werden kann, unnötig verschrieben wurde.
Schließen möchte ich mit dem Hinweis darauf, dass diese Form der Argumentation lediglich eine Variante von "Whataboutism" ist, der in Diskussionen zur Homöopathie gerne genutzt wird. Dazu ist anzumerken, dass kein Mangel der Medizin (derer gibt es einige) dazu in der Lage ist, Homöopathie eine spezifische Wirksamkeit zu verleihen. Außer natürlich man hängt einem magischen Weltbild an. Das sei jedem unbenommen, gehört jedoch nicht in die ärztliche Praxis. zum Beitrag »
[10.01.2019, 17:05:03]
Julius Senegal 
Warum können Homöopathen nicht Fakten anerkennen?
An "Dr." "Hümmer":

Auch hier, wieder wüster c&p aus irgendwelchen Quellen, vieles ist einfach falsch:
1) Meta-Analysen:
Nein, Mathie z. B. hatten wir schon als falsch, die anderen sind auch schwach, nicht aussagekräftig und methodisch schlecht. Außerdem stehen dem wie unten schon beschrieben wesentlich mehr Meta-Analysen entgegen, die belegen, dass Homöopathie nicht besser als Placebo ist. Das muss auch nichts "geheimgehalten" werden.

2) Es gibt keine Evidenzen dafür, dass H. besser als Placebo ist. „Will nicht“ oder „Kann doch nicht sein!!!11elf“ ist kein Argument.

3) „die einstigen Arzneimittelprüfungen an Gesunden sind nach heute gültigem Verblindungsstandart nicht zuverlässig aussagekräftig.“ Diese Aussage ist wahlweise falsch oder ergibt keinen Sinn. Übrigens schreibt man Standard mit „d“. Außerdem sind wir nicht anno soundso stehengeblieben, auch neuere Untersuchungen zeigen, dass H. nichts weiter als Placebo ist.

4) Das von Hahnemann postulierte Simileprinzip spiegelt nur wider, dass Hahnemann zu SEINER ZEIT eine Alternative zur damals praktizierten Medizin (Aderlass z. B.) eingeführt hatte. Von Bakterien oder Viren und anderen Erkrankungsursachen hatte er keinen Schimmer.
In der Natur kommt das Simileprinzip gemäß Hahnemann gar nicht vor. Das Prinzip ist sogar höchst unlogisch und widersprüchlich - Naturgesetze sind klar und universell.

5) Gegen die Zuwendungs-, Suggestions- u. Placebowirkung der Homöopathie spricht doch gar nichts. Es ist ja ein toller Beweis, wenn mit vielem Glauben dann der Placebo-Effekt mit der Zeit eintrifft. Oder nicht, dann gibt es Probleme, weil man wertvolle Zeit verschwendet hatte, siehe nächsten Punkt.

6) „Für das Argument die Homöopathie sei schädlich, weil Leute von wichtigen Behandlungen abgehalten werden, gibt es keinerlei Beweise oder Plausibilität.“

Wieder falsch und schon dutzende Male in den Medien, z. B. [1,2]

7) Zum Wirkprinzip: Außer Schwafellei und „es könnte ja sein“ keine Fakten, keine Erklärung. Nichts. Kritiker haben eher Angst davor, dass Homöopathen ahnungslose und gutgläubige Menschen schamlos ausnutzen und nur mit Placebo behandeln, dort, wo wirksame Medikamente von Nöten wären. Führt ja bisweilen zu Todesfällen, wie oben belegt.

8) Auch wieder falsch, H. ist sogar kostenUNgünstiger, siehe [3].

9) H. muss auf den Müllhaufen der Geschichte oder zumindest Krankenkassen haben nichts mehr beizusteuern.

10) Wenn H. wirken sollte - prima, leicht verdientes Geld. Es gibt doch die 50.000 €-Challenge, komisch, warum H. so viel Angst haben, Geld zu verdienen (also mal nicht bei ahnungslosen Patienten): [4] Bisher gibt es nur eine Bewerbung - aber H. soll doch so super duper wirken, seltsam seltsam...

