Ärzte Zeitung, 01.12.2014

Phyto-Forum

Was hilft bei Makula-Degeneration?

Zur unterstützenden Therapie bei Makula-Degeneration gibt es auch phytotherapeutische Ansätze.

 Frage:Zur unterstützenden Therapie bei Makula-Degeneration (AMD) soll es auch phytotherapeutische Ansätze geben. Welche sind das?

Professor Karin Kraft: Eine AMD findet sich bei fast 25 Prozent der über 65 Jährigen. Die Krankheit schreitet über ein frühes symptomloses Stadium allmählich fort.

In späten Stadien der AMD kommt es entweder zu einer geografischen Atrophie des retinalen Pigmentepithels ("trockene" Form) oder zu exsudativen ("feuchten") Formen, bei denen eine chorioidale Neovaskularisation, eine Abhebung des retinalen Pigmentepithels, Risse des retinalen Pigmentepithels und schließlich Narben auftreten.

Standardtherapie der feuchten AMD ist gegenwärtig die Injektion mit VEGF-Hemmern, für die trockene AMD existiert keine Standardtherapie. Dementsprechend gibt es vielfältige Therapieangebote auch aus dem komplementärmedizinischen Bereich. Hinsichtlich phytotherapeutischer Optionen ist die Datenlage zwar vielversprechend, jedoch muss, wie die nachfolgenden Studien zeigen, noch viel getan werden.

Die vielfältigen günstigen pharmakologischen Wirkungen von Ginkgo biloba dürften auch für die in eine Cochrane-Analyse zur Phytotherapie bei AMD eingeschlossenen randomisierten Studien ausschlaggebend gewesen sein. Es sind insgesamt 119 Personen über jeweils 6 Monate untersucht worden.

In der einen Studie wurden 20 Patienten mit 2x80 mg Ginkgo biloba-Extrakt (EGb 761) oder Placebo behandelt, in der anderen Studie, in die nur Patienten mit trockener AMD eingeschlossen wurden, wurden Tagesdosierungen von 240mg und 60 mg Extrakt (EGb 761) verglichen. Beide Studien ergaben Hinweise auf eine Verbesserung der Sehschärfe bei Einnahme von Ginkgo biloba-Extrakt.

In einer interventionellen offenen Pilotstudie nahmen 29 Patienten (55-85 Jahre) mit einem frühen Stadium der AMD ein Präparat mit einer Tagesdosis von 20 mg Safran ein. Nach drei Monaten wurden eine Verbesserung der retinalen Sensitivität auf der Basis der Elektroretinographie um im Mittel 0.3 log-Einheiten und einer um zwei Snellen-Linien verbesserten Sehschärfe beobachtet.

Diese Verbesserungen waren auch in der anschließenden Langzeitstudie über 14 (±2) Monate stabil. Für die beobachtete Wirkung sollen zwei in Safran enthaltene antioxidativ wirksame Inhaltsstoffe, Crocin und Crocetin, verantwortlich sein.

Professor Karin Kraft hat den Lehrstuhl für Naturheilkunde am Zentrum für Innere Medizin der Uni Rostock inne.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Marathon geht Amateuren richtig ans Herz

Wer sich als Amateur an einen Marathon wagt, ist trotz regelmäßigen Trainings kardial gefährdet. Studienautoren geben einen Tipp, um das Herz nicht so stark zu belasten. mehr »

VR-Therapie dämpft Paranoia

Einfach mal ins Café gehen oder mit dem Bus fahren – für Patienten mit schwerer Paranoia ist das schwer vorstellbar. In einer virtuellen Umgebung können sie jedoch lernen, mit ihren Ängsten umzugehen. mehr »

Wie Physician Assistants im Job ankommen

Bewährt sich ein auf dem Papier geschaffener Gesundheitsberuf in der Praxis? Nach dem Studium schwärmen die „Arztassistenten“ in die Kliniken aus. Absolventin, Ausbilder und Chefarzt ziehen Bilanz. mehr »