Ärzte Zeitung, 14.11.2016
 

Nierenstein loswerden

Einfach mit der Achterbahn fahren?

Modellversuch im Disney-Park: Eine Fahrt mit der Achterbahn könnte helfen, Nierensteine loszuwerden.

Von Peter Leiner

Einfach mit der Achterbahn fahren?

Neue Therapieoption gegen Nierensteine mit der Achterbahn?

© Jacob Lund / fotolia.com

WASHINGTON. Eine Fahrt mit der Achterbahn könnte Patienten mit Nephrolithiasis helfen, die Nierensteine loszuwerden. Zumindest mit einem personalisierten Modell aus Silikon, getestet in einem US-amerikanischen Vergnügungspark, hat das schon geklappt.

Die beiden US-Osteopathen Dr. Marc A. Mitchell von der Doctors Clinic in Poulsbo in Washington und Dr. David D. Wartinger vom Michigan State University College of Osteopathic Medicine in East Lansing erfuhren in den letzten Jahren von mehreren Patienten, dass diese ihre Nierensteine spontan loswurden, als sie mit der Achterbahn "Big Thunder Mountain Railroad" im Walt Disney-Park in Orlando gefahren waren.

Silikon- statt Balistikgel

Grund genug für Mitchell und Wartinger, wissenschaftlich anhand eines Silikonmodells zu überprüfen, wie sich die Größe der Steine, ihre Lage im Nierenbeckenkelch und die Sitzposition innerhalb des Zuges auf die Abgangsrate auswirken.

Frühere Versuche mit Modellen aus Ballistik-Gel hielten ihren Angaben zufolge den Belastungen während mehrerer Achterbahnfahrten nicht stand.

Für ihre Versuche, die bereits im Jahr 2008 stattfanden, verwendeten sie ein durchsichtiges Standardnierenbeckenmodell, das sie anhand der CT-Urogrammdaten eines ihrer Patienten an dessen Anatomie anpassten, was Wartinger in einem Video erläutert.

Unterschiedliche Steingrößen getestet

Zudem nutzten sie drei Harnsteine des Patienten nach spontanem Abgang, die ein Volumen von 4,5 mm3, 13,5 mm3 und 64,6 mm3 hatten. Die Kalziumoxalatsteine wurden in verschiedenen Positionen innerhalb des modellierten Nierenkelchs – in Urin getaucht – platziert.

Während der Fahrten mit der Achterbahn, die jeweils zweieinhalb Minuten dauerten und ohne Loopings verliefen, positionierten Mitchell und Wartinger das Modell in einem Rucksack zwischen sich in Nierenhöhe, und zwar in verschiedenen Wagen des Zuges und innerhalb eines Wagens in unterschiedlichen Reihen.

Pro Fahrt wurden drei Steine getestet. Insgesamt wurden 20 Fahrten unternommen (J Am Osteopath Soc 2016; 116: 647–652).

Position in Achterbahn entscheidend

Aus der Auswertung der gesammelten Daten geht hervor, dass bei Platzierung des Modells im vordersten Wagen – unabhängig von der Steingröße und dessen Lokalisation im Nierenkelchmodell – die Abgangsrate bei 16,7 Prozent (4 / 24) lag.

Deutlich höher lag sie dagegen – ebenfalls unabhängig von Größe und Lokalisation –, wenn das Modell im letzten der fünf Wagen transportiert wurde, nämlich bei 63,9 Prozent (23 / 36).

Wenn sich das Modell im hintersten Wagen befand, lag die Abgangsrate bei 100 Prozent, wenn es sich um einen oberen Nierenkelchstein handelte, und nur bei 40 Prozent im Falle eines unteren Kelchsteins.

Wie es zur Steinpassage kommt, können die beiden Osteopathen anhand ihrer Studie nicht erklären. Zudem wurde nur ein Modell in einem einzigen Achterbahntyp getestet. Schließlich müssten künftig die Versuche auch mit Modellen wiederholt werden, die dem Nierenkelchsystem von Studienteilnehmern ohne Nierensteine nachempfunden wären.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Progesteron-Gel kann Frühgeburt vermeiden

Sinkt der Progesteronspiegel in der Schwangerschaft zu früh, verursacht das wohl eine vorzeitige Wehentätigkeit und Geburt.Einige Frauen schützt eine vaginale Hormonapplikation davor. mehr »

Statine mit antibakterieller Wirkung

Die kardiovaskuläre Prävention mit einem Statin schützt möglicherweise auch vor Staphylococcus-aureus-Bakteriämien. Das hat eine dänische Studie ergeben. mehr »

Das steht in der neuen Hausarzt-Leitlinie Multimorbidität

Die brandneue S3-Leitlinie Multimorbidität stellt den Patienten als "großes Ganzes" in den Mittelpunkt – und gibt Ärzten eine Gesprächsanleitung an die Hand. mehr »