Ärzte Zeitung, 30.08.2007

Jedes zweite Kind lebt in Raucher-Haushalt

Benzol-Belastung in Innenräumen ist höher als der Grenzwert für Außenluft / Neue Daten des Kinder-Umwelt-Surveys

BERLIN (fst). Neue Daten des Kinder-Umwelt-Surveys verdeutlichen die gesundheitliche Belastung des Nachwuches durch Gifte, Passivrauchen und Lärm. Das hat das Umweltbundesamt (UBA) in seinem neuen Jahresbericht betont.

Lärm, Gestank und viel Blei: Verkehr belastet die Kindergesundheit. Foto: imago

Teilgenommen haben an dem Survey fast 1800 Kinder im Alter von drei bis 14 Jahren. Bei ihnen wurden Blut- und Urinproben untersucht. Zusätzlich haben die Forscher in den Wohnungen von fast 600 der Kinder Hausstaub- und Innenraumluftproben genommen. Die Kooperation mit dem Kinder- und Jugendgesundheitssurvey (KIGGS) des Robert-Koch-Instituts erlaube es zudem, die Umweltbelastungsdaten mit den Erhebungen zur gesundheitlichen Situation der Kinder abzugleichen.

Den Daten zufolge leben etwa 50 Prozent der Kinder in Haushalten mit mindestens einem Raucher. Diese Zahl habe sich in den vergangenen 15 Jahren nicht verringert, kritisiert das UBA. In knapp der Hälfte der Raucherhaushalte sei der Benzol-Gehalt in der Innenluft "so hoch, dass der künftige EU-Grenzwert für Benzol in der Außenluft überschritten wird", schreibt die Behörde.

Repräsentative Ergebnisse des Kinder-Umwelt-Surveys lassen "eine unterschiedliche Schadstoffbelastung in Abhängigkeit vom Sozialstatus" erkennen, so das UBA. So wurde bei Kindern aus sozial schwachen Familien eine höhere Bleikonzentration im Blut ermittelt als bei ihren Altersgenossen aus Familien mit mittlerem oder hohem Sozialstatus. Schlechte Wohnbedingungen beispielsweise an stark befahrenen Straßen können dafür ein Erklärungsansatz sein. Umgekehrt ist bei Kindern aus gut gestellten Familien die Belastung mit polychlorierten Biphenylen (PCB) "deutlich höher" als bei Kindern anderer Sozialschichten.

Umweltbelastung, betont der Bericht aber, sei ein Problem aller Kinder. Ein Beispiel dafür ist die Schadstoffgruppe der Phthalate, die sich vor allem als Weichmacher in PVC-Produkten finden. Bei einer Untergruppe der Weichmacher (Di-n-Butylphthalat) überschritten bis zu 37 Prozent der Kinder die "akzeptablen täglichen Aufnahmemengen". Dies sei "Besorgnis erregend".

Eine weitere Belastungsquelle für Kinder ist Lärm. Sechs Prozent der Kinder fühlten sich nach Angaben ihrer Eltern von Straßenlärm gestört, 5,5 Prozent von Fluglärm. Bei drei Prozent der acht- bis 14-jährigen Kinder wurde "ein erster Hörverlust" festgestellt.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
Eine vernachlässigte Facette von Armut

Topics
Schlagworte
Umweltmedizin (1149)
Krankheiten
Suchtkrankheiten (4425)
Wirkstoffe
Blei (95)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Hüpfen und Einbeinstand halten fit

Hüpfen, Treppensteigen oder auf einem Bein Zähneputzen: Mit bewussten, einfachen Übungen können alte Menschen ihre Beweglichkeit erhöhen und die Sturzgefahr senken. mehr »

Das sind die Gewinner des Galenus-von-Pergamon-Preises 2017

Mit dem Galenus-von-Pergamon-Preis, der auch international große Anerkennung findet, wurden erneut Exzellenz in der pharmakologischen Grundlagenforschung und die Entwicklung innovativer Arzneimittel gekürt. mehr »

Demenz oder Depressionen?

Benennen ältere Patienten von sich aus kognitive Defizite, sollten Ärzte hellhörig werden: Häufig liegt dann keine Demenz, sondern eine Depression vor. mehr »