[1] https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2016/07/21/heilpraktiker-steht-wegen-fahrlassiger-totung-vor-gericht
[2] https://www.mdr.de/investigativ/fakt-homoeopathie-102.html
[3] https://www.derbund.ch/contentstationimport/homoeopathieaerzte-sind-teurer-als-schulmediziner/story/17961920
[4] https://www.gwup.org/challenge-startseite zum Beitrag »
[10.01.2019, 13:51:56]
Julius Senegal 
Warum schwurbeln Homöopathen immer nur von Studien, wenn sie keine Ahnung haben?
@Björn Bendig M.A.:

1) Zuerst wird ein schwall schwacher, nichtssagender Studien pro Homöopathie gespamt.
2) Nach starker Kritik auf deren Aussagekraft werden weitere "Studien" gepostet, ohne auf die Argumente einzugehen.
3) Nun möchte Bendig aber nicht so sehr sich auf Studien berufen ("dass Kritiker hier die Diskussion einmal mehr auf RCT/Metaanalysen verengen wollen.") - komisch, er hat doch damit angefangen.
4) Dann kommt die neue Idee: die drei Säulen (nach C. Bajic, später dann aber nach Sackett, was denn nun?) sollen's richten.

Ja, die drei Säulen lauten [1]:
(1) den aktuellen Stand der klinischen Forschung (externe Evidenz),
(2) die individuelle klinische Erfahrung (interne Evidenz) sowie
(3) die Werte und Wünsche des Patienten.

Und gerade bei (1) versagt es total bei der Homöopathie, und selbst (2) sagt bei Homöopathie nur, dass es halt ein Placebo ist.

Schönes Eigentor.

[1]: https://www.pharmazeutische-zeitung.de/ausgabe-442012/evidenzbasierte-medizin-die-begruendete-entscheidung/ zum Beitrag »
[10.01.2019, 01:23:16]
Monika Königstein 
"Kein Problem, aber bitte nicht von meinem Geld!"
Dr. Gert Krabichler schreibt: "Kein Problem, aber bitte nicht von meinem Geld! In einer Gesellschaft, in der alle irgendwie mitreden wollen und nach ihrem persönlichen Gusto selig werden wollen, sollte man für alle, die nach Alternativen suchen (auch wenn diese unsinnig erscheinen), dies auch ermöglichen. Aber wer etwas möchte, sollte dafür auch entsprechend bezahlen, z.B. durch einen Zusatzbeitrag auch bei der gesetzlihen Versicherung (aber ohne Arbeitgeber Beitrag!). Jedem Tierchen sein Plaisirchen!"

Lieber Herr Krabichler, es ist belustigend zu lesen, wie hier über die vermeintliche Mehrbelastung durch homöopathische Mittel gestöhnt wird. Die Ersparniss, die der gesamten Gesellschaft zugute kommt, indem ein paar Kügelchen für wenige Euro verordnet werden statt Pillenpackungen im 2- bis 5-stelligen Euro-Bereich, wird in ihrem Statement mit keinem Wort erwähnt. Und das sind ja nicht nur die Globuli, die die Ausgaben minimieren, sondern auch Kosten für Therapeutenbesuche, die von vielen Patienten - zusätzlich zu ihren Krankenkassengebühren - aus eigener Tasche gezahlt werden, weil sie von ihren Ärzten mit ihrem Anliegen ignoriert werden. - Leider fehlen mir gerade die Zahlen, aber Sie wollen ernsthaft eine Rechnung aufstellen, die aufzeigt, dass Homöopathie das Gesundheitssystem BE-lastet und nicht ENT-lastet? :)

Und, Herr Krabichler, ich würde mich sofort und umgehend für eine Krankenkassen-Politik einsetzen, bei der meine Gebühren für meine Bedürfnisse und meine Vorstellung von Therapie ausgegeben werden dürfen. Weil wissen Sie, diese evidenzbasierte Medizin mit standarisierten Leitlinien versucht ja, jeden Patienten in diese Schubladen zu pressen, ob sie reinpassen oder nicht. Wenn's dann mal nicht so funktioniert, wird einfach die Empfehlung rausgegeben, doch mal einen Psychiater zu konsultieren. - Hätte ich die Wahl, würde ich keinen Cent zur Verfügung stellen für unnötige Operationen, übertriebene Diagnostik und unangemessene Behandlungskonzepte.

