Ärzte Zeitung, 29.01.2008

Nächtlicher Fluglärm kostet die Kassen viel Geld

Ärzte fordern ein Nachtflugverbot am Flughafen Köln/Bonn / Rückenwind kommt aus Siegburg

KÖLN (frk). Nächtlicher Fluglärm am Flughafen Köln/Bonn kostet die Krankenkassen pro Jahr mehrere 100 Millionen Euro. Das hat Dr. Arno Lange berechnet, Facharzt für Innere Medizin und zweiter Vorsitzender der Ärzteinitiative für ungestörten Schlaf im Rhein-Sieg-Kreis.

Ab etwa 40 dB wird Dauerlärm zu einem Stressfaktor.

Die Ärzte der Initiative sind der Meinung, dass die Geräuschbelästigung durch nächtlichen Flugverkehr die Gesundheit ihrer Patienten in Mitleidenschaft zieht. Sie haben eine Studie in Auftrag gegeben, die den Zusammenhang zwischen Fluglärm und Medikamentenkonsum anhand der Daten von 800 000 Versicherten aus der Umgebung des Flughafens untersucht.

Jeder Fünfte von den insgesamt 160 000 der in der Studie untersuchten Anwohner leidet unter den Folgen von Lärm. Ein hoher Lärmpegel führe unter anderem zu hohem Blutdruck, dessen Folge ein Herzinfarkt sein könne, sagt Lange. Einem seiner Patienten, der stets gesund gelebt und außer dem Fluglärm keine Beschwerden gehabt habe, sei dies widerfahren. Behandlung und Medikamente für ihn kosten jedes Jahr etwa 2000 Euro. Umgerechnet auf alle 160 000 Erkrankten der Studie ergebe das hohe Gesundheitskosten, rechnet Lange vor.

Die Ärzteinitiative setzt sich schon seit Jahren für ein Nachtflugverbot am Flughafen Köln/Bonn ein. Zuletzt musste sie einen herben Rückschlag verkraften. Das Landesverkehrsministerium plant, demnächst die Nachtflugerlaubnis für den Flughafen bis zum Jahr 2030 zu verlängern. Die Argumente der Ärzte will das Ministerium nicht gelten lassen. Es sei nicht klar sei, ob nur der Fluglärm für die hohe Verordnung an Blutdrucksenkern verantwortlich ist oder noch andere Faktoren eine Rolle spielen.

Rückenwind erhält die Initiative aus Siegburg. Die Stadt hat einen Antrag auf ein absolutes Nachtflugverbot beim Landesverkehrsministerium gestellt.

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