Nicht Ärzten sollten die Entscheidung obliegen, ob Homöopathie von den Kassen getragen wird oder nicht, sondern den Patienten, die mit ihren Krankenkassenbeiträgen die Kassen befüllen, aus denen auch Sie bezahlt werden.

zum Beitrag »
[09.01.2019, 23:33:35]
Dr. Heinrich Hümmer 
Fakten
Memorandum Homöopathie

Argumente
und
Antworten auf Kritikpunkte

in der Homöopathie-Diskussion


Vier von fünf Metaanalysen zeigen die Überlegenheit der Homöopathie als Therapiesystem gegenüber Placebo

Die Metaanalyse von Mathie (2014) zeigt auch nach Cochrane-Kriterien ein positives Ergebnis für individualisierte Homöopathie

In der Hälfte aller ökonomischen Analysen werden Kostenersparnisse bei homöopathischer Therapie dokumentiert

Es gibt über 1000 Experimente zu den Effekten von Hochpotenzen auf Zellkulturen, Tiere und Pflanzen, davon etliche von anderen Forschern repliziert.
z.B. Veränderungen der Genexpression neuronaler Zellen in hochverdünnter Gelsemium-Lösung

Der therapeutische Nutzen der homöopathischen Behandlung als Gesamtkonzept (effectiveness) ist hinreichend belegt.

Die spezifische Wirksamkeit (efficacy) von Hochpotenzen wird in vielen klinischen Studien und Experimenten aus der Grundlagenforschung gezeigt.


Der australische Homöopathie-Report:
Dieser ist keine Metaanalyse sondern nur systematische Literaturrecherche. Nur für Metaanalysen wird die höchste Evidenz postuliert. Es wurden nur Studien mit mehr als 150 Studienteilnehmern akzeptiert und bis heute ist keine rationale Begründung bekannt, warum der Cut-Off bei 150 Teilnehmern je Indikation gesetzt wurde.

Er wurde zweimal verfasst: Warum wurde und wird die erste Fassung der Ergebnisse unter Verschluss gehalten?


Die Behauptung von INH und gwup, es gebe keinerlei Evidenz zugunsten der Homöopathie ist zumindest unseriös wenn nicht gar eine bewusste Irreführung

Die Analyse von Metaanalysen durch Walach auf https://www.homöopathie-forschung.info/easac/ : Darin beobachtet er sehr genau die Auswahlkriterien der Metaanalysen und kommt z.B. bei der Metaanalyse von Shang zu dem Ergebnis:

Schließt man alle 110 Studien ein, ergibt sich ein klarer signifikanter Effekt. Nimmt man etwa 14 Studien aus dem Ensemble der qualitätvollen 21 Studien, dann ist der Effekt immer noch signifikant. Der negative Effekt ist hauptsächlich auf eine große Studie zurückzuführen, bei der Arnica präventiv gegen Muskelkater bei Marathonläufern getestet wurde.
Die Studie der Europäischen Wissenschaftsakademie (EASAC): Um die Aussage zu belegen „ Homöopathie ist unwirksam und empirisch gesehen maximal ein Placebo und als solches gefährlich, weil es wirksame Maßnahmen verhindern kann“, nimmt die EASAC nicht, wie wissenschaftlich üblich, auf Primärdaten Bezug sondern verlässt sich auf „impartial bodies“, sprich sogenannte „unparteiische“ Institutionen. Dass es mit der Unparteilichkeit z.B. des Australian National Health and Medical Council nicht weit her ist, kann Walach aufzeigen.
Wenn Homöopathie nur als pharmakologisches Placebo wirken würde, dann würde man eine andere Datenlage erwarten.
Walach: „Ist es zulässig, ein Phänomen, nur weil es noch nicht verstanden ist und wir es nicht in unser Weltbild einbauen können, zu bannen und als prinzipiell undenkbar zu brandmarken?“

Die Studienlage zu untersuchten Interventionen der konventionellen Medizin:

nur (!)bei 43% der Reviews zeigt sich, dass sie möglicherweise wirksam sind
bei 2% zeigt sich, dass sie klar schädlich sind und bei 5%, dass sie möglicherweise schädlich sind
zum Vergleich Homöopathie: Wirksamkeit in 41% der Studien erwiesen - ohne Nebenwirkungen!

Einerseits: Einzelne Thesen des Hahnemannschen Theoriegebäudes können aus heutigem Erkenntnisstand nicht unwidersprochen bleiben und die einstigen Arzneimittelprüfungen an Gesunden sind nach heute gültigem Verblindungsstandart nicht zuverlässig aussagekräftig.

Andererseits: Das von Hahnemann postulierte Simileprinzip spiegelt ein Urprinzip der Wechselwirkungen in der Natur wieder und ist in der Physik vielfach anerkanntes Wirkprinzip.

Gegen die Zuwendungs-, Suggestions- u. Placebowirkung der Homöopathie spricht: Warum wirkt bisweilen erst die 3. oder 4. Globuli-Gabe unabhängig von der Zeit der Einlassung?

Für das Argument die Homöopathie sei schädlich, weil Leute von wichtigen Behandlungen abgehalten werden, gibt es keinerlei Beweise oder Plausibilität

Kritikpunkt Verdünnungs/Potenzierungs Prinzip

Das Dogma des ausschließlichen Materie-Wirkungsprizips ist physikalisch nicht plausibel.
Das der Homöopathie möglicherweise zugrunde liegende Schwingungs-Resonanz-Phänomen als Wirkprinzip ist (bisher) weder bewiesen noch pauschal zu negieren
Und zum Thema Materie-Wirkungsprinzip konzidiert Frau Dr. Grams auf S. 179 in ihrem Buch „Homöopathie neu gedacht“:Ab der emotionalen Ebene haben wir es nicht mehr mit rein materiellen, messbaren, biologisch-physikalischen Tatsachen zu tun“[!!]

Was sind die wirklichen Befürchtungen der Homöopathie-Skeptiker?

Ist den Rationalisten/Technokraten unter den Skeptikern eine (bisher noch) nicht erklärbare Therapie-Wirkung einfach nur unheimlich weil scheinbar irrational, obschon keine negativen Effekte zu befürchten sind?

Homöopathie....

wird meist auf dezidierten Wunsch mündiger Patienten/Eltern eingesetzt
wird oft dann eingesetzt, wenn andere Therapien sich als uneffektiv erwiesen haben
wird bei Krebserkrankungen nicht statt Chemotherapie und Radiatio sondern adjuvant zu diesen eingesetzt
hat keine wesentlichen Nebenwirkungen
wird u.a. auch dann eingesetzt, wenn andere Therapien sich als absolut unverträglich erwiesen haben
ist wesentlich kostengünstiger als jegliche andere Therapie
wird beim Einsatz durch homöopathisch ausgebildete Ärzte verantwortungsvoll und mit klarer Berücksichtigung ihrer Grenzen eingesetzt.
Die Sicherheit der Patienten steht absolut im Vordergrund und hat oberste Priorität vor jeglicher dogmatisch beeinflussten Therapie-Wahl zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Verändern schon wenige Joints das Gehirn?

Bei Jugendlichen, die nur ein bis zwei Mal Cannabis geraucht haben, sind Hirnveränderungen entdeckt worden. Diese könnten eine Angststörung oder Sucht begünstigen. mehr »

Bessere TSVG-Regelungen in Sicht?

Die großen Brocken wie die Aufstockung der Mindestsprechstundenzahl will Gesundheitsminister Jens Spahn nicht anfassen. Eine Nummer kleiner können die Ärzte aber wohl mit Änderungen am TSVG rechnen. mehr »

Daran starb Karl der Große

Karl der Große führte Kriege quer über den Kontinent. Sein großes Reich erstreckte sich von der Elbe bis Spanien. Am Ende könnte eine Lungenentzündung den mächtigsten Mann des Mittelalters niedergestreckt haben, mehr »